Die Operation hat bereits Anfang November begonnen: Seither befinden sich 4200 US-amerikanische Soldaten, 390 Kampfpanzer und gepanzerte Fahrzeuge sowie jede Menge Begleitfahrzeuge und Technik auf dem Weg vom US-Bundesstaat Colorado nach Polen. Am 6. und 7. Januar sollen die über den Atlantik geschickten Transportschiffe in Bremerhaven eintreffen.
Dass die Panzerbrigade künftig in Polen und anderen östlichen Ländern operieren wird, hatte US-Präsident Barack Obama nach der Annexion der Krim durch Russland zugesagt. Im Sommer hatte die Nato zudem beschlossen, dass zusätzlich vier multinationale Bataillone mit je 1000 Soldaten in Polen sowie den drei baltischen Staaten stationiert werden.
In Bremerhaven wird der Großteil des schweren Geräts auf 900 Eisenbahnwaggons und Dutzende Straßenfahrzeuge verladen. Der Transport quer durch Deutschland wird logistisch von der Bundeswehr im Rahmen des sogenannten "Host Nation Support" (Unterstützung durch das Gastgeberland) begleitet. Der Weg durch Brandenburg führt über zwei Eisenbahntrassen sowie die Autobahn-Grenzübergänge in Frankfurt(Oder) und Forst (Spree-Neiße). Einige Güter werden auch mit Militärflugzeugen transportiert.
Die Brigade soll ihre logistische Basis zunächst in fünf westpolnischen Standorten haben, die alle weniger als 100 Kilometer von Brandenburg entfernt sind. Es handelt sich um traditionelle Militärstandorte, deren Kasernen zum Teil noch aus der Zeit vor 1945 stammen. Da künftig aber auch Übungen in anderen östlichen Nato-Staaten stattfinden sollen, ist nicht ausgeschlossen, dass ein neuer Standort im Osten Polens entstehen wird.
Zunächst soll der größte Teil der Amerikaner in die beiden Orte Zagan und Swietoszow gehen, die rund 60 Kilometer südöstlich von Forst unweit der Autobahn nach Breslau liegen. Das kündigte der Kommandierende General der US Army Europe, Frederick Hodges, kürzlich bei einem Besuch in Zagan an. Doch während es - mit Blick auf Russland - in ganz Polen eine große politische und gesellschaftliche Zustimmung zu der Stationierung gibt, sind ausgerechnet in Zagan selbst Sorgenfalten entstanden.
Denn gleichzeitig mit dem Besuch von Hodges, an dem auch Polens Verteidigungsminister Antoni Macierewicz teilnahm, wurde bekannt, dass ein Großteil der 34. Polnischen Panzerbrigade, die bisher in Zagan stationiert ist, in die Nähe von Warschau verlegt werden soll. Für die rund 26000 Einwohner des Ortes, zu denen Hunderte polnische Soldaten mit ihren Familien gehören, war diese Nachricht ein Schock. "Nehmt uns nicht unsere eigenen Soldaten weg!", überschreibt die Zeitung "Gazeta Lubuska" einen Stimmungsbericht aus dem Ort, in dem zahlreiche Bewohner ihre Bedenken äußern. "Die Amerikaner werden kommen und gehen, unsere Jungs aber für immer weg sein", meint beispielsweise eine Händlerin, die sich Sorgen um die Zukunft ihres Geschäfts macht.
Tatsächlich sehen die amerikanischen Pläne vor, dass sich die einzelnen US-Soldaten maximal neun Monate in Polen aufhalten und dann ausgewechselt werden. "Dadurch werden wir in Polen sicherer leben", versucht Minister Macierewicz seine Landsleute zu beruhigen.
Von Bremerhaven nach Polen: So soll die amerikanische Panzerbrigade an ihre künftigen Stationierungsorte verlegt werden.
Ab 8. Januar rollt das schwere Gerät auf Zügen und Straßen auch durch Frankfurt.