Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Geheimdienste
Rechercheverbund: BND beschaffte sich Probe von Nowitschok

Britische Soldaten in Schutzanzügen bei den Ermittlungen zur Vergiftung des Ex-Doppelagenten Skripal und dessen Tochter.
Britische Soldaten in Schutzanzügen bei den Ermittlungen zur Vergiftung des Ex-Doppelagenten Skripal und dessen Tochter. © Foto: Andrew Matthews/PA Wire/dpa
dpa-infocom / 16.05.2018, 20:13 Uhr
Berlin/München (dpa) Seit zwei Monaten rätseln Ermittler, wer den ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter mit dem Kampfstoff Nowitschok in England vergiftet hat. Weil die Substanz einst in der Sowjetunion entwickelt wurde, richten sich die Vorwürfe des Westens gegen Russland.

Nun wollen «Süddeutsche Zeitung», NDR und WDR gemeinsam mit der «Zeit» (Mittwoch) herausgefunden haben, dass sich auch die Bundesrepublik Mitte der 90er Jahren eine Probe des Nervengifts verschafft habe.

Der Auslandsgeheimdienst BND sei durch einen Überläufer aus Russland an den gefährlichen chemischen Kampfstoff gekommen. Auch die Bundeswehr sei in den Vorgang eingebunden gewesen, berichten die Medien unter Berufung auf Personen, die an der Entscheidung beteiligt gewesen seien.

Die Bundesregierung und der BND erklärten den Zeitungen und den Sendern auf Anfrage, zu «nachrichtendienstlichen Angelegenheiten grundsätzlich nur den geheim tagenden Gremien des Deutschen Bundestages» zu informieren.

Skripal und seine Tochter Julia waren Anfang März im südenglischen Salisbury vergiftet worden. Großbritannien geht davon aus, dass dabei ein Stoff aus der Nowitschok-Klasse verwendet wurde, und macht Russland für den Anschlag verantwortlich. Die Kampfstoffe der Nowitschok-Gruppe waren in der Sowjetunion entwickelt worden. Der Kreml weist die Vorwürfe von sich und verweist darauf, dass das Gift, mit dem die Skripals angegriffen wurden, in mehreren Ländern hätte produziert werden können. So hatte Tschechiens Präsident Milos Zeman zugegeben, dass auch in seinem Land noch vor wenigen Monaten mit einer Nowitschok-Variante experimentiert wurde.

Laut den beiden Zeitungen und den beiden Sendern war die damalige BND-Operation innerhalb der Bundesregierung umstritten. «Wir wollten auf keinen Fall den Eindruck erwecken, als würden wir uns selbst für solche Chemiewaffen interessieren», wird eine mit den damaligen Diskussionen vertraute Person zitiert. Mit Wissen von Kanzleramt und Verteidigungsministerium sei die Probe in einem schwedischen Labor analysiert worden. Was aus der Probe wurde, ist unklar. Die heutige Bundesregierung bemühe sich nun, den Vorgang zu rekonstruieren.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Sigismund Ruestig 17.05.2018 - 09:17:29

Bald wieder Krieg?

Die Nachkriegsordnung in Ost und West ist zunehmend in Auflösung begriffen. Nationalismus ist in vielen Ländern wieder im Vormarsch. Die Globalisierung hat scheinbar Ihre Grenzen erreicht. Die alte Ordnung hat weltweit eine einzigartige Vermögenskonzentration begünstigt. Eine neue Ordnung ist nicht in Sicht. Wie die Geschichte lehrt, eine Situation, in der kriegerische Auseinandersetzungen mit allem, was dazu gehört, dieser Unübersichtlichkeit und Unberechenbarkeit wieder neue Strukturen geben könnten. Interessant für diejenigen, die im aktuellen Verfall der Strukturen für sich eine Bedrohung sehen. Vor diesem Hintergrund macht - für interessierte Kreise - auch ein Präsident Trump Sinn! In der aktuellen Politik erleben wir wieder zunehmend Situationen, in denen Themen hochgepeitscht werden - wie z.B. die Rußland angelastete Skripal-Affäre in Groß-Britannien, der Baschar al-Assad angelastete Giftgaseinsatz in Syrien, diverse Cyber-Angriffe (sind die Enthüllungen von Swowden schon vergessen?) -, die von interessierten Kreisen zur Eskalation genutzt werden bis zur Angriffsdrohung Trumps gegen Rußland allein auf Basis von Vermutungen, sicher nicht auf der Basis von Beweisen. Ein bekanntes Muster, das die Amerikaner schon im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg vorgeführt haben. So sollen zunächst einmal wieder sich auflösende Reihen gegen einen gemeinsamen Feind geschlossen werden. Mich erschreckt, dass unsere Kanzlerin sich - und damit Deutschland - ohne Beweise - auf die Seite derer stellte, die die Eskalation gegen Russland systematisch vorantreiben, auch wenn sie neuerdings eine deutsche Beteiligung an militärische Aktionen gegen Syrien ablehnt. Dennoch hat sie - zusammen mit ihrer Verteidigungsministerin von der Leyen - vorauseilend und willfährig Trumps Forderung nach einer drastischen Erhöhung der Verteidigungsausgaben antizipiert. Eine kriegsgefährliche Politik! Da wünschte ich mir SPD-Kanzler Schröder zurück, der - übrigens gegen die damalige Oppositionsführerin Merkel - Deutschland mutig aus dem Irak-Krieg herausgehalten hat! Aber die heutige SPD schaut mutlos und hasenfüßig den kriegsgefährlichen Machenschaften von Merkel und von der Leyen zu! Und unsere Medien? Sind seit geraumer Zeit weitgehend geschlossen wieder auf der Seite derer, die ihre Interessen bedroht sehen (vgl. https://www.freitag.de/autoren/sigismundruestig/massenmedien-in-deutschland-2 ). Bald wieder Krieg in Deutschland? https://youtu.be/sBom50KrkBk

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG