Ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts sorgt für Enttäuschung bei Brandenburgs Tagesmüttern. Eine Kollegin ist mit ihrer Klage für eine bessere Vergütung gescheitert. Nun wachsen die Sorgen um den Berufsstand.
Etwas mehr als 1100 Frauen und Männer arbeiten derzeit landesweit in der Kindertagespflege. Das sind 200 weniger als im Jahre 2010, trotz steigender Geburtenzahlen. In den Augen von Ingrid Pliske-Winter gibt es für den Schwund einen ganz einfachen Grund. „Unsere Arbeit wird zwar stark nachgefragt, aber nicht angemessen honoriert. Es fehlt die Wertschätzung“, sagt die Vorsitzende des Landesverbands für Kindertagespflege.
Große Hoffnungen hatte die Müncheberger Tagesmutter nun in das Bundesverwaltungsgericht gesetzt. Die Leipziger Richter hatten darüber zu befinden, ob sich eine Betreuerin aus Nordrhein-Westfalen zu recht über die ihrer Meinung nach zu geringe Vergütung durch die Kommune beschwert. Vor wenigen Tagen kam das Urteil zum Nachteil der Tagesmutter. Der Gesetzgeber räume den Kommunen bei der Vergütung einen „Beurteilungsspielraum“ ein, so der Tenor des Richterspruchs. Außerdem sei zu berücksichtigen, dass Tagesmütter in der Regel nicht so gut ausgebildet seien wie Kita-Erzieher.
„Ja, wir haben eine andere Ausbildung, erledigen aber die gleichen Arbeiten wie Kita-Erzieher“, betont Ingrid Pliske-Winter. „Wir haben sogar mehr Aufgaben, auch Leitungsarbeit gehört dazu.“ Dem gegenüber stehe in vielen Fällen ein Nettoverdienst von rund 4 Euro pro Stunde. Kranken- und Urlaubsgeld gibt es gar nicht – Hintergrund ist, dass die Tagesmütter selbstständig sind.
Hinnehmen will der Verband diese Bedingungen auch nach dem jetzigen Urteil nicht. Der Bund begreife die Tagespflege als zu den Kitas gleichrangiges Angebot, das müsse sich auch in den rechtlichen Regelungen widerspiegeln, argumentiert die Müncheberger Branchenvertreterin. „Das Sozialgesetzbuch muss dringend überarbeitet werden. Da gehören klare Formulierungen zur Vergütung rein.“
Um schnell Abhilfe zu schaffen, empfiehlt Ingrid-Pliske zudem den Thüringer Weg. Dort hat die rot-rot-grüne Landesregierung die Initiative übernommen und für Tagesmütter eine Art Mindestlohn von 2,53 Euro pro Stunde und Kind per Landesgesetz eingeführt. Im Brandenburger Bildungsministerium will man davon jedoch nichts wissen. Zuständig seien allein die Landkreise, heißt es auf Nachfrage lapidar.
Genauso fällt die Antwort des Ministeriums aus, wenn man nach möglichen Verbesserungen bei der Ausbildung der Tagesmütter fragt. Hier machen ebenfalls Länder vor, dass es anders geht, stocken die Standard-Ausbildung von bislang nur 160 Stunden auf 300 hoch. Zur Einordnung: Nimmt man an, dass pro Tag sechs Stunden Unterricht erteilt werden, können Interessenten bislang in nicht einmal sechs Wochen die Befähigung erlangen, Kinder zu betreuen.
„Wir wünschen uns mehr Qualifizierung für Brandenburg“, sagt Ingrid Pliske-Winter. Das Ministerium möchte es auch, wie es auf Nachfrage ausdrücklich heißt. Nur Geld ausgeben möchte man dafür nicht. (Mit Adleraugen)