Nach einem fast einjährigen Prozess war Matras von dem Gericht zur Zahlung einer Geldstrafe sowie der Prozesskosten verurteilt worden. Die Staatsanwältin Edyta Sroka hatte in ihrem Plädoyer erklärt, dass der 63-Jährige durch seine Berichte "das Ansehen Polens geschädigt" habe, und deshalb sogar eine Haftstrafe auf Bewährung für ihn gefordert.
Der Fall hatte unsere Leser so bewegt, dass in einer Spendenaktion die erstaunliche Summe von 8600 Euro zusammen gekommen war. Bereits bei der Übergabe des Geldes im Februar hatte Matras angekündigt, dass er damit weiter für sein Recht kämpfen werde.
Tatsächlich hat er jetzt einen ersten Teilerfolg erzielt. Das Bezirksgericht in Gorzów, bei dem Matras und sein Anwalt Beschwerde einlegten, hat das Urteil aufgehoben und eine erneute Aufnahme des Prozesses angeordnet. In der vierseitigen Begründung, die unserer Zeitung vorliegt, wird darauf verwiesen, dass sowohl einige Zeugen, auf deren Anhörung Matras' Verteidiger gedrängt hatte, wie auch weitere Beweismittel, die möglicherweise zugunsten des Beschuldigten gesprochen hätten, vom Richter nicht zugelassen wurden.
"Das ist aus meiner Sicht eine ziemliche Ohrfeige für das Gericht", sagte Matras in einer ersten Reaktion. Die Sache ist auch deshalb pikant, weil der Leiter des Slubicer Gerichts, Sebastian Popiolek, das Verfahren selbst geleitet hatte und sich nun ein anderer Richter damit befassen muss.
Inzwischen wurde auch der 18. Juni als Termin für die Neuaufnahme des Prozesses festgelegt. Drei Tage früher muss sich Matras' Stiefsohn Pawel vor dem Gericht verantworten. Dem Mitarbeiter des polnischen Grenzschutzes war im Laufe der Affäre zum Vorwurf gemacht worden, dass er seinem Stiefvater polizeiinterne Informationen zur Verfügung gestellt und damit Geheimnisverrat begangen habe. Aus diesem Grunde war der Stiefsohn im vergangenen Jahr vom Dienst suspendiert worden und erhält seither nur einen Teil seiner Bezahlung. Außerdem hatte es sowohl bei ihm wie auch bei Matras Hausdurchsuchungen gegeben.