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Auf der Suche nach Phosphor

Phosphate fürs Pflanzenwachstum: Ein Traktor bringt auf einem Acker in der Nähe von Püttelkow (Mecklenburg-Vorpommern) Dünger und Saatgut aus.
Phosphate fürs Pflanzenwachstum: Ein Traktor bringt auf einem Acker in der Nähe von Püttelkow (Mecklenburg-Vorpommern) Dünger und Saatgut aus. © Foto: dpa
dpa / 20.08.2014, 20:17 Uhr
Rostock (dpa) Gut acht Tonnen Weizen haben Deutschlands Bauern in diesem Jahr von jedem mit dem Getreide bestellten Hektar geerntet. Ein Rekordergebnis. Vor 150 Jahren lagen die Hektar-Erträge gerade bei einem Zehntel davon, wie der Rostocker AgrarwissenschaftlerPeter Leinweber sagt. Eine entscheidende Rolle spiele der Einsatz mineralischer Dünger. Den Grundstein legte der deutsche Chemiker Justus von Liebig Mitte des 19. Jahrhunderts, als er die wachstumsfördernde Wirkung von Stickstoff, Phosphaten und Kalium nachwies.

Viel hilft viel. Das war danach im Zeitalter einer zunehmend industrialisierten Landwirtschaft meist die Devise - zum Leidwesen der Umwelt. Doch ein erwachendes ökologisches Bewusstsein, steigende Rohstoffpreise und die Endlichkeit der Lagerstätten bewikrten ein Umdenken. Vor allem, wenn es um Phosphor geht, laut Leinweber der zweitwichtigste Pflanzennährstoff nach Stickstoff.

"Jahrzehntelang wurden große Mengen davon auf die Felder gestreut, nur ein Bruchteil konnte von den Pflanzen aufgenommen werden. Nun geht es darum, dieses vorhandene Potenzial nutzbar zu machen, Phosphate aus Gewässern und Sedimenten zurückzugewinnen und künftig möglichst mit einer minimalen Phosphordüngung auszukommen", beschreibt Leinweber ein Forschungsziel des WissenschaftsCampus Phosphorforschung, der am Mittwoch nach einer Vertragsunterzeichnung mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern offiziell seine Arbeit aufnahm. Er wird getragen von der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz, fünf Leibniz-Instituten im Nordosten und der Universität Rostock.

Rund 82 Prozent der weltweit abgebauten Phosphate werden heute als Düngemittel eingesetzt, die Nachfrage steigt, die Ressourcen schrumpfen. Deshalb soll jetzt nach Wegen geforscht werden, Phosphor effizienter zu nutzen und zu recyceln. Dazu gehört die Rückgewinnung aus Gewässern oder Klärschlamm.

Doch auch ganz neue Wege seien denkbar, sagt Leinweber.So könnten Tierknochen, die bislang in der Zementherstellung eingesetzt und so quasi entsorgt würden, künftig als Phosphorlieferant dienen. Das Mineral sei wichtiger Bestandteil der Knochen.

Zudem werde an Verfahren geforscht, mit denen schon in den Meliorations-Kanälen am Feldrand und in Bächen Nährstoffe wie Phosphor ausgefiltert werden können, um sie zurück auf die Äcker zu bringen.

Das freut auch Gewässerkundler wie Günther Nausch vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Rostock-Warnemünde, das ebenfalls Teil des WissenschaftsCampus ist. "Durch den Bau neuer Kläranlagen in den zurückliegenden 20 Jahren hat sich in Deutschland der Nährstoffeintrag in die Ostsee schon um 90 Prozent verringert", sagt Nausch. Ein Schwerpunkt künftiger Forschung sei daher, die Einleitung über die Landwirtschaft zu verringern. Dafür müssten möglicherweise Drainagerohre entfernt werden, gibt er einen Ausblick.

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