Sie sehen aus wie normale Stabtaschenlampen, leuchten auch wie solche und sind doch gefährliche Waffen: Elektroschocker, die als Taschenlampen getarnt sind. Der erste Eindruck ist harmlos. Wird der Druckschalter betätigt, fangen eine oder mehrere LED an zu leuchten. Legt man aber den kleinen Sicherungshebel am Batteriefachdeckel um und betätigt dann den zweiten Druckschalter, schießen plötzlich mit lautem, heftigem Knallen grelle Lichtblitze aus dem Metallring oben am Kopf der Taschenlampe. Dort sind nämlich - gut getarnt - zwei Elektroden eingearbeitet. Über diese werden Hochspannungs-Blitzentladungen abgegeben - mit Spannungen von bis zu einer Million Volt oder noch höher. Diese Elektroschocks sollen mögliche Gegner abschrecken und sie außer Gefecht setzen. Werden die Geräte direkt an den Körper herangebracht, lösen die Elektroschocks schwere Muskellähmungen aus und können - bei gesundheitlichen Beeinträchtigungen - auch zum Tod des attackierten Menschen führen.
Seit etwa zweieinhalb Jahren sind die knapp 19 Zentimeter langen schwarzen Metalllampen, die oft die Aufschrift "Police" tragen und für die Energieversorgung Hochleistungsakkus statt herkömmlicher Batterien in sich haben, auf Grenzmärkten in Polen erhältlich. Und werden immer öfter nach Deutschland eingeführt - obwohl deren Besitz hier verboten ist. "Allein im vergangenen Jahr haben unsere Kontrolleinheiten 53 dieser Elektroschocker-Taschenlampen beschlagnahmt", sagt Andreas Behnisch, Sprecher des Hauptzollamtes Frankfurt (Oder), das für den gesamten Osten Brandenburgs bis zum Berliner Stadtrand zuständig ist. Zuletzt sei so ein Gerät Mitte März bei einem Autofahrer in Oderberg (Märkisch-Oderland) gefunden worden. Und da der Zoll nur Stichproben durchführt, "dürfte die Zahl der tatsächlich eingeführten Geräte viel höher sein".
Das Waffengesetz verbietet diese Elektroschocker zum einen deshalb, weil sie als Waffe nicht erkennbar sind. Laut Anlage 2 des Gesetzes sind Waffen verboten, "die ihrer Form nach geeignet sind, einen anderen Gegenstand vorzutäuschen oder die mit Gegenständen des täglichen Gebrauchs verkleidet sind". Zum anderen müssen Elektroimpulsgeräte - wie Elektroschocker fachlich korrekt heißen - laut Waffengesetz ein Prüfzeichen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) tragen. Nur dann dürfen sie von Volljährigen erworben und besessen werden.
Vor allem Jugendliche kaufen solche Elektroschocker-Taschenlampen auf Grenzmärkten in Polen. Produziert werden die gefährlichen Waffen in China. Erst zu Jahresbeginn hatte der Zoll im Hamburger Hafen einen Container aus China mit 2000 solcher Geräte, die für den Weitertransport nach Polen bestimmt waren, entdeckt. Die Kontrolleinheiten des Zolls in Ostbrandenburg finden die Taschenlampen meist bei Autofahrern, welche diese zur Selbstverteidigung mitführen. "Viele wissen gar nicht, dass sie eine Straftat begehen", erklärt Andreas Behnisch. Gegen die Besitzer würden Strafverfahren eingeleitet wegen Verstoßes gegen die Abgabeverordnung (also wegen einer Steuerstraftat) und gegen das Waffengesetz. "Jeder einzelne Fall wird an die Staatsanwaltschaft abgegeben und landet in der Regel auch vor Gericht", betont der Behördensprecher. Im Allgemeinen werde letztlich ein Bußgeld von 150 Euro verhängt. Das Waffengesetz sieht eine Geldstrafe oder bis zu drei Jahre Haft vor.
Auch im Internet sind die Geräte leicht erhältlich. Mehrere Online-Händler in China, aber auch in Frankreich bewerben sie ganz offen, mit bis zu fünf Millionen Volt Entspannungsladung. Andere umschreiben die Elektroschocks mit Tarnbezeichnungen. "Wir wollen die Menschen für diese Problematik sensibilisieren", sagt Behnisch. Die Mitarbeiter des Zolls sähen sich bei Kontrollen Taschenlampen auf jeden Fall genauer an.
Der Zoll findet bei Kontrollen immer öfter gefährliche Elektroschocker aus Polen, die als Taschenlampen getarnt sind.