Laut einer aktuellen Umfrage von infratest dimap im Auftrag der Märkischen Oderzeitung und des RBB-Nachrichtenmagazins "Brandenburg Aktuell" sind 69 Prozent der Befragten gegen die Kreisreform. 25 Prozent sprachen sich dafür aus. Im Berliner Umland liegt die Ablehnung bei 60 Prozent, im restlichen Land sind drei von vier (76 Prozent) gegen das zentrale Vorhaben der Landesregierung. In den drei kreisfreien Städten Brandenburg an der Havel, Cottbus und Frankfurt (Oder), die ihren Status im Zuge der Reform verlieren sollen, stimmten 73 Prozent gegen die Veränderungen.
Die hohe Ablehnungsquote kommt für die Landesregierung zu einem ungünstigen Zeitpunkt, da CDU, Freie Wähler und FDP Anfang November eine Volksinitiative gegen das Vorhaben gestartet haben. Selbst das Standardargument der Regierungsfraktionen, dass sich für den Bürger nichts ändere, hat offenbar nicht verfangen. Die Umfrage unter tausend Brandenburgern ergab, dass 79 Prozent mit unzumutbar weiten Wegen zu den Verwaltungen und Behörden rechnen. In Brandenburg, Cottbus und Frankfurt (Oder) ist diese Befürchtung besonders hoch. Hier gehen 82 Prozent von höheren Belastungen bei Behördengängen aus.
41 Prozent der Befragten zeigten sich immerhin gelassen. Die Aufregung um die Kreisreform ist in ihren Augen übertrieben. In den drei kreisfreien Städten sehen das nur 30 Prozent so.
Der Argumentation der Landesregierung, dass sinkende Einwohnerzahlen die Reform erforderlich mache, folgten nur 28 Prozent der Befragten. In den kreisfreien Städten gehen 41 Prozent davon aus, dass die demografische Entwicklung zu Veränderungen führen muss.
Abgesehen von der Gruppe der bekennenden Nichtwähler (78 Prozent) ist die Ablehnung der Reform ausgerechnet bei den Anhängern der SPD am höchsten. 76 Prozent der potenziellen Wähler der Sozialdemokraten wandten sich in der Umfrage gegen die Kreisreform. Unter den AfD-Anhängern sind 75 Prozent Reformgegner und bei denen der CDU 71 Prozent. 59 Prozent der potentiellen Wähler der Linken und die der Grünen lehnen die neuen Kreisgrenzen ab.
Nach dem Alter aufgeschlüsselt, zeige junge Wähler bis 34 Jahre mit 58 Prozent die niedrigste Ablehnungsquote. Die meisten Gegner der Reform finden sich in den Altersgruppen zwischen 35 und 64. Hier sprechen sich drei Viertel gegen neue Strukturen aus. Frauen sind zudem mit 72 Prozent wesentlich skeptischer gegenüber neuen Kreisgrenzen. Von den Männer sind es 65 Prozent.