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Welt braucht wegen zunehmender Resistenzen neue Antibiotika - Deutschland gibt Millionen

"Tödlichere Gefahr als der Terrorismus"

Multiresistenten Keimen auf der Spur: Eine Labormitarbeiterin hält eine Indikatorkulturplatte zum Nachweis von resistenten Bakterien in der Hand.
Multiresistenten Keimen auf der Spur: Eine Labormitarbeiterin hält eine Indikatorkulturplatte zum Nachweis von resistenten Bakterien in der Hand. © Foto: dpa
Hajo Zenker / 04.09.2017, 20:00 Uhr
Berlin (MOZ) Im August erwischte es das Klinikum Friedrichshafen: Wegen Krankheitserregern, die sich mit Antibiotika nicht bekämpfen ließen, musste die Intensivstation geschlossen werden. Es dauerte gut zwei Wochen, bis die Krise durchgestanden war - ohne Tote. Zuvor hatte es im Mai das Universitätsklinikum Frankfurt am Main getroffen, wo ein Bakterium, das sich gegen alle vier üblichen Antibiotikagruppen immun zeigt, die Intensivstation lahm legte. Drei befallene Patienten starben.

Allein in der EU kommen laut Europäischem Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten jährlich 25 000 Menschen wegen einer Infektion mit Erregern um, gegen die Antibiotika nicht mehr wirken. Weltweit sind es laut Weltgesundheitsorganisation WHO rund 700 000.

Für den britischen Botschafter Sebastian Wood sind die Resistenzen eine "tödlichere Gefahr als der Terrorismus". Und Forschungs-Staatssekretär Georg Schütte sieht die Welt vor einer "dramatischen Herausforderung", die Entwicklung sei angesichts der Gefahr, dass einst behandelbare Infektionen wieder lebensbedrohlich werden, "beängstigend". Seit 30 Jahren sei kein neues Antibiotikum mehr entwickelt worden. Peter Beyer von der WHO-Abteilung für unverzichtbare Medikamente, sagt, dass bisher fast nur an Varianten bekannter Antibiotika geforscht werde - "das führt schnell zu neuen Resistenzen".

Und weil, wie die schweizerische Botschafterin Christine Schraner Burgener erklärt, "die Marktmechanismen hier zu kurz gegriffen haben", müssen Regierungen eingreifen. Da könnte man meinen, dass sich viele Länder zur Hilfe bereitfinden. Doch das ist mitnichten so. Die am Montag verkündete Bereitstellung von über 56 Millionen Euro, die in die Globale Partnerschaft für Antibiotika-Forschung und Entwicklung (GARDP) fließen, geht mit 51,4 Millionen zum größten Teil auf das Konto Deutschlands. Mit Abstand folgen etwa Holland (2,0 Millionen), Großbritannien (1,1 Millionen), die Schweiz (440 000) und Südafrika (390 000). Von EU-Partnern wie Frankreich, Italien oder Polen keine Spur.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) betont, man habe einen Schritt nach vorn gehen wollen, müsse den Geberkreis "aber weiten". Denn das zugesagte Geld reicht nicht einmal, um die vier Programmbereiche von GARDP, etwa die Behandlung der Neugeborenen-Sepsis, die wegen der Resistenzen 214 000 Babys jährlich das Leben kostet, zu bezahlen. Geschweige denn, um die globale Gesundheitsgefahr zu bannen.

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Ludo Märkel 04.09.2017 - 23:07:04

Herr Hajo Zenker...

...ich kenne Sie zwar nicht, aber ich tue hier mal kund, den Artikel hätten Sie sich sparen können. Aber es gab ja Geld dafür, was soll's. Wenn es Ihre knappe Zeit mal erlaubt, sehen Sie sich den Beitrag in der ARD Mediathek an --> Der unsichtbare Feind – Tödliche Supererreger aus Pharmafabriken | Video verfügbar bis 08.05.2018 !!! Danach müßte in Ihrem Artikel stehen - ...Hauptgründe u.a. die deutsche Bundesregierung, Minister Gröhe U N D Pharmahersteller. Die sollen jetzt noch mehr Geld bekommen - ABARTIG und PERVERS hoch zehn !!! Ich habe vor 10 Jahren für Zuzahlung für Medikamente(1% meiner Rente) ca. 6 - 8 Monate gebraucht, jetzt schaffe ich das locker in 2-3 Monaten. Weil Krankenkassen und Pharmaindustrie WILDE Sau spielen können - OHNE ein Handeln der Bundesregierung wird das noch schlimmer werden. FAKT ist - ohne diesen ganzen SCH... hätten wir weniger Probleme damit. Warum schreiben Sie das nicht ?!?!? Haben Sie Angst, sind Sie auf Linie gebracht oder WAS ?????

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