Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Bundesagentur: Talfahrt bei Arbeitskräfte-Nachfrage vorerst gestoppt

30.07.2013, 13:03 Uhr
Nürnberg (dpa) Die Talfahrt bei der Arbeitskräftenachfrage in Deutschland scheint vorerst gestoppt. Zum zweiten Mal in Folge registrierte die Bundesagentur für Arbeit (BA) wieder eine steigende Zahl offener Stellen. Entsprechend kletterte der monatlich ermittelte Stellenindex der BA (BA-X) im Juli um zwei Punkte auf 149 Zähler, berichtete die BA am Dienstag, einen Tag vor der Veröffentlichung der offiziellen Juli-Arbeitslosenzahlen.

"Es scheint, dass sich der Rückgang der Kräftenachfrage vorerst nicht mehr fortsetzt, sondern sich die Nachfrage auf einem etwas niedrigeren - aber noch immer ansehnlichen - Niveau stabilisiert", kommentierte die BA die jüngste Entwicklung. Angesichts der stabilen wirtschaftlichen Lage in Deutschland suchten Unternehmen offensichtlich wieder mehr neue Mitarbeiter.

Für den Juli erwarten Arbeitsmarktexperten wie schon in den Vormonaten dennoch keine größere Bewegung. Dafür sorgten neben dem geringen Wirtschaftswachstum auch die in den Sommerferien übliche Jobflaute, berichteten von der Nachrichtenagentur dpa befragte Volkswirte. Sie rechnen für Juli mit einem saisonbedingten Anstieg der Arbeitslosenzahlen um rund 65 000 auf 2,931 Millionen. Dies wären rund 55 000 mehr als vor einem Jahr. Bereinigt um die im Juli besonders stark ausgeprägten jahreszeitlichen Einflüsse erwarten die Volkswirte eine Stagnation.

"Die meisten Bundesländer haben jetzt schon Sommerferien, so dass wir einen spürbaren Anstieg haben im Vergleich zu den Vormonaten, in denen sich die Frühjahrsbelebung hingezogen hat", erläuterte etwa Alexander Koch von der HypoVereinsbank. Der Grund: Viele Betriebe machen derzeit Urlaub, andere verschieben geplante Einstellungen auf die Zeit nach der Sommerpause.

Für die kommenden drei Monate erwarten die Volkswirte genauso wie das Münchner Ifo-Institut eine Stagnation auf dem Arbeitsmarkt. Die Münchner Konjunkturforscher berufen sich dabei auf eine Umfrage unter 9500 Firmen im verarbeitenden Gewerbe. Der daraus ermittelte Beschäftigungsindex habe sich zwar im Juli von seinem Einbruch im Vormonat erholt, berichtet das Institut laut "Handelsblatt" (Dienstag). Doch "von einer größeren Beschäftigungsdynamik kann im Moment weiterhin nicht ausgegangen werden".

Sorgenkind bleibe die deutsche Industrie. Zwar sei das Ifo-Barometer für das Verarbeitende Gewerbe gestiegen, doch seien die Firmen weiterhin zurückhaltend mit Neueinstellungen, berichtete das Institut. Dagegen würden im Bauhauptgewerbe weiter Mitarbeiter gesucht. Im Dienstleistungssektor bleibe die Personalpolitik leicht expansiv, ebenso im Groß- und Einzelhandel.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
zombie1969 31.07.2013 - 13:04:25

Aufgrund...

der weiteren ungebremsten Zuwanderung aus hauptsächlich muslimischen Ländern nach Europa scheint es immer enger zu werden auf dem Arbeitsmarkt. Dürfte daher sozialpolitisch weiterhin enorm spannend bleiben in Europa.

informierter Bürger 31.07.2013 - 12:47:43

Dafür prekäre Beschäftigung als Dauerzustand

Dass die deutsche Wirtschaft seit einigen Jahren trotz Eurokrise boomt, führen Teile aus Politik und Wirtschaft auf die von Gerhard Schröder eingeleiteten Hartz-IV-Gesetze zurück. Damit seien erheblich mehr Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen worden, die zu einer Zunahme der Beschäftigten und mehr Leistungsfähigkeit der Wirtschaft geführt habe. Eine völlig falsche Sichtweise, sagt dazu Gerhard Bosch, Professor für Arbeits- und Wirtschaftssoziologie an der Uni Duisberg-Essen. Deutschland habe ein Höchstmaß an prekärer Beschäftigung, so Bosch, also Vergütungen unter dem Minimum, was zwingend eine Neuordnung des Arbeitsmarktes erforderlich mache. Wie diese Neuordnung aussehen sollte, erörtert Gerhard Bosch im Gespräch mit Ralph Erdenberger. http://gffstream-5.vo.llnwd.net/c1/m/1371808988/radio/redezeit/wdr5_redezeit_20130621.mp3 Uns, den Deutschen geht es gut. „Die Deutschen“ kommt öfter vor, wenn vom großen Erfolg und „zweiten Wirtschaftswunder“ die Rede ist. „Die Republik wirkt satt und sorglos“, heißt es. Dass es über 3 Millionen registrierte Arbeitslose gibt und viele nicht registrierte, dass ca. 6 Millionen aufstocken müssen, dass jeder vierte Deutsche für Niedriglohn arbeiten muss und dass dies nicht an mangelnder Berufsausbildung liegt, wird einfach ausgeblendet, wenn ein Journalist eines als hervorragend geltenden Presseorgans vom Wirtschaftswunder für „die Deutschen“ schreibt. Und hier die wahre Geschichte unseres Wirtschftswunders: http://www.youtube.com/watch?v=qXhbMTLko8I Im Zuge der Euro-Schuldenkrise geben wir Deutschen gern und ungefragt gute Ratschläge: Wirtschaftskrisen sind im Grunde selbstverschuldet und können durch eiserne Disziplin behoben werden. Wir kennen uns aus. Am Ende der spannenden Reise wird klar, dass kaum einer der beliebten Glaubenssätze der wissenschaftlichen Überprüfung standhält und dass der rasante wirtschaftliche Aufstieg der Bundesrepublik zwar ein großer Glücksfall, aber alles andere als ein Wunder war. Diese Auswirkungen spüren wir bis heute und somit erleben wir ein weiteres Märchen von der Talfahrt bei der Arbeitskräfte-Nachfrage. Nannte man Münchhausen nicht auch einen Lügenbaron? Unsere BA belügt von Monat zu Monat mit manipulativen Elementen. Die Erfolgsmeldungen der Bundesagentur blenden die Misserfolge der in Deutschland gemachten Wirtschafts-, Währungs- und Finanzpolitik einfach aus.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG