Ganz anders Klaus Fladungs Neuanschaffung: Metallisch-Grau, schnittig. Nahezu geräuschlos gleitet dieses E-Mobil über die Straßen. Tritt Fladung kräftig aufs Gas, schießt das Auto vorwärts. Der Beifahrer wird sanft ins Polster seines Sitzes gedrückt. Es fühlt sich an wie bei einer steilen Talfahrt auf der Achterbahn. Das ist der Tesla S 85. Nicht die stärkste Tesla-Rakete, sondern ein Modell mit einer für Tesla eher kleineren Leistung. Klaus Fladung hat den Tesla vor ein paar Monaten gekauft.

Teile sind recycelbar

Das dreirädrige E-Mobil hingegen steht schon seit 2014 in einer Garage in der Nähe von Strausberg (Märkisch-Oderland). Entwickelt wurde der SAM 2001 von drei Enthusiasten in der Schweiz. Die wollten nicht nur ein E-Fahrzeug bauen. Möglichst alle Teile des Gefährts sollten recycelbar sein: die Karosserie aus Kunststoff, das Fahrgestell aus Metall, die Blei-Batterie. Die schwere Batterie hat Fladung inzwischen durch eine moderne ersetzt. Er ist Elektriker, hat außerdem Elektrotechnik studiert. Den SAM hat der 60-Jährige gekauft, "weil ich in die Elektro-Mobilität einsteigen wollte". Er besitzt zwar noch ein Diesel-Fahrzeug, "aber das betanke ich nur noch alle zwei, drei Monate." Den Diesel braucht er, wenn er als Disko-Moderator Ausrüstung im Anhänger transportieren muss. Eine Anhängerkupplung darf an seinem Tesla nicht angebaut werden.
Als Elektriker ist Klaus Fladung viel in der Region unterwegs, nutzt Autobahn, Bundes- und Landstraßen. Im Sommer, bei Fahrten, auf denen er wenig Werkzeug transportieren muss, nimmt er den SAM. Der hat so gut wie keinen Laderaum und schafft 300 Kilometer mit einer Batterie­ladung. Klaus Fladungs neues Alltags- und Firmenauto ist jetzt der Tesla. Ein Gebrauchtwagen. "Sonst kann man den ja nicht bezahlen." Unter 50.000 Euro hat der Wagen gekostet, das entspricht etwa der Hälfte des Neupreises. 100.000 Kilometer hat der Tesla auf dem Tacho und ist vier Jahre alt. Akkupack und Motor haben acht Jahre Tesla-Garantie. Der Vorbesitzer war ein Klempner, der sich einen Tesla Model 3 zugelegt hat. Fladung hat ihm den S 85 aber nicht abgekauft, weil er unbedingt die Marke Tesla wollte. Er suchte ein E-Auto mit geräumigem Kofferraum. "In den Tesla kriege ich auch mal längere Stangen bis zu drei Meter rein."
Der Elektriker hatte sich außerdem den eVito angeschaut, den Kastenwagen von Mercedes. Doch 150 bis 180 Kilometer Reichweite waren ihm zu wenig. Der Tesla schafft bis zu 400 Kilometer – abhängig vom Bleifuß des Fahrers. Je mehr dieser beschleunigt, desto öfter muss das Auto an die Steckdose. Klaus Fladung bezeichnet seinen Fahrstil als "entspannt". Liegengeblieben ist er noch nie. Im Display sieht er die aktuelle Reichweite und das Tempo. Ist er schneller als erlaubt, blinkt ein rotes Warnzeichen und schrilles Piepen ertönt. Das nervige Geräusch schaltet er bewusst nicht ab. Denn beim Fahren geht rasch das Gefühl für Geschwindigkeit verloren. Das Auto gleitet leise dahin, kein Motorenbrummen, nur Windgeräusche sind im Innenraum zu hören.  Bis zu 240 Kilometer pro Stunde ist der Tesla schnell.
Das Dreirad hingegen, der SAM, schafft höchstens 80 Kilometer in der Stunde und hat weder ABS noch Servolenkung. Anders der Tesla – der ist mit allem Komfort moderner Autos ausgestattet – automatische Scheibenwischer, Spurhalteassistent, Tempomat. Geradezu riesig wirkt sein Navi. Das Display zeigt nicht nur die Route. Es listet die E-Tankstellen unterwegs auf – inklusive der Ladezeiten. Etwa eine Stunde dauert das Laden an den Schnellladestellen. Zieht er den Strom an einer Tesla-Säule, ist das kostenlos. Der Tesla kann auch an Stationen anderer Anbieter laden – dafür liegt ein Steckeradapter im Kofferraum. Doch das vermeidet Klaus Fladung, schon wegen der komplizierten unterschiedlichen Bezahlsysteme. Zuhause dagegen  tankt er den Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage, die im Jahr mehr produziert, als der Haushalt verbraucht. Spritkosten – null. Ladezeit – um die sieben bis acht Stunden. Für zehn Jahre ab Erstzulassung ist der Wagen außerdem steuerfrei. Ausgaben für Wartungsarbeiten wie Ölwechsel entfallen.
Dafür gehen Reparaturen schnell ins Geld. Zwar gibt es einen Wartungsservice von Tesla, der sogar zu den Kunden nach Hause kommt und aus Fladungs Sicht zu guten Konditionen arbeitet. Doch die Fahrt in eine der vergleichsweise dünn gesäten Werkstätten kann schon für den Austausch kleinerer Verschleißteile teuer werden. Als Elektriker kann Klaus Fladung allerdings manches selbst erledigen. Den SAM beispielsweise hat er gebraucht gekauft und komplett restauriert. Selbst der neue Akku ist ein Eigenbau – er entspricht im Prinzip dem, den Tesla verwendet. Doch vor allem die Umweltbilanz der Akkus ist es, die  in der Kritik steht: der Wasserverbrauch bei der Lithium-Förderung in Südamerika, die Kinderarbeit im Kobaltabbau. Fladung hält dem entgegen, dass Tesla den Kobaltanteil in seinen Akkus drastisch reduziert hat und künftig ohne Kobalt auskommen will. Und was Lithium angeht: "Dann dürfte man auch keine Handys, Akkuschrauber und Laptops benutzen."
Der Brandenburger hat in E-Autos und Solaranlage investiert, weil er etwas für die Umwelt tun will. "Irgendjemand muss ja mal anfangen." Dass er mit seinen E-Mobilen mitunter belächelt wird, stört ihn nicht. Seitdem auch viele andere Hersteller Elektroautos bauen, stellt er fest, werden E-Auto-Fahrer anders wahrgenommen. "Wer einmal Elektroauto gefahren ist, der will nichts anderes mehr."