Während seiner Sommerreise überreichte Ministerpräsident Dietmar Woidke in dieser Woche in Luckenwalde 15 000 Euro aus Lottoeinnahmen für die Restaurierung eines Kirchenfensters. Umweltministerin Anita Tack brachte am Mittwoch einen Scheck über 70 000 Euro für die Instandsetzung des Naturschutzzentrums nach Treppeln (Oder-Spree). Am Donnerstag händigte sie 90 000 Euro für ein neues Katzenhaus an den Tierschutzverein Oberhavel aus. Letzte Woche übergab sie 14 160 Euro an die Stadt Drebkau zur Ambrosiabekämpfung. Auch andere Minister zeigten sich in letzter Zeit spendabel: Innenminister Ralf Holzschuher (SPD) stiftete den Jugendfeuerwehren in Ortrand und Großbeeren neue Parkas aus Lottogeldern und Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD) stellte im Juli einem Verein im uckermärkische Lychen 3710 Euro für die Erinnerung an den Erfinder der Reißzwecke zur Verfügung.
Brandenburg hat jährlich Millioneneinnahmen aus der Lotto-Konzessionsabgabe. 16 Millionen davon fließen gesetzlich geregelt in die Sportförderung. Rund 4,7 Millionen Euro werden jährlich zwischen den Ministerien und der Staatskanzlei aufgeteilt. Die Häuser dürfen selbständig entscheiden, welche Projekte sie damit unterstützen. Die größten Brocken entfallen mit rund 730 000 Euro auf das Umweltministerium; die Ressorts für Soziales, Kultur und Bildung können 750 000 Euro verteilen.
Grünen-Fraktionschef Axel Vogel bezeichnete die brandenburgische Praxis der Geldverteilung als Unding. Wie andere Länder auch brauche Brandenburg eine Stiftung und einen Stiftungsrat mit Politik und Verbänden, der über die Verteilung entscheidet. Auch FDP-Fraktionschef Andreas Büttner verlangt, dass das Parlament oder ein Beirat Förderanträge auf Lottomittel prüfen soll. Die Gutsherrenart, mit der die Minister über das Geld verfügen und noch dazu im Wahlkampf einsetzen, sei inakzeptabel.
Nicht alle Minister nutzen indes die Lottomittel für eigene Auftritte. Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) lässt Anträge auf Lottomittel von seinem Haus bearbeiten. Pressemitteilungen oder gar eigenhändiges Überreichen von Schecks lehnt er ab. Auch Sozialminister Günter Baaske (SPD) hält sich zu Wahlkampfzeiten mit solchen Aktionen zurück.