Die Informationen, die Zdzislaw Matras unserer Zeitung vor zwei Jahren gab, riefen großes Interesse der Leser hervor. Vor allem, weil Matras vermutete, dass die Diebe von der zuständigen Polizei im nächst größeren Ort Rzepin gedeckt würden. Der damals 62-Jährige hatte sich nur deshalb an ein deutsches Medium gewandt, weil seine Bemühungen, polnische Behörden zur Aufklärung des Korruptionsverdachts zu bringen, zuvor im Sande verlaufen waren. Im Gegenteil: Ein vertraulicher Brief, den er an das Büro zur Aufklärung von Korruptionsfällen bei der Polizei in Warschau geschrieben hatte, landete umgehend auf dem Tisch des Polizeikommandanten von Rzepin.
"Was wird nun mit dem couragierten Pan Matras passieren? Man wird ihm vermutlich die Pension streichen oder kürzen, wegen des Verrates von Dienstgeheimnissen an ausländische Medien", hatte eine Leserin nach der ersten Veröffentlichung vermutet. Tatsächlich wurde Matras einige Monate später von der Slubicer Staatsanwältin Edyta Sroka wegen Verleumdung des Polizeichefs von Rzepin angeklagt. Der Prozess endete kürzlich. Matras wurde zu einer Geldstrafe von 2000 Zloty und der Übernahme der Gerichtskosten von ebenfalls 2000 Zloty verurteilt. Umgerechnet sind das etwa 950 Euro, fast das Dreifache der Rente, die der Pole erhält.
Schon während des Prozesses hatten einige Frankfurter, die zum Teil selbst von Fahrraddiebstählen betroffen waren, Matras moralisch zu unterstützen versucht. "Im Mai besuchten wir ihn in seinem Dorf und am 11. Juli, an dem am Slubicer Gericht ein Verhandlungstermin anstand, organisierten wir eine Fahrraddemo über die Oder", berichtet Roland Totzauer. Der arbeitslose Frankfurter ist genauso alt wie Matras und bewundert diesen wegen seines Mutes.
Jetzt ruft er dazu auf, den Polen auch finanziell mit kleinen Spenden zu unterstützen. Denn Matras will den Kampf nicht aufgeben und gegen das Urteil in Berufung gehen. "Es geht mir dabei nicht nur um meine persönliche Ehre, denn ich habe mir nie etwas zu Schulden kommen lassen", sagt der frühere Polizist, der zuvor übrigens auch Lehrer war, am Telefon. "Ich will erreichen, dass unsere Behörden ordnungsgemäß handeln." In den Vorgang wurde mittlerweile auch Matras' Stiefsohn Pawel mit hineingezogen, der beim Grenzschutz gearbeitet hatte. Er wurde vom Dienst suspendiert und ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet, weil er angeblich seinen Stiefvater über Polizeiinterna informiert haben soll.
Roland Totzauer stellt jetzt sein persönliches Bankkonto zur Verfügung und bittet um Spenden mit dem Verwendungszweck: "Spende für Herrn Matras". Das Geld will er dann persönlich übergeben. Wer sich zunächst der Seriosität der Aktion vergewissern will, kann ihm auch eine Mail schreiben oder anrufen (Kontaktdaten am Ende). Einer, der die ersten 50 Euro einzahlen will, ist Christian Nicolaus. Der Frankfurter hat einen nachvollziehbaren Grund: "Ich kenne in meiner Verwandtschaft und Bekanntschaft mindestens 20 Leute, denen schon Fahrräder gestohlen wurden", sagt er.
Zdzislaw Matras, der bis spätestens 10. Februar die Berufung gegen das Urteil einreichen muss, war schon am Donnerstag von der Aktion gerührt. "Bereits das Gefühl, nicht allein zu stehen, ist eine Hilfe", sagt er.
Kontakt zu Roland Totzauer:
Tel.: 0176 9884 0052;
Mail: rad@rotofo.de
Spenden mit dem Stichwort "Spende für Herrn Matras" bitte auf Roland Totzauers Konto bei der Sparda-Bank Berlin
IBAN: DE24120965970006605810 BIC: GENODEF1S10