Wenn es nach den Grünen geht, bekommt Brandenburg eine Servicestelle für die Akzeptanz der Windenergie. In Thüringen existiert so eine Landeseinrichtung. Thüringen hat aktuell 834 Windräder. Allein die Prignitz hat mehr als 900. Die Akzeptanz ist hierzulande längst verloren, so das Fazit einer Anhörung im Landtag.
Kleine Gesprächsrunden mit Bürgermeistern, Busfahrten zu Windparks, die niemanden stören oder ein Siegel für faire Windenergie. All das organisiert die Thüringer Servicestelle Windenergie. Bei den zahlreichen Besuchern im Wirtschaftsausschuss des Landtages lösten entsprechende Berichte am Mittwoch nur Schulterzucken aus.
Jens Graf, Geschäftsführer vom Städte- und Gemeindebund erklärte, dass allenfalls mehr Bürgerbeteiligung Akzeptanz für neue Windräder schaffen könnte. Dass der Versuch des Bundes, Bürgerenergiegesellschaften zu gründen, gescheitert ist, weil große Energieunternehmen diese für eigene Zwecke nutzen, betonten gleich mehrere Redner. Bliebe noch eine stärkere kommunale Beteiligung.
Laut Graf könnten eine Windsteuer für alle eingeführt werden, die dieses Naturgut nutzen. Allerdings müsste dies bundesweit geregelt werden – Umsetzungsmöglichkeit gering. Graf könnte sich auch eine Einspeisungskonzession für Strom aus Windrädern vorstellen. Dann würden die Kommunen, durch deren Netze die Energie fließt, profitieren. Das allerdings würde den Strom verteuern. Es sei denn der Bund würde im entsprechenden Maße die Steuern auf Strom senken – mittelfristig kaum vorstellbar.
Aber ändert die Beteiligung weniger Bürger oder einzelner Kommunen noch etwas an der Grundstimmung? Nein, sagte Thomas Voigt, ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Temnitztal (Ostprignitz-Ruppin). Er berichtete, wie sein Dorf schon in den 90ern versuchte, die Höhe von Windrädern in unmittelbarer Nähe zu begrenzen und Abstände zu Wohnbebauungen festzulegen – ohne Erfolg. Eine neue Einfamilienhaussiedlung musste aufgeben werden, weil ein Windpark davor errichtet wurde. Nun drohen 23 weitere Windräder. Eine Behinderteneinrichtung im Nachbardorf erwägt den Wegzug, weil die Rotoren die Bewohner beunruhigen. Warum, fragt der Bürgermeister, wird ein ganzer Landstrich kaputt gemacht? Niemand ziehe mehr in seine Gemeinde. Die eigene Kinder werden nicht mehr zurückkehren, berichtet er sichtlich aufgebracht. Und dann wandte Voigt sich an Jan Hinrich Glahr vom Bundesverband Windenergie und wollte von ihm wissen, ob er als Befürworter von immer mehr Windenergie ein Windrad vor dem Fenster hat.
Einen sofortigen Ausbaustopp forderte Waltraud Plarre, Sprecherin der Volksinitiative „Rettet Brandenburg“. Auch der CDU-Abgeordnete Dierk Homeyer ist der Meinung, dass das akzeptable Maß in vielen Landstrichen überschritten wurde. Lars Roskoden von der Windplanungsfirma „Energiequelle“ sagte, dass Windräder die Kulturlandschaft prägen. Schon die nächste Generation wachse damit auf. Wenn man die Windräder positiv besetze, würde man sich dann weniger daran stoßen. Eine Servicestelle Windkraft könne dabei helfen.