Dass die Verzögerungen bei der Rückführung der zwölf gestohlenen Leichen nach Deutschland zum Politikum werden könnten, ist inzwischen auch in Polen angekommen. "Es kann nicht sein, dass so eine gedankenlose Tat der Diebe die guten Beziehungen und die Zusammenarbeit auf polnisch-deutschem Grenzgebiet zerstört", schrieb Józef Kruczkowski, Landrat des Kreises Gorzów, am Dienstag an den Landrat von Märkisch-Oderland Gernot Schmidt. Beide hatten tags zuvor telefoniert, weil auch eine Woche nach dem Fund der zwölf Leichen in Polen weiter ungewiss ist, wann sie wieder nach Deutschland gebracht werden. "Heute wurde mir mitgeteilt, dass jede Familie einen Antrag zur polnischen Staatsanwaltschaft schicken muss. Sobald die Schreiben da sind, wird umgehend gehandelt", sagte Kruczkowski gestern im Gespräch mit der MOZ.
Ursprünglich hatten die Angehörigen und die Ermittler auf einen Transport in den nächsten Tagen gehofft. Kruczkowski drückte in dem Schreiben an seinen deutschen Amtskollegen sein Bedauern über die unangenehme Situation aus. "Ich möchte Ihnen versichern, dass die Gesellschaft des Landkreises Gorzow und der Gorzower Region sich von dieser Einstellung distanziert und nach einer schnellen und harten Strafe verlangt", schrieb er. Er habe am Dienstag auch ein Schreiben an das zuständige Ministerium der Woiwodschaft Lebuser Land gerichtet und gebeten, sich dort der Sache zügig anzunehmen, und hoffe nun auf ein schnelles Ergebnis.
Auch Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) bat die Minister für Inneres und Justiz, über ihre Kanäle tätig zu werden, damit die Leichname zügiger überführt werden könnten. Dafür habe sich auch Europaminister Ralf Christoffers (Linke) bei dem Warschauer Regionalministerium eingesetzt, sagte der Regierungssprecher.
"Die polnischen Stellen haben Vorschriften und haben um Sterbeurkunden gebeten", erklärte der Sprecher der Frankfurter Staatsanwaltschaft. Es sei zu hoffen, dass alle Papiere bis zu diesem Freitag an die Kollegen nach Posen übermittelt werden könnten.
Diebe hatten in der Nacht zum 15. Oktober den Leichentransporter und zwei weitere Fahrzeuge aus Hoppegarten (Märkisch-Oderland) gestohlen. Die Särge mit den Toten, die ursprünglich in ein Krematorium nach Sachsen zur Einäscherung gebracht werden sollten, waren rund 85 Kilometer von Posen in einem Wald aufgetaucht. Drei Verdächtige wurden inzwischen festgenommen, nach zwei weiteren wird gefahndet. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Täter die Särge versehentlich mitnahmen.
Der Bundesverband Deutscher Bestatter (BDB) kritisierte am Dienstag die "pietätlosen Massentransporte von Verstorbenen". Der Verband lehne Fuhren von zwölf Leichen "in nicht geeigneten und kenntlich gemachten Fahrzeugen" ab. Mit Blick auf eine europäische Norm sei gerade einmal die Beförderung von höchstens zwei Leichen zu rechtfertigen - in einem Wagen, der dem Pietätsempfinden entsprechen sollte. "Wäre dies der Fall gewesen, hätten die Autodiebe wohl einen Diebstahl gar nicht in Erwägung gezogen", heißt es einer Mitteilung des BDB. Gerade im Segment der Discountbestattung tummelten sich aber auch Menschen, "denen die fachliche, handwerkliche und moralische Qualifikation abhandengekommen ist oder die diese niemals besessen haben."
Der BDB, dem rund 80 Prozent der Deutschen Bestattungsunternehmen angehören, fordert schon lange eine Mindestzugangskontrolle zum Beruf des Bestatters (mit dpa)