Tosender Applaus, anerkennendes Füßetrampeln und laute Anfeuerungsrufe: Im Großen Hörsaal der TH Wildau, wo ansonsten strenge Formeln im Vordergrund stehen, ging es am Mittwochabend zu wie auf einer Showbühne. Die Teilnehmer des "Science Slams" - eines wissenschaftlichen Kurzvortragsturniers - hatten jeweils sieben Minuten Zeit, um komplizierte Zusammenhänge, mit denen sie sich im Alltag beschäftigen, auf populäre Weise darzustellen.
Karolin Keil etwa, die sich als einzige junge Frau unter die Männer gewagt hatte, gab über die "Entwicklung von Cyanobakterien in Bioreaktoren" Auskunft. Denn damit beschäftigt sich die 25-Jährige auch in ihrer Masterarbeit. Sie hielt ihren Vortrag auf so amüsante Weise - etwa, indem sie auf der Leinwand Helden der "Star Wars"-Serie über ihre Schultern schauen ließ -, dass sie am Ende auf Platz zwei landete. "Meine Arbeiten im Labor machen mir wirklich Spaß, ansonsten hätte ich das gar nicht so rüberbringen können", sagte sie im Anschluss.
Noch ein bisschen mehr Selbstironie und Understatement legte freilich Patrick Steglich an den Tag. Der wissenschaftliche Mitarbeiter am Fachbereich Photonik, der über den "Einsatz optischer Ringresonatoren für die Datenübertragung" sprach, mixte seinen Vortrag mit Sprüchen wie: "Das ist wie Schach, bloß ohne Würfel" oder: "Photoniker sind eine Ansammlung gescheiterter Existenzen, aber das macht uns so erfolgreich". Das System, an dem er aktuell arbeitet, wird übrigens für die Diagnose von Blutwerten eingesetzt. Steglich bekam den meisten Applaus.
Einen äußerst seriösen Hintergrund hat auch die gesamte Wissenschaftswoche der Technischen Hochschule, in deren Verlauf es bis zum kommenden Freitag zahlreiche Symposien und Fachveranstaltungen geben wird. "Das ist so etwas wie das Schaufenster unserer Hochschule", erläutert deren Vizepräsident für Forschung, Ralf Vandenhouten. Er verweist darauf, dass die TH in den vergangenen Jahren jeweils 15 Millionen Euro von Partnern aus der Praxis für gemeinsame Projekte eingeworben hat. "Das ist etwa genauso viel Geld, wie wir jährlich vom Land Brandenburg für unsere Grundfinanzierung erhalten, und gemessen an unserer Professorenzahl der Spitzenwert in Deutschland", so Vandenhouten.
Besonders stolz ist man darauf, dass der "Verband der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer" und der Verein für Angewandte Automatisierungstechnik an Hochschulen innerhalb der Woche eine Konferenz veranstalten, die heute zu Ende geht.
In der kommenden Woche wird es dann unter anderem einen Workshop geben, der sich der unterbrechungsfreien Stromversorgung mit Brennstoffzellen im Zeitalter der neuen Energien widmet, und das "2. Automobil-Symposium Wildau", bei dem es um die Digitalisierung in der Autobranche geht. "Unser Bereich für Wirtschaftsinformatik arbeitet bereits mit mehreren Zulieferern aus der Autobranche zusammen und natürlich wollen wir da am Ball bleiben", erläutert Vandenhouten.
"Für Handwerksbetriebe, Wohnungsunternehmen oder auch private Häuslebauer aus der Region dürfte unser Energiesymposium die interessanteste Veranstaltung werden", mutmaßt dagegen der Sprecher der TH, Bernd Schlütter. Denn bei dieser Veranstaltung am kommenden Freitag soll es vor allem um Energieeinsparungen und die Senkung von Kohlendioxidemissionen gehen. Der Eintritt ist frei.
Um für die Region von Berlin bis zur Lausitz und Ostbrandenburg ein noch wichtigerer Partner zu werden, bewirbt sich die TH gemeinsam mit der Technischen Universität Cottbus-Senftenberg innerhalb der von Bund und Ländern ausgeschriebenen Förderinitiative "Innovative Hochschule". "Die Schwerpunkte unserer Bewerbung sind Digitalisierung, Leichtbau und angewandte Biowissenschaften", verrät Vandenhouten. Der Projektantrag beider Hochschulen habe einen Umfang von 14,7 Millionen Euro.