Zigtausende Deutsche sterben jedes Jahr an den Folgen ihrer legalen Alkohol- und Nikotinsucht, aber wohl kein einziger am verbotenen Marihuana-Rausch. Der mag auf Dauer ungesund sein, etwa so wie übermäßiger Zucker-Konsum, mehr aber auch nicht. Amtsrichter Müller aus Bernau ist deshalb längst nicht der einzige Jurist, der dem Spuk ein Ende machen möchte, und zwar weil Verbot und  Kriminalisierung vor allem eines sind: unverhältnismäßig.
Müller will das Verbot über den Verfassungsartikel 100 aushebeln. Er sieht vor, dass Richter einen Fall dem Bundesverfassungsgericht vorlegen können, wenn sie das anzuwendende Gesetz für verfassungswidrig halten. Das Problem: Karlsruhe hat das schon einmal entschieden. Im Cannabis-Beschluss von 1994 haben die Richter die Verfassungswidrigkeit des Verbots verneint, weil viele Strafverfolgungsbehörden bei geringen Mengen Cannabis in der Regel Nachsicht walten lassen würden. So inkonsequent diese Entscheidung auch gewesen sein mag, bleibt doch unklar, warum sie jetzt anders ausfallen sollte.