Dass die Anstrengungen der Hochschulen, sich für Flüchtlinge zu öffnen, bisher auf ein großes Problem stoßen, machte der Präsident der Frankfurter Europa-Universität, Alexander Wöll, deutlich: "So lange sie noch nicht den Status als anerkannte Asylbewerber haben, dürfen Flüchtlinge kein reguläres Studium aufnehmen", erläuterte er. Deshalb wolle man jetzt an der Viadrina neue Wege gehen. Neben einer offenen Vorlesungsreihe zu allgemeinen Themen über Deutschland und Europa, die es bereits im Wintersemester gab und die weitergeführt wird, wird es künftig auch ein Collegestudium unter dem Titel "Welcome@Viadrina" geben. Geflüchtete können dort zwei Semester lang Sprachkurse sowie einzelne Lehrveranstaltungen besuchen und dabei sogenannte "Credit-Points" (Kredit-Punkte) sammeln, die bei einem späteren Studium angerechnet werden können.
Zwar hätten sich bisher erst drei Personen für dieses Collegestudium eingeschrieben, "wir rechnen aber mit weiteren Bewerbern, da wir gemeinsam mit Sozialdiensten und anderen Betreuungsorganisationen dafür werben", so Wöll. Ebenfalls drei Geflüchtete beteiligen sich an einem Projekt des Uni-Zentrums für Unternehmensgründungen. Dabei soll es unter anderem um die Gründung eines Supermarkts mit arabischen Lebensmitteln oder eines Umzugsunternehmens für Studierende gehen.
Auf deutschlandweite Resonanz ist ein Projekt der Universität Potsdam gestoßen. Dort werden seit Montag Lehrer aus Syrien, die nach Deutschland geflohen sind, für den Einsatz an deutschen Schulen vorbereitet. Der erste Kurs mit 20 Teilnehmern beginnt mit einem Semester intensiven Deutsch-Unterrichts. Vom Herbst an sollen die Lehrkräfte dann an Schulen zu Gast sein und mit dem deutschen Bildungssystem vertraut gemacht werden. Für die ursprünglich vorgesehenen 15 Plätze waren 700 Bewerbungen aus ganz Deutschland eingegangen, weshalb es noch zwei weitere Kurse mit jeweils 20 Teilnehmern geben soll.
An der Brandenburgischen Technischen Universität in Cottbus und Senftenberg liegt der Fokus derzeit auf einem anderen Schwerpunkt. Mit Beginn des neuen Semesters ist dort die neue Struktur mit nur noch sechs Fakultäten gestartet worden. Diese wurden aus den früheren je vier Fakultäten gebildet, die es an der einstigen BTU und der Fachhochschule Lausitz gab, welche vor drei Jahre zu einer Einrichtung fusionierten.
"Wichtig dabei ist, dass keines der früheren Studienangebote gestrichen wurde, sondern dass jeder Studienanfänger jetzt noch besser für sich entscheiden kann, ob ein universitäres oder ein noch praxisnäheres Fachhochschulstudium für sie geeignet sind", sagte Uni-sprecherin Marita Müller.
Gespannt blickt man auf eine Tagung des Deutschen Wissenschaftsrates - des höchsten Beratungsgremiums für die Politik in Wissenschaftsfragen -, die in dieser Woche in Potsdam stattfindet. Der Rat war vom Potsdamer Wissenschaftsministerium um eine Bewertung der Fusion sowie des Entwicklungsplans der neuen BTU gebeten worden. Das Ergebnis wird am Freitag veröffentlicht, wobei auch die Frage interessant ist, ob die Fusion als Modell für andere Regionen empfohlen werden kann.