Die Anrufe bei der Verbraucherzentrale deuten stets darauf hin, was die Menschen bewegt. Derzeit konzentrieren sich die Telefonate auf ein Thema. Wie Pressesprecherin Lisa Hödgen mitteilt, handelt es sich um den starken Anstieg des vereinbarten monatlichen Abschlags für Strom und Gas, der sich meistens gleich mit einer deutlichen Preiserhöhung verbindet.
Das Problem tritt so massiv auf, dass es die Inflationsrate in Deutschland nach oben treibt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts stieg sie im November erstmals seit dem Jahr 1992 auf mehr als fünf Prozent. Dabei erhöhten sich die Energiepreise nach ersten Schätzungen um 22,1 Prozent.
So liegen der Verbraucherzentrale des Landes Brandenburg mehrere Berichte über einen dramatischen Zuwachs an Kosten vor. Demnach gibt es Betroffene, die statt der bisherigen 109 Euro an Abschlägen nun 184 Euro im Monat zahlen sollen. Selbst ein Anstieg von 93 Euro auf 344 Euro monatlich zählt zu den gesammelten Beispielen. Pressesprecherin Lisa Hödgen erläutert: „In einigen Fällen hatten die Energieversorger Preisgarantien gegeben, die sie nun nicht halten.“

Risiko der Sonderkündigung

Doch das müssen die Kunden nicht einfach hinnehmen, wie die Verbraucherschützer betonen. Grundsätzlich stehe ihnen bei Preiserhöhungen das Recht der Sonderkündigung zu. Damit verbindet sich allerdings ein Risiko. Denn wenn sie davon Gebrauch machen, müssen sie nach Angaben der Verbraucherzentrale einen anderen Anbieter finden. Dazu erklärt die Pressesprecherin: „Aktuell ist es aufgrund der fast durchgängig gestiegenen Preise so, dass für Betroffene häufig nur der Grundversorger in Frage kommt.“ Dessen Preise könnten jedoch höher sein als die des bisherigen Energieversorgers.
Darauf weist auch die Bundesnetzagentur hin. Weil die Preise für Strom und Erdgaspreise gestiegen sind, gestalten sich die aktuell angebotenen Neuverträge nach Angaben der Bundesbehörde in der Regel teurer als Altverträge. Vor diesem Hintergrund sei es bei einem Wechsel des Lieferanten sinnvoll, eine kürzere Vertragslaufzeit zu vereinbaren. Falls die Preise auf dem Großhandelsmarkt wieder fallen, ließe sich so bei nächster Gelegenheit ein neuer günstigerer Vertrag suchen.
Die Verbraucherzentrale rät unterdessen zu einem weiteren Weg für den Fall drastisch steigender Abschläge. Falls der bisherige Energieversorger eine Preisgarantie gegeben hatte, lassen sich demnach im Einzelfall Ansprüche auf Schadensersatz prüfen. So könne ein solcher Schaden dadurch entstehen, dass die Belieferung durch den Grundversorger oder einen anderen Anbieter nur zu einem höheren Preis als im ursprünglich vereinbarten Tarif möglich ist.

Teures Home Office

Das Problem der steigenden Preise für Strom und Gas trifft viele Verbraucher umso härter, weil sie sich wegen der Corona-Pandemie gezwungen sehen, daheim zu arbeiten. Laut einer Studie des Ifo-Instituts haben sich vor allem Beschäftigte im Osten Deutschlands und in Bayern auf das Büro in den eigenen vier Wänden zurückgezogen. Demnach arbeitete im ersten Halbjahr 2021 in Cottbus ungefähr jede vierte berufstätige Person daheim, im Spree-Neiße-Kreis wiederum jede fünfte.
Damals lag die Corona-Inzidenz allerdings noch deutlich unter dem Wert, den sie nun im November erreicht. So wappnen sich auch die Mitarbeiter der Verbraucherzentrale für viele Telefonate, in denen sich Anrufer über die steigenden Energiekosten beschweren und um Hilfe bitten. Denn wie der Deutsche Gewerkschaftsbund für seinen neuen Report über „Corona und die Arbeitswelt“ ermittelt hat, bekommen 91 Prozent aller Menschen, die ihren Job auch zu Hause erledigen, keinerlei Zuschuss von ihrer Firma für Strom oder auch für das Internet.
Mehr zu Corona und den Folgen in Brandenburg und Berlin gibt es auf unserer Themenseite.

Sonderberatung am Telefon

Die Verbraucherzentrale Brandenburg bietet einen Sonderberatungstag zu den steigenden Energiekosten an. Am Donnerstag, 2. Dezember, ist die Telefonnummer 0331 2987169 von 9 Uhr bis 12 Uhr und von 13 Uhr bis 16 Uhr für erste Fragen rund um Energieverträge, Kündigungen und Preiserhöhungen erreichbar. Viele Verbraucher im Land Brandenburg erhielten nach Angaben der Zentrale in den letzten Tagen und Wochen Benachrichtigungen von ihren Energieversorgern. Ihnen wurden demnach monatliche Abschlagserhöhungen um bis zu 100 Prozent oder Preiserhöhungen mitgeteilt, obwohl im Vertrag eine Preisgarantie vereinbart war. Einige Energieversorger kündigten sogar an, die Versorgung mit Strom oder Gas komplett einzustellen. Weitere erklärten die außerordentliche Kündigung des Liefervertrages oder versendeten Kündigungsbestätigungen, obwohl die Verbraucher gar keine Kündigung gewünscht hatten.