Der Spremberger Martin L. (seinen vollen Namen möchte er nicht nennen, um sich nicht der Schadenfreude auszuliefern) gehört nicht zu den Lausitzern, die regelmäßig zum Tanken nach Polen fahren. „Aber weil ich schon soviel über die dortigen Super-Preise gehört hatte, wollte ich es diese Woche auch mal selbst ausprobieren“, berichtet er.
Das, was er am Donnerstag (28. Juli) in Gubin erlebte, entpuppte sich für ihn jedoch als Reinfall. Allerdings stellte er dies erst fest, als er nach der Rückkehr nach Brandenburg noch einmal genau auf die polnische Tankrechnung geschaut hatte.

Slubice / Leknica

Genau 81,63 Euro hatte er für die von ihm getankten 44,7 Liter Super-Benzin bezahlt. Pro Liter also etwa 1,83 Euro.

In Gubin zehn Cent mehr als in Guben

An der Star-Tankstelle in Guben las er dann überrascht, dass der gleiche Sprit in Deutschland dort nur 1,73 Euro kostete. „Dann habe ich in Polen ja genau zehn Cent pro Liter mehr bezahlt“, zuckte es ihm durch den Kopf. Und wenn er die Fahrt von und nach Spremberg hinzurechnete, sah seine Bilanz noch schlechter aus.

Frankfurt / Schwedt / Guben

Was hat Martin L. nun falsch gemacht?
Fehler Nummer 1 war offenbar, dass er gleich die erste Shell-Tankstelle angefahren hatte, die in Gubin nicht weit von der Brücke über die Neiße entfernt ist. Dort kostete der Liter Super-95-Benzin am Donnerstag 7,99 Złoty (1,68 Euro) und der Diesel 7,88 Złoty (1,67). Sehr hohe Preise, wenn man weiß, dass es das gleiche Benzin einige Hunderte Meter weiter an einer anderen Tankstelle für 7,32 Złoty (1,55 Euro) und den Diesel für 7,70 Złoty (1,63 Euro) gab. Eine Differenz, die umgerechnet rund 13 Cent beim Benzin und fast vier Cent beim Diesel betrug.
Das Beispiel von Martin L. bestätigte aber nur, was schon seit einigen Wochen nicht nur in Gubin, sondern auch in anderen polnischen Grenzorten wie etwa Słubice bei Frankfurt (Oder) oder Zgorzelec bei Görlitz zu beobachten ist: An den Tankstellen unmittelbar an der Grenze sind die Preise deutlich höher, um nicht zu sagen, dass die deutschen Kunden hier ganz schön abgezockt werden.

In Euro statt in Złoty bezahlt

Der Mann aus Spremberg hat aber noch einen zweiten Fehler gemacht: Er hat mit der EC-Karte bezahlt und dabei die Variante in Euro gewählt. Dies ist in der Regel deutlich teurer, als wenn er die Złoty-Variante gewählt hätte. Denn im letzteren Fall wenden die Banken der Unternehmen bei der Berechnung den offiziellen Umtauschkurs an, der am Donnerstag 4,77 Złoty für einen Euro betrug. Bei der Euro-Variante kam Martin L. inklusive einer Bearbeitungsgebühr, die die Tankstelle noch zusätzlich erhebt, nur auf 4,37 Złoty für einen Euro.
Kurz zusammengefasst, kann man sagen, dass die Autofahrenden, die am Donnerstag oder Freitag in Polen tanken, „alles richtig“ gemacht haben, wenn sie 1,55 Euro für den Liter-Superbenzin und um 1,63 Euro für den Diesel zahlten. Im Vergleich zu den deutschen Preisen, die um die 1,72 Euro für das Super-Benzin und 1,82 Euro für den Diesel lagen, war das ziemlich günstig.

Rohölpreis ist gesunken

Laut ADAC sind Preise deutschlandweit an der Zapfsäule seit vergangener Woche deutlich zurückgegangen. Ein Liter Benzin kostet aktuell im bundesweiten Durchschnitt 1,75 Euro und somit 3,9 Cent weniger als in der Vorwoche, wie der ADAC am Mittwoch mitteilte. Der Preis für Diesel sank demnach um 3,5 Cent auf im Schnitt 1,928 Euro. Grund für den aktuellen Preisrückgang sind laut ADAC die gesunkenen Rohölpreise.
Von einer Entspannung der Lage könne aber noch immer „keine Rede sein“, erklärte der ADAC. So sorge insbesondere der aktuell gültige Tankrabatt für eine Absenkung des Preisniveaus. Die zeitweilige Steuersenkung vergünstige den Benzinpreis um insgesamt 35 Cent pro Liter – ab dem 1. September werde dieser Betrag mit dem Ende des Tankrabatts aber wieder zusätzlich anfallen.
Im Vergleich zum Ölpreis sei das Preisniveau an den Tankstellen noch immer zu hoch, kritisierte der ADAC. Verantwortlich dafür sei vorwiegend die Mineralölindustrie – deren Gewinnmargen seien seit Januar um mehr als das Fünffache angestiegen.
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