In Brandenburg sind massenhaft Briefe verschwunden. Ein Geschäftsmann aus Frankfurt (Oder) vermisst seit Ende 2017 insgesamt 61 von ihm abgeschickte Sendungen, darunter auch Einschreiben und Wertbriefe. Die Deutsche Post ist ratlos.
Wenn sich Hans-Joachim Hähn mal wieder bei einem Kunden dafür entschuldigen muss, dass ein Brief nicht angekommen ist, erntet er meist nur ein müdes Lächeln. „Niemand glaubt mir, dass die Post die Sendungen verloren hat. Alle denken, ich bin zu blöd zum Briefe schreiben“, ärgert sich der Hotelier aus Frankfurt-Markendorf. Er hätte ja selbst nicht für möglich gehalten, was ihm seit Ende 2017 widerfährt, sagt der Mann. „Wir zählen mit, liegen jetzt bei 61 verlorenen Sendungen, darunter zwei Wertbriefe und drei Einschreiben.“
Was ihn zusätzlich ärgert, ist die „fehlende Beschwerdekultur bei der Post“. Per Telefon lande man in Endlos-Warteschleifen, das Ausfüllen eines Online-Formulars dauere lange und nützliches Feedback erhalte man nicht. Auch seine Beschwerde bei der Bundesnetzagentur sei erfolglos geblieben.
Hähn ist mit seinem Frust nicht allein. Karl-Heinz Stühmer, ebenfalls aus Frankfurt, beziffert seinen Verlust seit Jahresbeginn auf 41 Briefe, darunter sechs Einschreiben und vier „Prio“-Sendungen, die laut Post Vorzugsbehandlung genießen und dementsprechend teurer sind. Stühmer ist Briefmarkensammler, außerdem verschickt er hobbymäßig D-Mark- und Pfennigmünzen.
Der materielle Verlust sei unbedeutend, sagt der 82-Jährige über die Pannenserie, die bei ihm schon Ende 2016 ihren Anfang genommen habe. Dennoch sei die Situation nicht hinnehmbar. „Natürlich kam auch vorher mal ein Brief weg, aber seit zwei Jahren häuft es sich.“ Als gelernter Ingenieur, der in seinem Berufsleben im Chemiekombinat Schwedt hoch komplexe Anlagen gesteuert hat, kann er sich mit solcherlei Missständen nicht abfinden. Stühmer führt über jeden verschwundenen Brief und seine Verlustmeldungen genau Buch.
Dabei hat er herausgefunden, dass sich die Spur der Einschreiben stets in einem Briefzentrum in Berlin-Schönefeld verliert und der Schwund bei manchen Postleitzahlen besonders groß ist. Im Februar dieses Jahres teilte er das in einem ersten umfangreichen Beschwerdebrief der Post mit. Auf den dritten Brief erhielt er Ende August dann auch eine Antwort. Man habe „die örtlichen Security-Spezialisten informiert und mit einer internen Prüfung der Vorfälle beauftragt“, schrieb die Deutsche Post.
Ergebnisse gibt es bis heute nicht, wie Post-Sprecher Mattias Persson einräumt. „Die umfangreichen Prüfungen laufen noch.“ Als eine mögliche Erklärung sieht er den Prozess gegen eine polnische Bande von Postdieben, der seit November vor dem Landgericht Chemnitz läuft. Die Angeklagten sollen als sogenannte Unterbeauftragte der Post auf der Suche nach Geld Briefe geplündert haben, die sie in ihren Autos transportierten. Auch Sendungen aus Frankfurt (Oder) sollen darunter gewesen sein, wie es in einem Bericht der „Freien Presse“ heißt. Allerdings flog die Bande im Februar auf – und an der Oder verschwanden weiterhin Briefe.
Konfrontiert mit den Problemen, erklärt sich die Bundesnetzagentur für unzuständig. Das Postrecht sehe keine Sanktionsmöglichkeiten für temporäre oder regional auftretende Qualitätsmängel vor, teilt die Behörde mit.