Vor zwei Jahren hatte hier am Rande des Warthebruchs ein Sturm mehrere Bäume entwurzelt. "Ein Förster wies uns auf merkwürdige Gegenstände hin, die sich in den Wurzeln der Bäume befanden", sagt der Archäologe, der im Küstriner Festungsmuseum beschäftigt ist.
Dabei hält er zwei Speerspitzen und einen trichterförmigen Metallgegenstand in den Händen. "Das ist die Buckelspitze eines germanischen Kampfschildes", erläutert der 36-Jährige. Untersuchungen hätten ergeben, dass die Gegenstände aus dem ersten oder zweiten Jahrhundert nach Christus stammen.
Etwa um diese Zeit hatten sich germanische Stämme erstmals im Gebiet östlich der Oder angesiedelt. "Die Waffen waren Beigaben aus dem Grab eines Mannes", berichtet der Pole. Und dass man bei den Ausgrabungen auch schon auf die Gräber von Frauen und Kindern gestoßen sei, in denen sich Haarschmuck und eine Halskette mit Glasperlen befanden.
Die Siedlung auf dem strategisch gelegenen Hügel, von dessen Rand aus man ins Tal der Warthe blickt, dürfte mehrere Jahrhunderte bestanden haben. Krzysztof Socha bittet darum, den genauen Fundort noch nicht in der Zeitung zu veröffentlichen. "Denn leider gibt es illegale Sammler, deren Ziel es ist, Fundstücke auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen", sagt der Küstriner.
Die Ausgrabungen, die im September begonnen haben, werden von der Denkmalschutzbehörde der Wojewodschaft Lebuser Land sowie von dem historischen Verein "Tempelburg" unterstützt. Als nächstes soll eine spezialisierte deutsche Firma zum Einsatz kommen, um mit Georadargeräten weitere erfolgversprechende Stellen zu ermitteln, an denen man im kommenden Jahr weitergraben will.
Doch schon jetzt ist die Ausbeute erstaunlich. Denn bei den Grabungen ist man auch auf Gegenstände aus weiteren Epochen gestoßen. "Das Alter eines Geschirrteils schätzen wir auf 4500 Jahre", berichtet Socha. Es ist also noch einmal 1300 Jahre älter als ein Keramiktopf, den Socha im vergangenen Jahr bei Grabungen südlich von Küstrin zutage gefördert hatte.
1945 eine sowjetische Stellung
Damit nicht genug. "Als im Winter 1945 um die deutsche Festung Küstrin gekämpft wurde, dürfte sich hier oben eine sowjetische Stellung befunden haben", mutmaßt das Mitglied der "Vereinigung polnischer Archäologen". Darauf deuten eine Pistole und weitere Militärgegenstände hin, die man sozusagen als Nebenbei-Effekt gefunden hat.
"Es ist schon sehr aufregend, wenn man auf Zeugnisse menschlichen Lebens aus verschiedenen Epochen stößt", sagt auch Dariusz de Lorm, der bei den Ausgrabungen hilft. Der Pole mit dem französischen Nachnamen hat die Geschichte im Blut. Denn seine Vorfahren waren im 16. Jahrhundert als Seidenhändler aus Frankreich nach Polen ausgewandert. Er war als Unterwasser-Archäologe schon an der Erforschung von im Mittelmeer untergegangenen Schiffen aus der Römer-Zeit beteiligt. "Die Suche hier bei Küstrin ist mindestens genauso spannend", beschreibt er.