„Die Lage ist kritisch!“ Diese Aussage kommt gebetsmühlenrartig von Werner Siegwart Schippel. Der Präsident des Landesfeuerwehrverbandes sieht, dass die freiwilligen Feuerwehren immer mehr Mitglieder verlieren und in ländlichen Regionen die Einsatzfähigkeit nur noch auf dem Papier existiert. 2010 gab es noch 45 600 Feuerwehrmitglieder landesweit, vor zwei Jahren wurde die als Mindestgrenze angesehene 40 000-Marke unterschritten. Mitte des nächsten Jahrzehnts könnte die Mitgliederzahl auf 30 000 sinken.
Deshalb hatte der Feuerwehrverband ein ganzes Maßnahmenbündel gefordert. „Das meiste davon findet sich in den Entwürfen des Innenministeriums nicht wider“, sagt Schippel.
Das größte Ärgernis aus Sicht des Präsidenten ist die sogenannte Treueprämie. Jahrelang war drüber geredet worden, das ehrenamtliche Engagement, bei dem die Feuerwehrleute auch ihr eigenes Leben zum Schutz anderer riskieren, durch einen Beitrag zur Rente zu würdigen. Thüringen hat die sogenannte Feuerwehrrente eingeführt. Allerdings gelten die Regelungen als zu kompliziert. Deshalb hat der brandenburgische Verband Treueprämien vorgeschlagen: 1000 Euro für zehn Jahre in Einsatzgruppen, 2000 Euro für 20 Jahre. Kostenpunkt: rund neun Millionen Euro jährlich.
Im Haushaltsentwurf sind für 2019 und 2020 jedoch nur je 4,5 Millionen Euro vorgesehen. Die andere Hälfte sollten die Träger des Brandschutzes, sprich die Kommunen, aufbringen. Die jedoch sind davon nicht begeistert. Für Schippel ist Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) in der Pflicht. Der habe auf einer Präsidiumssitzung des Feuerwehrverbandes die Zusage gemacht, dass die Prämien kommen  – in voller Höhe. „Das ganze Präsidium war Zeuge“, so Schippel.
Aber auch inhaltliche Vorschläge des Verbandes scheinen nicht verwirklicht zu werden. Der Landkreistag wehrt sich dagegen, überall hauptamtliche Kreisbrandmeister einzuführen. Auch die Forderung, hauptamtliche Feuerwehrleute zur Brandschutzerziehung in Schulen und Kitas zu schicken, unter anderem um so Nachwuchs rekrutieren zu können, wurde vom Tisch gewischt. Die Landesfeuerwehrschule in Eisenhüttenstadt soll zwar fünf neue Stelle bekommen. Laut Schippel ist das aber zu wenig, um dort ein Innovationszentrum für den Brand- und Katastrophenschutz aufzubauen. Schippel bedauert vor allem, dass die Idee, neue Mitarbeiter von Ämtern und Gemeinden zu verpflichten, sich in freiwilligen Feuerwehren zu engagieren und entsprechend zu qualifizieren, nicht mit Nachdruck verfolgt wird.
Innovativ war auch der Vorschlag des Feuerwehrverbandes, Einsatzzeiten für den Brandfall ähnlich denen im Rettungswesen festzuschreiben. Demnach hätten in den Ober- und Mittelzentren bei einem kritischen Wohnungsbrand innerhalb von acht Minuten die Löschtrupps eintreffen sollen. In den übrigen Kommunen läge die Vorgabe bei zwölf Minuten. Laut Schippel können innerhalb von 17 Minuten bei einem Wohnungsbrand Leben gerettet werden. Auch die Einsatzzeiten will das Innenministerium laut Feuerwehrpräsident nicht festschreiben.
Das Mindeste, was Schippel nun fordert, ist ein Stufenplan. Wenn die Landesregierung jetzt nur Kleinigkeiten ändern will, müssten in der nächsten Legislaturperiode die nächsten Schritte gegangen werden, so der Präsident.