Auch andere Landkreise haben ähnliche Summen zu schultern, seitdem wieder deutlich mehr Flüchtlinge eintreffen. Oberhavel zahlte 2013 rund 533 000 Euro, Ostprignitz-Ruppin 296 000, die Prignitz 161 000 und der Barnim 423 000 Euro – jeweils deutlich mehr als in den Vorjahren. Zwar erstattet das Land über eine Pauschale einen großen Teil der Kosten. Aber das genüge angesichts der wachsenden Belastungen nicht, sagt der Deutsche Landkreistag. Auf 
60 Prozent der Kosten würden die Kreise sitzen bleiben, eine Summe von 650 Millionen Euro für 2013 im gesamten Bundesgebiet. „Die Schmerzgrenze ist erreicht“, betont Sprecher Markus Mempel. „Die Pauschalen sind nicht kostendeckend. Wir fordern die komplette Kostenübernahme durch die Länder.“ Das Brandenburger Sozialministerium sieht das anders. „Wir gehen davon aus, dass
die Pauschalen kostendeckend sind“, sagt Sprecher Gabriel Hesse. „Für Unterbringung, Betreuung sowie die Erbringung der Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erstattet das Land den Kreisen pro Person eine Jahrespauschale, die 2013 von 7480 Euro auf jetzt 9011 Euro erhöht wurde.“
Auch die Art und Weise der medizinischen Versorgung und die Abrechnung der Leistungen ist indes für die Landkreise eine Herausforderung. „Abgerechnet wird wie bei Privatpatienten. Der Landkreis erhält von niedergelassenen Ärzten oder Kliniken eine Rechnung“, erklärt Annett Buchholz, Sozialamtsleiterin in Märkisch-Oderland. Für die Mediziner also eine gute zusätzliche Einnahmequelle. Aber da sie zuweilen nicht wüssten, welche Behandlungen gesetzlich zulässig seien, gebe es viel Gesprächsbedarf, sagt Annett Buchholz. Man sei gerade dabei, einen Leitfaden für die Ärzte im Umgang mit Asylbewerbern zu erarbeiten. In jedem Fall müsse niemand Bedenken haben, dass Flüchtlinge Luxusbehandlungen auf Steuerzahlerkosten erhalten, unterstreicht die Barnimer Amtsärztin Heike Zander.
Im Asylbewerberleistungsgesetz sei klar geregelt, dass lediglich das medizinisch Notwendige gemacht wird. „Es gibt nur das, was wirklich angemessen ist“, sagt Heike Zander. „Die Maßstäbe sind streng.“ Geht also ein Flüchtling wegen Grippe oder anderer akuter Erkrankungen zum Arzt, wird er behandelt und die Kosten dann abgerechnet. Anträge auf umfangreichere Therapien oder Behandlungen hingegen müssen zuvor vom Amtsarzt auf ihre Notwendigkeit hin begutachtet werden. „Wir prüfen, das Amt für Grundsicherung entscheidet“, erklärt Amtsärztin Heike Zander die Abläufe im Barnim. Häufig gebe es zum Beispiel Anträge auf ein neues Gebiss.„Wenn jemand kommt, dem einige Frontzähne fehlen, der aber schmerzfrei ist und Backenzähne zum Kauen hat, dann steht ihm laut Gesetz keine Erstattung der Zahnarztkosten zu“, sagt Heike Zander. Die Kriterien seien die gleichen wie etwa bei ALG-II-Empfängern. „Asylbewerber werden weder bevorzugt, noch benachteiligt.“