Bombenfund in Oranienburg, Waldbrand in Treuenbrietzen oder ein Orkan in der Uckermark: Diese Warnungen blitzen per Push-Nachricht auf dem Handy-Bildschirm auf – wenn man die entsprechende App installiert hat. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BKK) hat vor sieben Jahren die NINA-Warn-App entwickelt. Die Anwendung soll nicht nur vor lokalen Großschadenslagen warnen, sondern auch im Fall von Terroranschlägen und Krieg möglichst viele Menschen schnell erreichen.
Beim ersten bundesweiten Warntag vor zwei Jahren floppte die Probe für den Ernstfall, auch in Brandenburg. Die Meldungen erreichten die Smartphone-Besitzer teilweise erst nach einer halben Stunde. Im Fall einer echten Katastrophenlage hätten also viele zu spät davon mitbekommen. Am Donnerstag (8. Dezember) startet ein neuer Versuch, um die Alarmsysteme zu testen. Seither wurde die NINA-Warn-App erweitert. Auch ist sie nicht die einzige App auf dem Markt. Welche sollte man auf dem Handy installieren und wie sind diese einzustellen, um nichts Wichtiges zu verpassen, jedoch auch nicht ständig benachrichtigt zu werden?

Nina-Warn-App verlangt viele Einstellungen

In der staatlichen Notfall-Informations- und Nachrichten-App (NINA) laufen Meldungen des Bevölkerungsschutzes, des Deutschen Wetterdienstes, lokale Hochwassermeldungen und derzeit auch noch Informationen zur Corona-Pandemie ein. Vor einem Jahr sorgte jedoch ein Fehler für Frust, da eine Flut an zum Teil veralteten Push-Nachrichten ausgespielt wurde. Andere Nutzer stellen wiederum fest, dass sie trotz Installation keine Benachrichtigungen erhalten.
Wer Push-Meldungen von NINA bekommen möchte, muss nach der Installation sowohl in den Smartphone-Einstellungen als auch in der App die Benachrichtigungen justieren. Für Android und Apple hat das BKK zwei verschiedene Anleitungen erstellt.

Ausmaß der Gefahrenmeldungen – Nina-Warn-App überlässt die Wahl

Wichtig zu wissen: In der App müssen Benachrichtigungen für den Bevölkerungsschutz, fürs Wetter und bei Hochwasser separat eingestellt werden. Denn die Anwendung überlässt den Nutzern die Wahl, bei welchem zu erwartenden Ausmaß sie gewarnt werden wollen – nennt aber keine Beispiele und definiert Gefahrenstufen folgendermaßen:
  • Extreme Gefahr: Eine kurzfristige und erhebliche Gefahr auf die Gesundheit, das Eigentum sowie die öffentliche Infrastruktur.
  • Gefahr: Eine Bedrohung für Gesundheit, Eigentum sowie öffentliche Infrastruktur.
  • Gefahreninformation: Eine Beeinträchtigung des normalen Tagesablaufs oder eine besondere Beobachtung.
Daten für Wetterwarnungen erhält NINA vom Deutschen Wetterdienst (DWD) sendet jedoch nur bei gefährlichen Wetterwarnungen eine Push-Benachrichtigung. Etwa:
  • Schneefälle, Orkanböen, schwere Gewitter, Hagelschlag,
  • Gewitter mit extremem Starkregen und Winden in Orkanstärke, bei denen großflächige Schäden entstehen können.
Zudem können Nutzer ihren Standort hinterlegen, um zusätzlich lokale Hinweise zu erhalten. Dafür muss jedoch das GPS mit genauem Standort aktiviert sein. Ob die Meldung das Handy erreicht, hängt von den Entscheidungen der Lagezentren und Leitstellen im Land und den Kommunen ab.

Warn-App Katwarn – eine Alternative zu Nina?

Das Fraunhofer Institut Fokus hat zusammen mit den öffentlichen Versicherern die App Katwarn entwickelt. Auch diese ist unter anderem an dieselben Systeme und Dienste wie die NINA-Warn-App gekoppelt und bietet standortaktuelle Gefahrenmeldungen in der sogenannten Schutzengel-Funktion. Zudem lassen sich bis zu sieben Orte hinzufügen. Die App bietet darüber hinaus themenbezogene Warnungen zu etwa Produktrückrufen oder Veranstaltungen (Beispiel: Massenandrang bei der Messe Berlin). Allerdings ist das Einrichten etwas kompliziert. Die Themen müssen über die Website für die App abonniert werden, indem der entsprechende QR-Code eingescannt wird.
Katwarn bietet zudem einen Service per SMS und E-Mail für jene ohne Smartphone an. Allerdings ist dieser deutlich limitiert, da Unwetterwarnungen durch den DWD nicht ausgespielt werden. Die geeigneten Gebiete, darunter Landkreis Dahme-Spreewald und Berlin, sind ebenfalls auf der Webseite gelistet – jedoch etwas versteckt über den orangefarbenen Link am Fuß der Seite.

Handy-Benachrichtigung ohne App-Installation: Cell Broadcast

Gewissermaßen ist Cell Broadcast eine Lehre aus der Flutkatastrophe im Ahrtal, als die Alarmsysteme zum Teil versagten. Das Warnsystem kommt am 8. Dezember zum ersten Mal zum Einsatz. Darüber sollen Benachrichtigungen auf Handys ausgespielt werden, ohne App-Installation, indem Meldungen wie Rundfunksignale an alle kompatiblen Geräte, die in jener Zelle eingebucht sind, geschickt werden. Der Warntext soll auf dem Display mit einem lauten Ton sowie einem Vibrationssignal erscheinen – unabhängig von der Stummschaltung. Das System ist keine Neuheit und schon in anderen EU-Staaten im Einsatz.
Allerdings müssen für Cell Broadcast das Handy empfangsbereit sein und die Software auf dem Apple- oder Android-Smartphone aktuell sein.