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zu Christian Lindner
Ein Plädoyer gegen die Rassismus-Keule

Thomas Block
Thomas Block © Foto: MOZ
Meinung
Thomas Block / 16.05.2018, 19:15 Uhr
Berlin (MOZ) Der öffentliche Diskurs ist aus den Fugen geraten. Er wird nicht immer, aber immer öfter mit Shitstorms ausgetragen, verläuft oft schablonenhaft, wird nicht mehr ausgefochten, sondern mit Keulen entschieden. Von hysterischen Debatten hat Christian Lindner kürzlich gesprochen. Damit hat er recht, und das ist nicht gut. Wo hysterisch Keulen geschwungen werden, bleibt kein Raum für konstruktiven Austausch.

Der FDP-Parteivorsitzende hat in einer Rede ein nicht besonders kluges, aber auch nicht besonders dramatisches Bild bemüht. Es ging um Ausländer beim Bäcker, die ganze Geschichte muss hier nicht wiederholt werden. Wichtig ist nur: Lindner musste für seine Äußerung büßen. Er musste sich pauschal als Rassist beschimpfen und in die ganz rechte Ecke stellen lassen, obwohl er da wirklich nicht hingehört. Seine Äußerung wurde nicht diskutiert, sie wurde sanktioniert.

Diese Art der Diskussion ist keine Spezialität des linken Lagers. Im Gegenteil. Gegen das, was auf Pegida-Demonstrationen artikuliert wird, gegen die Sprache der AfD, gegen die Trolle des rechten sind die Rassismus-Keulen des linken Lagers fast schon niedlich. Doch diese Extrem-Pole erwecken den Anschein, die Welt teile sich in Nazis und links-grün-versiffte Gutmenschen. In Zeiten des Umbruchs und der Verunsicherung ist eine Einteilung der Welt in Schwarz und Weiß die attraktivste Form der Komplexitätsreduktion.

Im Fall Lindner ist diese Vereinfachung jedoch nur eines: dumm. Zum einen, weil sie Grenzen verwischt, die nicht verwischt werden sollten. Wenn schon ein liberaler Parteichef für eine ungeschickte Äußerung als schlimmer Ausländerfeind abgestempelt wird, werden gerechtfertigte Warnungen vor den echten Rassisten nicht mehr ernst genommen. Und zum anderen, weil es gerade in Zeiten des aufkeimenden Rechtspopulismus wichtig ist, dass die demokratischen Kräfte einen Umgang pflegen, der nicht den Großteil der Menschen abschreckt. 72 Prozent der Deutschen stimmen Lindners Bäcker-Geschichte zu. Das kann man falsch finden, darüber kann man reden, ja, sogar streiten. Aber all diese Menschen als Rassisten zu bezeichnen, sie so pauschal von der Diskussion auszuschließen, hilft nur den Rechtspopulisten. Demokratie wird nicht mit Keulen gemacht.

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Sigismund Ruestig 17.05.2018 - 09:18:46

Position gegen Rassisten, auch solche von der FDP!

Keine christliche Nächstenliebe für Gegner der christlichen Nächstenliebe - auch nicht, wenn diese ein Kreuz hochhalten! Keine Menschlichkeit für die Unmenschlichkeit! Die Unmenschlichkeit gehört nicht (mehr) zu Deutschland! Kein Gehör den Propagandisten einfacher Lösungen für schwierige Sachverhalte! Stop den selbsternannten Richtern über Alles und Jedes! Null-Toleranz für Fremden-Feinde, Hass-Prediger und Nachahmer von Hitlers Schergen! Diese grenzen sich selbst aus! https://youtu.be/sBom50KrkBk

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