In Berlin macht aktuell ein Fall von sich reden, in dem ein gerade mal zwei Monate altes Baby vom eigenen Vater mehrfach geschüttelt wurde. Der Säugling trug innere Blutungen im Gehirn davon und wird nun im Krankenhaus behandelt. Der 24-jährige Vater sitzt in Untersuchungshaft und wird sich wohl vor Gericht für seine Tat verantworten müssen.
Immer wieder wird Vätern oder Müttern der Prozess gemacht, weil sie ihr Baby so stark geschüttelt haben, dass es durch ein Schütteltrauma schwer verletzt wurde oder sogar zu Tode kam. Oft ist die Misshandlung ungewollt und die verzweifelte Reaktion von Eltern, deren Kind nicht aufhört zu schreien. "Babys bringen Freude - langes Schreien kann aber auch die Nerven strapazieren", sagt Susanne Hetzer, Chefin der Techniker Kasse (TK) Brandenburg.
Um Eltern über mögliche Gefahren aufzuklären, hat das Bündnis "Gesund aufwachsen in Brandenburg" jetzt eine landesweite Präventionskampagne zum Thema gestartet. "Das Schütteltrauma-Syndrom ist die häufigste nicht natürliche Todesursache bei Säuglingen", erläutert Gabriele Ellsäßer, Leiterin der Abteilung Gesundheit im Brandenburger Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV). "Eltern und andere Bezugspersonen müssen wissen, welche Auswirkungen das Schütteln der Babys haben kann."
Ärzte warnen, dass nur ein kurzer Augenblick verheerende Folgen haben kann: Schütteln Eltern ihr Baby nur fünf Sekunden, können sie es lebensgefährlich verletzen. Thomas Erler, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum (CTK), kennt die möglichen Folgen: "Durch das Schütteln wird das kleine Gehirn hin und her geschoben. Dabei werden Gefäße abgerissen, es kommt zu Einblutungen in das Gehirn." Laut Experten überleben 20 Prozent der Babys ein Schütteltrauma nicht. 70 Prozent der misshandelten Kleinkinder bleiben wegen der Hirnverletzung ein Leben lang schwer behindert.
Die Kampagne "Bitte nicht schütteln!" will vor allem junge Eltern, insbesondere junge Väter, ansprechen. Sie beinhaltet einen Flyer mit Tipps, was Eltern tun können, wenn das Baby länger oder lauter als üblich schreit, und wo sie Hilfe bekommen. Zudem wurde die Internetseite www.bitte-nicht-schütteln.de eingerichtet. "Die Eltern sollten sich nicht scheuen, bei Problemen Hilfe in Anspruch zu nehmen und beispielsweise den Kinderarzt, die Hebamme oder andere Ansprechpartner wie die Paten der brandenburgischen Netzwerke ,Gesunde Kinder' zu fragen", empfiehlt Susanne Hetzer.