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Nordmazedonien oder Mazedonien? Diese Frage entscheidet über den EU-Beitritt des Balkanlandes

EU-Beitritt
Zukunft hängt an vier Buchstaben

Krieger auf Pferd: So heißt das Denkmal auf dem Hauptplatz in der mazedonischen Hauptstadt Skopje. Das Stadtbild säumen viele monumentale Statuen, die dem Land eine Identität geben sollen.
Krieger auf Pferd: So heißt das Denkmal auf dem Hauptplatz in der mazedonischen Hauptstadt Skopje. Das Stadtbild säumen viele monumentale Statuen, die dem Land eine Identität geben sollen. © Foto: dpa/Boris Babic
Dorothee Torebko / 11.10.2018, 09:00 Uhr
Skopje (MOZ) Mazedonien oder Nordmazedonien? An dieser Frage zerreibt sich gerade der Westbalkanstaat. Griechenland setzt eine Umbenennung für einen EU-Beitritt voraus, doch die Stimmung im Land ist gespalten. Präsident Zaev muss eine Zweidrittelmehrheit zusammenbekommen, sonst droht der Beitritt zu scheitern.

Ein warmer Wind weht über den Universitätscampus in Skopje, doch in den Seminarsälen ist es eiskalt. Noch kälter als die klimatisierten Räume ist die Stimmung. In einem Zimmer sitzen sich zwei Fronten gegenüber. Die nationalkonservative repräsentiert durch den Studenten Damien. Und die EU-freundliche in Person seiner Kommilitonin Maria. Damien wird niemals damit einverstanden sein, dass Mazedonien in Nordmazedonien umbenannt wird. So wie es die Griechen wollen. „Wir verkaufen das Land, wenn wir unseren Namen verkaufen“, poltert er. „Wie kannst du das sagen? Wir brauchen die EU, damit die Korruption in diesem Land aufgedeckt wird“, schießt Maria zurück.Wie die Studierenden diskutiert das ganze Land derzeit über die Namensfrage. Sie könnte Mazedonien den EU-Beitritt kosten.

Es ist zehn Tage her, dass das Land über eine Namensänderung abstimmte. Zwar befürworteten 94 Prozent der Wähler, dass Mazedonien bald Nordmazedonien heißen solle, doch nur ein Bruchteil der Bevölkerung beteiligte sich. 35 Prozent – zu wenig, damit das Referendum anerkannt wird. Nun hat der Premier Zoran Zaev bis Ende dieser Woche Zeit, die Opposition auf seine Seite zu ziehen. Er braucht eine Zweidrittelmehrheit im Parlament. Bisher hat er 71 von 80 benötigten Stimmen. Die EU appelliert an die Parlamentarier, sich auf Zaevs Seite zu schlagen. Doch die Opposition stellt sich stur. Sie argumentiert wie Damien: Verlieren wir den Namen, ist unsere Identität dahin.

Nationalstolz begegnet dem Bürger Skopjes auf Schritt und Tritt. Alle paar Meter ragen steinerne und bronzene Statuen Alexanders des Großen und seines Vaters, Philipp II., in den Himmel. Mal mit Schwert, mal zu Ross, mal grimmig blickend. Sie wurden für Millionen von Euro errichtet, um dem Volk eine historische Identitätsfigur zu liefern. Das gefällt aber nicht allen. Vor allem nicht den Griechen, die die Errichtung der Statuen als Affront gegen ihre Nation sehen. Auch deshalb blockieren sie seit rund 20 Jahren den EU-Beitritt Mazedoniens.

Ein Abkommen sollte die Konflikte auflösen und dem Land auf dem Westbalkan das Tor nach Europa öffnen. Nach einer Umbenennung in Nordmazedonien würde Athen den EU-Verhandlungen zustimmen. Denn Griechenland fürchtet, dass Mazedonien bei einem Beitritt Gebietsansprüche auf die nordgriechische Provinz Makedonien erhebt. Der neue Name soll all das verhindern. Nicht nur die Regierungen der beiden Länder waren sich einig, auch die EU stimmte dem Plan zu. Kein Wunder, sie möchte durch den Beitritt den Frieden auf dem Balkan sichern und den Einfluss der Russen zurückdrängen.

Einer, der sich gegen eine Namensänderung stellt, ist Christian Mickoski. Er ist Führer der größten Oppositionspartei VMRO-DPMNE, verkörpert den Typ Jungmanager bei einem Start-Up und begrüßt seine Gäste mit einem lässigen: „Hallo, willkommen, ich bin Christian.“ Aus jedem seiner Worte spricht Skepsis gegenüber der Vereinbarung mit den Griechen. „Ich bin nicht überzeugt, dass das der Schlüssel zur EU ist“, sagt Mickoski. Seine Annahme: Stimmen die Mazedonier der Vereinbarung zu, ist der Einfluss des Nachbarn auf interne Prozesse enorm. An den Namen knüpft er Macht – und noch viel schlimmer Machtverlust. Er ist sich sicher, seine Partei zusammenhalten und entschieden für ein Nein zu Nordmazedonien stimmen zu können

Doch so einfach ist das nicht. Die VMRO ist intern zerrissen. Da gibt es etwa die Parteimitglieder, die derzeit wegen Korruption und Amtsmissbrauch vor Gericht stehen. Sie hoffen auf Amnestie, wenn sie der Namensänderung zustimmen. Die könnten sie auch bekommen. Das deutet die mitregierende Partei DUI an. „Es ist vollkommen klar: Wir müssen denen was geben“, sagt der Parteivorsitzende Artan Grubi. Er meint damit: Wenn Mazedonien der EU beitreten will, muss die Opposition gekauft werden. Das geschieht, indem die Regierung alle Vergehen der Oppositionsmitglieder streicht. Passiert das nicht, gibt es vorgezogene Wahlen. Das hat Zaev bereits angekündigt. Dann muss sich der Präsident allerdings sputen. Denn im April beginnt der Wahlkampf in Griechenland – und ob dann noch die Vereinbarung mit den Mazedoniern gilt, ist fraglich.

Der Student Damien jedenfalls hat keine Hoffnung, dass sich die Situation in seinem Land bessern wird. Auch mit einem EU-Beitritt nicht. „Die Leute sind einfach genervt. Sie sehen, dass sich seit Jahren nichts bessert“, sagt der Student. „Das einzige, worauf wir uns verlassen können, sind unsere Werte.“ Für Maria gibt es bei einer gescheiterten Namensänderung nur noch einen Weg: weg aus Mazedonien und in ein EU-Land auswandern.

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