Frau Au, was ist aktuell die größte Herausforderung im Flutgebiet?

Die Wiederherstellung der Infrastruktur. Von den Fluten weggerissene Straßen und Rohrleitungen müssen ersetzt werden. Das geschieht peu à peu. Jede Meldung über einen wieder an die Wasserversorgung angeschlossenen Ort macht Mut.

Wie ist die Stimmung unter den Menschen?

Nach der ersten Schockstarre kommt jetzt Hoffnung auf und die Blicke richten sich in die Zukunft. Die Menschen sind sehr gefasst. Anfangs waren die Leute auf sich allein gestellt und haben eine eigene Krisen-Infrastruktur aufgebaut. Als dann die Helfer kamen und sagten, dass man das jetzt anders mache, gab es vereinzelt Unmut. Aber die Dankbarkeit ist groß. Die erlebte Solidarität trägt die Menschen.

Die Helfer kommen in Bussen teilweise von weither

Wie laufen die Hilfsaktionen?

Es kommen sehr viele Helfer in Shuttle-Bussen aus den umliegenden Kreisen und teilweise aus ganz Deutschland. Zu wissen, dass man nicht allein gelassen wird, tut gut.

Gibt es Schuldzuweisungen, weil möglicherweise zu spät vor dem Hochwasser gewarnt wurde?

Man hält sich im Moment zurück und ist da vorsichtig. Alle wissen, wie extrem schnell die Wassermassen kamen. Aber da ist sicher noch viel aufzuarbeiten. Schließlich haben 133 Menschen ihr Leben verloren und weitere 73 werden immer noch vermisst.

Es tut weh, die zerstörte Landschaft zu sehen

Auch für Sie als Journalistin einer bedeutenden Regionalzeitung ist es eine Ausnahmesituation. Wie gehen Sie damit um?

Ich berichte mit Unterbrechungen seit 1982 aus diesem Gebiet. Dabei habe ich miterlebt, wie Projekte geplant wurden, der erste Spatenstich und die feierliche Eröffnung erfolgten. Ich bin sehr verbunden mit den Menschen und dieser Region. Es tut weh, die teilweise zerstörte Landschaft zu sehen. Ich muss mich da jetzt oft zusammenreißen und auf meinen Job konzentrieren. Der Redebedarf der Menschen mit der Regionalpresse ist groß. Ich sehe es als meine Aufgabe, die Leute aus der Krise zu begleiten.

Sie und viele andere Menschen vor Ort sind vermutlich im Dauerstress. Können Sie mal innehalten?

Es ist schwierig. Wenn ich mal nicht berichte, möchte ich eigentlich gleich die Sachen packen und in einen der Helfer-Shuttle-Busse steigen. Auf jeden Fall fällt es schwer, zur Ruhe zu kommen. Man sucht im Moment in ruhigen Momenten eher Ablenkung, als mal wirklich stillzuhalten.

Spendenkonto Hochwasserhilfe

Für die Spenden aus Brandenburg wurde ein Konto eingerichtet: Landkreis Märkisch-Oderland, IBAN: DE39 1705 4040 0020 0662 95, Stichwort: Spenden Hochwasserhilfe 2021

Ohne den Tourismus leiden auch Bäcker, Metzger und andere Betriebe

Wie reagieren die Menschen vor Ort auf die finanziellen Hilfen?

Die bis zu 3500 Euro Soforthilfe pro Haushalt von Bund und Land haben den Leuten erstmal geholfen, das Nötigste zu bezahlen. Zum Beispiel einen notwendigen Hotelaufenthalt. Aber es handelt sich ja um einen Milliarden-Schaden. Die Weingegend lebt vom Tourismus. Das bricht jetzt erstmal weg. Das Fatale ist, dass da auch Bäcker, Metzger und viele andere dranhängen. Wo fängt man da an zu helfen? Das ist eine sehr schwierige Aufgabe.

Was wird gebraucht?

In erster Linie Geld, das dann verantwortungsvoll verteilt werden muss. Auch das ist eine Herausforderung. Aber ich denke, das wird gelingen.

Wie Brandenburg den Unwetter-Opfern hilft, lesen Sie auf einer Themenseite.

Größte Regionalzeitung im nördlichen Rheinland-Pfalz

Die Rhein-Zeitung Koblenz ist mit ihren 13 Lokalausgaben die größte regionale Tageszeitung im nördlichen Rheinland-Pfalz. Von den rund 1,7 Millionen Menschen, die im Verbreitungsgebiet leben, erreicht sie etwa 600.000 Leserinnen und Leser täglich.