Wissenschaftler des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) haben am Mittwoch eine Studie veröffentlicht, nach der unzählige Fledermäuse auf dem Weg in die Winterquartiere in hiesigen Windparks sterben. Sie entnahmen getöteten Großen Abendseglern unter anderem Haarproben und stellen fest, dass viele Tiere aus Ost- und Nordeuropa stammten. Die Fledermäuse könnten die Gefahren durch Rotorblätter nicht rechtzeitig wahrnehmen, hieß es in der Untersuchung. Vielfach wurden bei den obduzierten Tieren Knochenbrüche oder innere Verletzungen festgestellt, die zum Tod führten. Da vor allem junge und weibliche Tiere gefunden wurden, seien die Folgen für die Populationen dramatisch.
"Wir fordern, dass die Betreiber den Artenschutz ernster nehmen", sagt Institutssprecher Steven Seet. Angesichts der Zahl von jährlich 300000 getöteten Fledermäusen bundesweit müssten die Anlagen so betrieben werden, dass streng geschützte Tiere nicht gefährdet seien, was auch gesetzlich vorgeschrieben sei. "Wir haben den Eindruck, dass bei der Energiewende Behörden oft die Augen zudrücken."
Die Staatliche Vogelschutzwarte in Buckow (Havelland) registriert seit Jahren größere Verluste bei Vögeln. Nach Hochrechungen kommen in Brandenburg jährlich durchschnittlich vier Vögel an einer Windenergieanlage ums Leben, insgesamt zwischen 10000 bis 15000 Tiere, erklärt der Artenschutzexperte Tobias Dürr. Er führt für sämtliche Bundesländer eine zentrale Datenbank, in der sogenannte Schlagopfer erfasst werden. Allein bei Rotmilanen werden die jährlichen Verluste in der Mark auf 300 Exemplare geschätzt. "Dort ist wie bei anderen Arten die Grenze dessen erreicht, was die Population noch verkraftet." Untersuchte tote Vögel wiesen oft schwere Verletzungen und Amputationen auf. Rotoren würden von den Tieren nicht als Gefahr erkannt. Genaue Zahlen lassen sich aus Sicht von Dürr nicht ermitteln, da die Kadaver vielfach nicht gefunden oder von Raubtieren gefressen werden. Hinzu kommt, dass nur fünf Prozent der Anlagen inspiziert werden.
Nabu-Landeschef Friedhelm Schmitz-Jersch spricht von einem "dauerhaften Problem". Es existierten zwar vorgeschriebene Abstände zu Schutzgebieten, aber diese seien womöglich nicht immer ausreichend. Letztlich hätten alle Erneuerbare Energien Auswirkungen auf die Umwelt. Axel Vogel, Fraktionschef der Grünen im Landtag, erklärt dagegen, eine Koexistenz zwischen Windrädern und Tierwelt sei möglich. "In Schutzgebieten dürfen gar keine Anlagen gebaut werden." Der Landesverband der Windenergiebranche betont, dass Windräder zu bestimmten Zeiten abgeschaltet würden, um etwa Fledermäuse zu schützen.