Im Prozess um den laut Zoll größten Heroinfund in Deutschland ist ein Drogenschmuggler zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht Frankfurt (Oder) sah es als erwiesen an, dass der Mann vorsätzlich 658 Kilogramm Heroin auf der Ladefläche seines aus Kirgistan kommenden Lasters im Frühjahr 2019 nach Deutschland gebracht hatte, wie eine Gerichtssprecherin am Montag mitteilte. Das Gericht blieb mit seinem Urteil unter der Forderung der Staatsanwaltschaft von zehn Jahren Haft. Die Verteidigung des 65-Jährigen hatte Freispruch gefordert.

Zugriff nach Hinweis von Interpol

Die Drogen auf dem Lastwagen waren als türkische Süßigkeiten getarnt worden. Das Heroin mit einem Verkaufswert im zweistelligen Millionenbereich stammte demnach aus dem Iran, wurde in Kirgistan verpackt und sollte anschließend über Polen und Deutschland in die Niederlande gebracht werden. Dort wollten es Auftraggeber weiterverkaufen, wie der Prozess ergab.
Niederländische Ermittler hatten seit längerem eine Bande überwacht, unter anderem mit der Innenraumüberwachung eines Fahrzeugs. Im Mai 2019 sei dann der entscheidende Hinweis von Interpol an den deutschen Zoll gegeben worden, hieß es weiter von der Gerichtssprecherin. Beamten stoppten den Laster auf der Autobahn 12 bei Fürstenwalde (Oder-Spree) und entdeckten das auf der Ladefläche versteckte Heroin. Dabei handelte es sich nach Angaben des Zollfahndungsamtes Berlin-Brandenburg um die bisher größte auf einen Schlag entdeckte Menge in Deutschland.
Der Prozess am Frankfurter Landgericht begann am 16. Dezember 2019. Wegen der Corona-Pandemie und aufgrund von Krankheitsfällen musste er längere Zeit unterbrochen werden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.