Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Konsumgüterkonzern Unilever will Werbeaktivitäten einschränken - wegen Hetzreden und extremistischer Inhalte

Online-Werbung
Internet-Riesen unter Druck

Konzernzentrale von Unilever in Rotterdam: Der Konsumgüterkonzern will seine Werbemilliarden für Anzeigen in einem Umfeld ohne Hetzreden und Dschihad-Propaganda ausgeben.
Konzernzentrale von Unilever in Rotterdam: Der Konsumgüterkonzern will seine Werbemilliarden für Anzeigen in einem Umfeld ohne Hetzreden und Dschihad-Propaganda ausgeben. © Foto: dpa/Lex Van Lieshout
Michael Gabel / 14.02.2018, 08:30 Uhr
(MOZ) Zahnpasta-Werbung zwischen Hass-Postings – der Marketingchef des Konsumgüterriesen Unilever, Keith Weed, wirft Internetunternehmen wie Facebook und Google vor, solche imageschädigenden Zufallskombinationen zu ermöglichen, weil das Werbeumfeld nicht genug kontrolliert wird.

Seinen rund zwei  Milliarden Euro hohen Etat für Online-Werbung will Weed deshalb auf Plattformen umlenken, die ausschließlich „Gutes für die Gesellschaft bewirken möchten“, sagte er jetzt in London. Der britisch-niederländische Konzern Unilever, zu dem bekannte Marken wie Langnese, Knorr und Dove gehören, ist nach dem US-Konzern Procter & Gamble der zweitgrößte Werbekunde der Welt. Am Dienstag war bekannt geworden, dass Anzeigen der Brillenhersteller Fielmann, der Schuhhändler Deichmann und die Postbank ungewollt auf Webseiten landeten, auf denen dazu aufgefordert wird, „in den Dschihad zu ziehen“ sowie „Ungläubige und Juden“ zu vernichten. Die Anzeigen waren in den meisten Fällen von der Google-Tochter AdSense platziert worden.

Offen ist, wie ernst Unilever die Drohung meint. Mario Fischer, Professor für E-Commerce an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt, ist davon überzeugt, dass es für den Konzern nicht leicht würde, seine Werbegelder einfach umzuschichten. „Alle anderen Arten von Werbung über andere Online-Kanäle, Fernsehen, Radio und Print wird das Unternehmen ausgereizt haben. Und man kann nicht einfach an großen Absatzkanälen für Werbung vorbeigehen, ohne dass man selbst Schaden nimmt“, sagt er dieser Zeitung. Kampagnen bei Facebook und Google führten zudem zu relativ wenig Streuverlusten. „Insofern sind sie eigentlich die vernünftigste Art, Werbegelder auszugeben.“ Aber auch Fischer sagt, Unilever könne nicht daran gelegen sein, dass Anzeigen auf zweifelhaften Seiten landen. „Facebook müsste Möglichkeiten schaffen, dass ein Kunde zum Beispiel sagen kann, mit den Themen Tod und Polizei möchte er nichts zu tun haben, so wie das heute schon recht gut bei Google geht“, fordert er. „Da gäbe es viel zu tun.“

Facebook und Google haben derzeit aber nicht nur Probleme mit Werbekunden. Auch Politik und Justiz nehmen soziale Netzwerke und Suchplattformen stärker ins Visier. Zuletzt hatte das Berliner Landgericht verfügt, dass Facebook seine Nutzer nicht zur Nennung von Klarnamen verpflichten darf. Im Netzwerkdurchsetzungsgesetz von 2017 wurde den Unternehmen auferlegt, schärfer gegen Hetzreden und Fake News vorzugehen. Und im Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD ist vereinbart, dass die Internetkonzerne gerechter besteuert werden sollen – was sie am Ende weitere Milliarden kosten könnte. Professor Fischer ist jedoch davon überzeugt, dass Unternehmen wie Facebook und Google die schwierige Phase gut überstehen werden. „Einfach, weil es zu ihnen keine Alter-nativen gibt.“

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG