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Polizei spürt mutmaßlichen Mörder der TV-Journalistin Viktoria Marinowa in Niedersachsen auf / Bulgarien ist empört über Vorverurteilung

Mörder gefasst
Fahndung über Ländergrenzen

Gedenken: Immer wieder legen Menschen in Russe Blumen ab und zünden Kerzen für die ermordete Journalistin Viktoria Marinova an.
Gedenken: Immer wieder legen Menschen in Russe Blumen ab und zünden Kerzen für die ermordete Journalistin Viktoria Marinova an. © Foto: AFP/Nikolay Doychinov
Stefan Kegel / 11.10.2018, 07:30 Uhr
Berlin (MOZ) Der Mord an der bulgarischen Journalistin Viktoria Marinowa scheint aufgeklärt: Der mutmaßliche Täter wurde in Deutschland gefasst.

Es war eine Tat, die die europäische Politik aufrüttelte: der Mord an der bulgarischen Fernsehjournalistin Viktoria Marinowa. Zahlreiche Politiker und Journalistenverbände prangerten die gefährdete Pressefreiheit in dem osteuropäischen EU-Land an. Erste Ermittlungen legen jedoch nahe, dass die Tat mit der Arbeit der 30-Jährigen nichts zu tun hatte.

Der mutmaßliche Täter wurde am Dienstagabend in Deutschland festgenommen. Die Polizei spürte Sewerin K. nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft Celle im niedersächsischen Stade auf. Dort soll er sich bei seiner Mutter versteckt haben. Der 20-jährige polizeibekannte Bulgare wird beschuldigt, die Fernsehjournalistin am Sonnabend in der bulgarischen Stadt Russe überfallen zu haben, als sie beim Joggen war. Den Ermittlungen zufolge schlug er sie auf den Kopf, vergewaltigte und beraubte sie, bevor er sie erwürgte.

Der Tipp, dass sich der Täter nach Deutschland abgesetzt hatte, kam von den bulgarischen Ermittlern. „Die Zusammenarbeit zwischen den europäischen Justiz- und Polizeibehörden funktioniert vorbildlich“, erklärte Christian Schierholt von der Generalstaatsanwaltschaft Celle. Auch der Chef des Landeskriminalamtes Niedersachsen, Friedo de Vries, äußerte sich zufrieden mit dem Fahndungserfolg: „Von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Festnahme sind nur wenige Stunden vergangen.“

Nachdem Sewerin K. am Mittwoch am Amtsgericht Stade sein Europäischer Haftbefehl verkündet wurde, wollte das Oberlandesgericht Celle noch am Abend über seine Inhaftierung entscheiden. Der Festgenommene habe einer vereinfachten Auslieferung zugestimmt, erklärte Amtsgerichtsdirektor Willi Wirth. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft Celle wird er innerhalb der kommenden zehn Tage nach Bulgarien überstellt.

Dass er der Gesuchte ist, steht für die bulgarischen Ermittler fest. „Wir verfügen über genügend Beweise, die diese Person mit dem Ort des Verbrechens und dem Opfer in Verbindung bringen“, sagte Innenminister Mladen Marinow in Sofia. Angaben der Ermittler zufolge wurden auf dem Körper der Toten DNA-Spuren des Festgenommenen gefunden. In seiner bulgarischen Wohnung entdeckten die Polizeibeamten Gegenstände des Opfers, etwa ihr Mobiltelefon.

Marinowa hatte für den privaten Lokalsender TVN gearbeitet. In ihrer letzten Sendung hatte sie zwei Investigativjournalisten interviewt, die einen Missbrauch von EU-Geldern aufgedeckt hatten. Daher war der Verdacht aufgekommen, dass ihre Ermordung etwas mit ihrer Arbeit zu tun hat, wofür die Ermittler bisher keine Belege fanden. In der Rangliste für Pressefreiheit der Organisation Reporter ohne Grenzen liegt Bulgarien auf Platz 111 von 180 und ist damit das am weitesten hinten platzierte EU-Land.

Weil das Land nun offenbar fälschlich in den Verdacht geriet, die Sicherheit seiner Journalisten nicht ausreichend zu schützen, machte Bulgariens Regierungschef Boiko Borissow am Mittwoch seinem Unmut Luft. „Wir als Land haben es nicht verdient, derart durch den Schmutz gezogen zu werden.“ Und er fügte hinzu: „Trotz all dem, was sie uns gelehrt haben (…) niemanden zu beschuldigen, bevor etwas nicht bewiesen ist, schlugen sie auf uns mit Tweets ein“, kritisierte Borissow.

Die grüne Bundestagsabgeordnete Margit Stumpp forderte jedoch, einen Zusammenhang zur journalistischen Arbeit Marinowas weiter zu prüfen. „Die Aussagen der bulgarischen Justizbehörden sind zumindest zu hinterfragen, unterliegt das Justizsystem doch seit Jahren einem EU-Kontrollverfahren“, sagte sie.

Die EU-Kommission begrüßte die schnelle Festnahme des mutmaßlichen Täters. „Die rasche Reaktion und die gemeinsamen Anstrengungen zeigen die Entschlossenheit, Gerechtigkeit für solche abscheulichen Handlungen zu schaffen. Unsere Gedanken bleiben bei Viktoria Marinowas Familie und Freunden“, erklärte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

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