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Polnisches Interesse an Vattenfall

20.01.2015, 19:44 Uhr
Warschau/Cottbus (ds) Das führende polnische Energieunternehmen PGE zeigt offenbar Interesse am Kauf der Braunkohlesparte des schwedischen Konzerns Vattenfall in der Lausitz. Bereits im November hatte sich ein tschechischer Energiekonzern als Kaufinteressent präsentiert.

Werden die knapp 9000 Mitarbeiter von Vattenfall in der Lausitz künftig bei einem osteuropäischen Unternehmen arbeiten? Ein derartiges Szenario erhält durch Berichte polnischer Medien neue Nahrung. "Es wäre verwunderlich, wenn wir uns nicht für eine Transaktion interessierten, die unmittelbar an unserer Grenze abläuft." Mit diesen Worten wird eine "hochrangige Quelle" des Konzerns PGE zitiert. Als Kaufpreis für die Tagebauanlagen und Kraftwerke werden zwei bis drei Milliarden Euro genannt.

So wie Vattenfall in Schweden ist auch die PGE (Polska Grupa Energetyczna) ein staatliches Unternehmen. Unter seiner Regie laufen auch die Planungen für zwei polnische Atomkraftwerke.

Als Vorteil der Übernahme wird in den Berichten die Kombination brandenburgischer und sächsischer Tagebaue und Kraftwerke mit einem östlich von Guben und Forst geplanten neuen polnischen Tagebau genannt. Ein wirtschaftliches Risiko für das Geschäft sei dagegen die von der deutschen Regierung geforderte Senkung des CO2-Ausstoßes.

In einer Stellungnahme der Konzernführung in Warschau heißt es zwar, dass "PGE nicht am Verkaufsprozess der Aktiva von Vattenfall in Deutschland beteiligt ist". Erst kürzlich hatte jedoch Staatsschatzminister Wlodzimierz Karpinski erklärt, dass für den Aufbau starker polnischer Energieunternehmen auch Aktivitäten im Ausland erforderlich seien. Nach Ansicht von Beobachtern wurde die PGE-Erklärung auch mit Rücksicht auf einen gerade erst beendeten Streik polnischer Bergleute formuliert, der sich gegen die geplante Schließung von vier Steinkohlebergwerken in Schlesien gerichtet hatte. Am Wochenende hatte die Warschauer Regierung dieses Vorhaben zurückgenommen.

Der tschechische Energiekonzern EPH hatte dagegen bereits im Jahr 2012 den mitteldeutschen Braunkohleförderer Mibrag südlich von Leipzig erworben. Er beschäftigt dort rund 3000 Mitarbeiter. Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) erklärte bereits, er könne sich gut vorstellen, dass die Mibrag auch als Investor in der Lausitz in Frage käme. Von dem polnischen Interesse war seinem Ministerium am Dienstag laut einer Sprecherin dagegen noch nichts bekannt. Als weitere Interessierte für den von Vattenfall im Herbst angekündigten Verkauf sind Finanzinvestoren im Gespräch.

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