Ein russisches Comedy-Duo behauptet gegenüber dem ARD-Politikmagazin Kontraste, hinter der Serie von Videoanrufen bei europäischen Bürgermeistern zu stecken. Der vermeintliche Vitali Klitschko hatte unter anderem Berlins Bürgermeisterin Giffey hereingelegt.
Demnach will sich das Duo Vladimir Krasnov und Alexei Stolyarov, in Russland bekannt unter ihren Künstlernamen "Vovan und Lexus" als der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko ausgegeben haben und per Videotelefonat mit Franziska Giffey (SPD) und weiteren europäischen Bürgermeistern gesprochen haben. Ab Donnerstag werde man Videoaufzeichnungen aus allen Gesprächen im Netz auf einem russischen Video-Portal veröffentlichen, so das Komiker-Duo. Dabei soll es auch um Geflüchtete aus der Ukraine gehen.
Belege für seine Selbstbezichtigung wollte Stolyarov auf Nachfrage nicht vorlegen. Für die Plausibilität seiner Aussagen spricht, dass das Duo in der Vergangenheit schon zahlreiche Politiker mit vergleichbaren Anrufen überzogen hat, darunter laut Medienberichten Boris Johnson und Emmanuel Macron. Auch bei dem CDU-Politiker Norbert Röttgen, damals Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags, hatte das Duo Erfolg.
Die Betroffenen Bürgermeister hatten sich per Videoanruf auf zum Teil längere Gespräche mit dem Mann eingelassen, den sie für Kiews Oberbürgermeister hielten. Manche, darunter Berlins regierende Bürgermeisterin, merkten erst spät, dass sie hereingelegt worden waren. So tauschte sich Berlins Regierende Bürgermeisterin rund eine halbe Stunde lang mit dem Fremden aus.
Ziel gefälschter Klitschko-Anrufe wurden auch die Stadtoberhäupter von Budapest, Madrid, Warschau und Wien. "Ich will nicht verraten, wie wir es angestellt haben, aber es war leicht", sagte Stolyarov in einem Telefonat mit dem ARD-Politikmagazin Kontraste.

Hat das Komiker-Duo Nähe zum Kreml?

Stolyarov bestreitet gegenüber Kontraste ein politisches Motiv. Das Duo arbeite laut eigen Aussagen auch nicht im Auftrag russischer Geheimdienste. Auffällig häufig richten sich seine Aktionen jedoch gegen Kritiker des Kreml. Erst kürzlich wurden "Vovan und Lexus" in Moskau bei einer Preisverleihung geehrt. Die Auszeichnung überreichte eine Sprecherin des russischen Außenministeriums. Sie bezeichnete die beiden mitten im Ukraine-Krieg als "Meister der Telefondiplomatie".
Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey geht davon aus, dass die Verantwortlichen für die manipulierten Videotelefonate mit dem falschen Vitali Klitschko politische Ziele verfolgen. „Ungeachtet dessen, wer sich zur Manipulation bekennt, wie diese genau durchgeführt wurde und welche Motivation dahintersteht: Es bleibt ein Identitätsdiebstahl. Diese Aktionen decken sich mit den Narrativen und den Zielen des Kremls“, twitterte die SPD-Politikerin am Mittwoch.
„Sie wollen die Partnerinnen und Partner der Ukraine vorführen und das Vertrauen in die Ukraine und auch in uns schwächen. Das werden sie nicht schaffen“, erklärte Giffey. „Ich verurteile diese Tat. Berlin steht an der Seite der Ukraine.“
Nach der Fake-Videoschalte am vergangenen Freitag will Giffey zeitnah mit ihrem echten Kiewer Kollegen Vitali Klitschko sprechen - und sich dabei zusätzlich gegen eine erneute Manipulation wappnen.
Geplant sei ein Videoanruf, vor dem es einen wie auch immer gearteten Test auf Echtheit des Gesprächspartners geben werde, kündigte die SPD-Politikerin am Dienstag an. „Wir werden das ganz eng mit der (ukrainischen) Botschaft abstimmen.“ Angedacht sei das Gespräch noch vor ihrem Urlaub, also „in den nächsten Tagen“ bis Mitte Juli. Verabredet sei, es auf Deutsch zu führen.