Im Anfang dieses Jahres bekannt gewordenen Falles von schwerer Kindesvernachlässigung in Eberswalde hat das Jugendamt des Kreises Barnim einen Antrag auf Entziehung des Sorgerechts gestellt. Darüber informierte Jugendministerin Britta Ernst (SPD) am Donnerstag im Landtag. Die Eltern des kleinen Mädchens würden dies jedoch nicht akzeptieren und hätten ihrerseits mit anwaltlicher Unterstützung einen Antrag auf Herausgabe des in Obhut genommenen Kindes gestellt, das nach wie vor in einer Einrichtung untergebracht sei. Eine Gerichtsentscheidung darüber stehe noch aus, sagte die Ministerin.

Fehlverhalten einer Jugendamtsmitarbeiterin

Das von ihrem Haus in der Sache geführte Rechtsaufsichtsverfahren habe zu dem Ergebnis geführt, dass ein Fehlverhalten einer Jugendamtsmitarbeiterin vorliege, die jedoch inzwischen nicht mehr in der Behörde beschäftigt sei. Es gebe keine Hinweise auf ein Organisationsversagen, betonte Britta Ernst. Das Barnimer Jugendamt und Landrat Daniel Kurth (SPD) hätten sich auf bemerkenswerte Weise um Aufklärung der Versäumnisse bemüht und Lehren aus dem Fall gezogen. Deshalb gebe es für das Ministerium als Rechtsaufsicht derzeit keinen Grund für weitere Handlungen in der Sache.

Mädchen wurde Ende 2019 in Obhut genommen

Das Jugendamt hatte das fünf Jahre alte Mädchen Ende 2019 in Obhut genommen. Das Kind war laut einem Krankenhausbericht unterernährt, verhaltensauffällig und sprachgestört. Das Ministerium sah mögliche Versäumnisse beim Jugendamt und leitete daraufhin eine Überprüfung ein.