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In Brandenburg gab es 18 Organspender. Das ist der niedrigste Stand seit 2008.

Organspenden auf neuem Tiefstand

Laut Rahmel besteht keine Gefahr, dass die Vermittlungsstelle Eurotransplant Deutschland wegen der niedrigen Spenderzahlen aus dem Verbund ausschließt.
Laut Rahmel besteht keine Gefahr, dass die Vermittlungsstelle Eurotransplant Deutschland wegen der niedrigen Spenderzahlen aus dem Verbund ausschließt. © Foto: dpa
Dieter Keller / 13.01.2018, 21:55 Uhr - Aktualisiert 15.01.2018, 10:14
Berlin (MOZ) Mindestens 10 000 Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan. Doch es gibt immer weniger Organspender.

2017 nahm ihre Zahl um sieben Prozent auf 797 ab. Noch größer war das Minus bei den Organen: Hier ging es um 
9,5 Prozent auf 2594 zurück.Die Transplantationszentren akzeptierten weniger Organe, sagt der Medizinische Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Axel Rahmel. Am häufigsten werden Niere, Leber und Lunge gespendet.

In Brandenburg gab es 18 Organspender. Das war der niedrigste Stand seit 2008 – und ein dramatischer Rückgang gegenüber 2016, als es noch 35 waren. Die Zahl der gespendeten Organe sank von 105 auf 49. In Brandenburg selbst wurden in beiden Jahren keine Transplantationen durchgeführt.

Bundesweit sank die Zahl der Spender mit 9,7 pro eine Million Einwohner erstmals unter zehn. Damit fiel Deutschland hinter fast alle anderen westeuropäischen Länder zurück. „Das ist eine dramatische Entwicklung“, so Rahmel. Spitzenreiter war Spanien mit 46,9 Spendern je einer Million Einwohner. Dort gilt die Widerspruchslösung: Wer eine Organentnahme nach dem Tod ablehnt, muss dies ausdrücklich dokumentieren. In Deutschland ist die Zustimmung erforderlich, etwa per Organspenderausweis.

Im Jahr 2007 gab es noch 1313 Spender, fast 40 Prozent mehr. Als Hauptgrund für den Rückgang nennt Rahmel, dass die Organspende zu sehr vom individuellen Engagement einzelner Ärzte in den Kliniken abhänge. Aufgrund der hohen Leistungsverdichtung in den Krankenhäusern, des Drucks auf den Intensivstationen und des Personalmangels dächten sie zu wenig an eine Organspende. Die Krankenhäuser hätten zwar Transplantationsbeauftragte benannt. Aber ihre Aufgabe sei zu wenig definiert, und es gebe keine verbindliche Freistellung von anderen Tätigkeiten. Zwar stellten die Krankenkassen den Kliniken 18 Millionen Euro für die Beauftragten zur Verfügung. Sie würden aber häufig nicht zweckgebunden verwendet.

Als positive Ausnahme nannte der DSO-Vorstand Bayern. Dort gebe es mit dem Landesausführungsgesetz seit Anfang 2017 klare Regeln. Der Erfolg: Die Zahl der Organspenden stieg um 18 Prozent auf 143.

Der Organspende-Skandal wirkt sich nach Rahmels Angaben kaum noch negativ aus. 2012 war bekanntgeworden, dass Ärzte an einzelnen Kliniken den Zustand ihrer Patienten überdramatisiert hatten, damit sie schneller an ein Organ kamen. Danach wurden die Kontrollen verschärft. Aufgrund der geringen Spenderzahl wurden weniger Organe über die Organvermittlungsstelle Eurotransplant in benachbarte Länder gebracht, als von dort kamen.

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