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Mühlentag
Apfelbäumchen und Postkutschenhalt

Aileen Hohnstein / 21.05.2018, 19:37 Uhr
Vehlefanz Traditionell öffnen viele Mühlen der Region am Pfingstmontag zum Deutschen Mühlentag ihre Türen. In diesem Jahr war die Motormühle in Vehlefanz dabei. Besucher konnten nicht nur einen Blick ins Innenleben der Motormühle werfen, sondern auch bei der Einweihung der Postkutschenstation dabei sein.

„Da kommen Erinnerungen hoch, und es tut ein bisschen weh. Aber ich bin unheimlich dankbar, dass man sich hier so sehr um die Mühle kümmert“, sagt Manfred Bathe am Montag. Er ist zu Besuch in der Motormühle in Vehlefanz. Und eigentlich ist es auch eine Reise zurück in die Vergangenheit. Denn sein Großvater Otto Bathe hatte die Motormühle 1936 erbauen lassen, nachdem ein Sturm seine Bockwindmühle in der Nähe von Eichstädt zerstört hatte.

Zu DDR-Zeiten musste der Mühlenbetrieb eingestellt werden. Gut 50 Jahre stand die Bathe-Mühle still, nun wird sie auf Hochtouren denkmalgerecht saniert. 2014 kaufte Prof. Dietmar Sturzbecher den Mühlenhof. „Im nächsten Jahr soll sie fertig sein“, erzählt er und ist dankbar für all die Hilfe, die er seitdem erhalten hat. „Ohne diesen Zuspruch wären wir nicht da, wo wir jetzt sind. Durch diesen Rückhalt mussten wir die Mühle einfach wieder herrichten.“ Immerhin habe er zwar Ahnung von der Landwirtschaft, aber keine von Mühlen. So hat ihn zum Beispiel Sven Thiede, der die Motormühle in Kränzlin betreibt, sehr mit seinem technischen Wissen unterstützt. Aber auch Ortschronist Helmut Schönberg, der sich unermüdlich für die Wiedereröffnung der Bathe-Mühle als Sehenswürdigkeit für Touristen sowie Lehrstätte für Kinder und Jugendliche einsetzt, um den Weg des Brotes vom Acker auf den Teller zu verstehen. Der erste Kurs für Kitakinder ist bereits angemeldet und Schönberg bereitet sich schon mit Lehrmaterial darauf vor.

Etwas länger wird es wohl dauern, bis Dietmar Sturzbecher sein Versprechen einlösen kann. Der Heimatverein hat – seiner Tradition folgend, in jedem Jahr eine alte Baumsorte an einem Vehlefanzer Ort einzupflanzen – einen Apfelbaum der Sorte „Cox Orange“ am Parkplatz eingesetzt. Der Chor „Vehlefanzer Amseln“ singt dazu. Sturzbecher lädt danach alle Beteiligten zu einem Stück Apfelkuchen auf der Postkutsche ein. „Die natürliche Verbindung von Mehl und Äpfeln ist der Apfelkuchen“, meint er. Nur wird es wohl bis zur ersten Apfelernte noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Am frühen Nachmittag kann Sturzbecher am Mühlenhof dafür etwas anderes enthüllen. Neben einer Ferienwohnung und Unterständen für Pferde und Kutschen für Wanderreiter und -kutscher, gibt es seit Montag nun auch eine Postkutschenhaltestelle. Vor gut 200 Jahren wurde die „Alte Hamburger Poststraße“ von Berlin nach Hamburg erbaut, die auch am Mühlenhof vorbeiführte. Zur Einweihung der Haltestelle fährt Dietmar Sturzbecher in einem Postkremser aus Staffelde und in königlich-preußischer Postmeisteruniform vor, angekündigt wird er vom Posttrompeter. Jörg Engelhard ist in diese Rolle geschlüpft und trompetet lautstark „Die Post im Walde“. Sturzbecher sieht die neue Haltestelle als optimale Ergänzung für den Postkutschenbetrieb des Staffelder Alten Dorfkrugs. „Wer Postkutschen fährt, braucht auch Orte, an denen er halten kann“, sagt er dazu. Um den Tieren eine Pause zu gönnen und sich selbst umzuschauen. Dass dies nun an der Bathe-Mühle und somit an einem historischen Ort möglich ist, freut ihn umso mehr.

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