Einen schöneren Rückzugsort gibt es kaum für Astronomen. Mitten im Naturpark Märkische Schweiz, am Ende einer buckligen Straße, umrahmt von Streuobstwiesen, steht neben einem holzverkleideten Haus ein besonderer Schuppen. Wenn der Nachthimmel klar ist, rollt Peter Eichelkraut dort das Dach beiseite und schaut stundenlang durch das Teleskop.
Schon 1988 ist der Berliner in diesen pittoresken Flecken Brandenburgs gezogen. Sterne, Planeten, Meteore und Meteoriten haben ihn schon als Jugendlichen gefesselt. Doch erst vor zehn Jahren erfüllte sich sein Traum: Er baute sich die eigene Sternwarte. "Hier sind die Bedingungen einfach ideal", sagt er. "Es herrscht in den Nächten absolute Dunkelheit." Selbst die wenigen Straßenlaternen in dem 30-Seelen-Ort wurden auf seine Bitte hin abgedeckt.
Eichelkraut dreht das wuchtige Instrument, das maximal eine 300-fache Vergrößerung erzielt, in Richtung Sonne. Es besteht aus einem Refraktor, einem Linsenfernrohr, auf dem ein hochwertiges Spiegelteleskop japanischer Bauart montiert wurde. Insgesamt hat die gesamte Konstruktion so viel gekostet wie ein Oberklassewagen - für den Bau der Sternwarte gab es immerhin EU-Fördermittel. Fachliche Unterstützung erhielt er vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).
Das Forschungszentrum hat den Hof des Astronomen darüber hinaus zu einem Beobachtungsstandort auserkoren. Techniker stellten eine kleine wissenschaftliche Sternwarte mit Kuppel auf das Grundstück. Seit Jahren wartet der 59-Jährige das Teleskop sowie angeschlossene Computer, am Telefon erhält er dazu konkrete Anweisungen. "Zumeist von Informatikern, die hier Geräte testen", erläutert der studierte Bauingenieur, der nunmehr als Ranger in der Naturwacht arbeitet. Ein griechischer Forscher kommt regelmäßig für Untersuchungen vorbei.
Selbst Geophysiker hatten schon einen Seismographen in seinem Keller installiert, da das abgelegene Dorf kaum Erschütterungen ausgesetzt ist. Das Gerät war Teil einer Linie von Messpunkten. "Die Forscher wollten Rückschlüsse über den Aufbau der Erdkruste gewinnen", berichtet Eichelkraut. "Auch das Erdbeben in Japan wurde hier nachgewiesen."
Ebenfalls für das DLR arbeitet er ehrenamtlich im "Feuerkugelnetzwerk" mit, bei dem digitale Kamerasysteme zur Beobachtung von sehr hellen Meteoriten, die bereits in die Erdatmosphäre eingedrungen sind, eingesetzt werden. "Dadurch lassen sich die Bahnen sowie der ungefähre Einschlagsort berechnen", sagt Eichelkraut. Diese Himmelskörper seien nach wie vor von hohem wissenschaftlichen Interesse.
Dementsprechend freut er sich auf den August, wenn die Perseiden-Saison startet und besonders viele Sternschnuppen durch den Nachthimmel zischen. Und wenn der Sommer vergeht, kommen auch wieder mehr Besucher nach Liebenhof, um sich vom Experten das Sonnensystem erklären zu lassen und einen kurzen Einblick in andere Galaxien zu erhalten - zumeist Familien, Großeltern mit ihren Enkeln sowie Schulklassen. Eine Ferienwohnung steht bereit. Für die Gäste sei es aufregend, einmal die Ringe des Saturns zu sehen oder auch tiefe Furchen auf dem Mond, berichtet er. Manche seien indes enttäuscht, wenn die Himmelskörper nicht so aussehen wie auf Hochglanzfotos.
Das weiteste Objekt, das er jemals wahrnehmenen konnte, war ein Quasar, 2,7 Milliarden Lichtjahre entfernt. "Für mich ist das ein beeindruckendes Ereignis", schwärmt Eichelkraut. "Da sind Photonen mehr als eine Ewigkeit unterwegs und treffen dann auf mein Auge." Sterngucken sei für ihn auch Meditation. "In diesen Momenten kann ich schlechte Nachrichten einfach abstreifen. Die Sterne und Planeten leuchten mich an, als sei nichts gewesen." Trotz der immerwährenden Faszination ist die Zeit begrenzt: "Ich kann mir nicht jede Nacht um die Ohren schlagen."