Das wollen der Landesvorsitzende des Nabu und seine Mitstreiter ändern. Sie starteten vor neun Monaten die Volksinitiative "Artenvielfalt retten – Zukunft sichern!". Am Montag wurden im Landtag 42 Aktenordner mit 73.052 Unterschriften abgegeben. Für eine Beschäftigung mit dem Thema hätten 20.000 Unterschriften ausgereicht.
Zehn Meter breiten Schutzstreifen 
Eine weitere zentrale Forderung besteht in einem zehn Meter breiten Schutzstreifen entlang aller Gewässer im Land, auf denen keine chemischen Düngemittel und keine Insekten- oder Pflanzengifte versprüht werden dürfen. Außerdem soll mehr Geld zur Verfügung gestellt werden, um die konventionelle Landwirtschaft zu beraten, wie sie mit weniger Chemie auskommen oder auf Öko umstellen kann.
Wilhelm Schäkel, Mitglied im Vorstand der Umweltorganisation BUND Brandenburg und Ökobauer im Nordwesten des Landes, glaubt, dass viele konventionelle Landwirte für Veränderungen bereit sind. Allerdings hätten sie Angst, dass das zu ihren Lasten geht. "Viele Betriebe stehen mit dem Rücken zur Wand. Wir müssen ihnen vernünftige Angebote machen", so Schäkel. Allein durch eine bessere Beratung ließen sich 20 Prozent der Pestizide in der konventionellen Landwirtschaft einsparen, sagte Schmitz-Jersch.
Mitte November hatte eine Volksinitiative von verschiedenen Landnutzern unter dem Titel "Mehr als ein Summen" rund 24.000 Unterschriften dem Landtag übergeben. Bauern, Fischer und Waldbesitzer verlangen darin eine wissenschaftliche Untersuchung des Insektensterbens, mehr Mitsprache für die Landnutzer bei politischen Entscheidungen und mehr Geld für Blühstreifen. In der vergangenen Woche wurde diese Volksinitiative im Landwirtschaftsausschuss des Landtages angehört.
Schmitz-Jersch erklärte am Montag, dass das Parlament beide Volksinitiativen annehmen könne. Allerdings sei die der Umweltverbände viel weitgehender. Sie beinhaltet konkrete Gesetzesänderungen. Falls die nicht umgesetzt werden, wollen die Initiatoren ein Volksbegehren starten. Das sei aufwendig, räumte er ein, aber es sei davon auszugehen, dass die dabei geforderten 80.000 Eintragungen in die entsprechenden Listen binnen eines Jahres zustande kommen werden.

Jede zweite Wiese gehört zu einem Schutzgebiet


Von den rund 1,03 Millionen Hektar Ackerfläche in Brandenburg liegen 2,88 Prozent in Naturschutzgebieten und 21,4 Prozent in europäischen Vogelschutzgebieten. Von 72 200 Hektar Grünland unterliegt knapp die Hälfte einem Schutzstatus. Die Landesregierung plant, bis 2030 den Einsatz von Pestiziden und chemischen Düngern in der Landwirtschaft zu halbieren. thi