Er "glaube zu erkennen", dass sich Vattenfall von der Braunkohle-Energieerzeugung trennen werde, sagt der stellvertretende IG-BCE-Vorsitzende Ulrich Freese, der im Aufsichtsrat der deutschen Vattenfall GmbH sitzt und zudem bei den für die Tagebaue und Kraftwerke zuständigen Töchtern stellvertretender Aufsichtsratschef ist. Der Staatskonzern werde wohl noch vor der schwedischen Parlamentswahl im September 2014 Fakten schaffen.
Das könne bedeuten, so Freese, dass man das Geschäft an die Börse bringe oder strategische Investoren beziehungsweise seriöse Finanzinvestoren suche. "Und die wird es sicher geben, die Stromerzeugung aus Braunkohle ist schließlich hochprofitabel."
Allerdings warnt der Gewerkschafter eindringlich vor einer Zerschlagung: Nur die Verbindung von Braunkohleförderung und Braunkohleverstromung garantiere Flexibilität und Profitabilität. "Eine Zerschlagung wäre ein fataler Schlag gegen die Energiewende." Denn die brauche die Braunkohle, um die Schwankungen bei der erneuerbaren Energie auszugleichen.
Vattenfall selbst lässt alles offen. "Wir denken in alle Richtungen und haben jetzt viele theoretische Optionen", sagt Steffen Herrmann, Sprecher der Vattenfall GmbH, in der bisher die deutschen Aktivitäten gebündelt sind. Vattenfall hat 18 000 deutsche Beschäftigte, davon 8000 in der Lausitz. Am Dienstag hatte Konzernchef Øystein Løseth mitgeteilt, dass der Konzern sein Geschäft zum 1. Januar 2014 aufteilt - in einen skandinavischen und einen kontinentaleuropäischen Firmenteil. Deutschland-Chef Tuomo Hatakka wird Kontinentaleuropa leiten. Zudem soll der Sparkurs verschärft werden.
Die neue Struktur, sagt Steffen Herrmann, könne bedeuten, dass man "noch mehr Partnerschaften" eingehe. So sei die Stadt mit 25,1 Prozent am Hamburger Stromnetz von Vattenfall beteiligt. An einem Offshore-Park vor Sylt halten Vattenfall 51 Prozent und die Stadtwerke München 49 Prozent. "Auch für die Lausitz ist alles vorstellbar."
Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) liegen noch keine Informationen über die Pläne vor. Auf seine Einladung hin werde es deshalb "sobald als möglich ein Gespräch mit der Geschäftsführung geben". Dies habe Vattenfall am Mittwoch zugesagt. Dass nicht nur Vattenfall, sondern auch die anderen Energiekonzerne über Umstrukturierungen nachdächten, zeige, dass es dringend "einer Koordinierung der Energiewende durch die Bundesregierung" bedürfe, sagte er.