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Unterernährung und eine hohe Kindersterblichkeit sind Alltag in großen Teilen der Welt / Kriege gelten als eine Ursache

Bericht
Mehr als 800 Millionen Hungernde

Welthungerindex
Welthungerindex © Foto: dpa/MMH
André Bochow / 12.10.2018, 07:45 Uhr
Berlin (MOZ) Es ist der 13. Bericht über den Hunger in der Welt, den die deutsche „Welthungerhilfe“ gemeinsam mit der irischen Organisation „Concern Worldwide“ herausgibt. Aus verschiedenen Daten wurde wieder ein Index gebildet. Das mutet sehr technisch an. Tatsächlich werden hier Elend und Leid gemessen. Und nach Jahren der Zuversicht wächst wieder der Pessimismus.

Bärbel Dieckmann ist es wichtig, das Positive zu betonen. Die Präsidentin der Welthungerhilfe hebt deshalb erst einmal hervor, dass im Vergleich zum Jahr 2000 der Hunger in der Welt deutlich zurückgedrängt werden konnte. Die Index-Werte, zu denen der prozentuale Anteil der Unterernährten an der Gesamtbevölkerung oder die Kindersterblichkeitsraten gehören, sind gesunken. Um immerhin 28 Prozent.

Und noch eines freut die Präsidentin. Die Welthungerhilfe hat nämlich eine Umfrage bei Infratest dimap in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse „wir so nicht erwartet haben“. Sie „belegen eindeutig, dass für 90 Prozent der Bundesbürger die Bekämpfung des Hungers wichtig oder sehr wichtig ist. 84 Prozent halten es zudem für wichtig oder sehr wichtig, dass Entwicklungshilfe geleistet wird“.

Auf der anderen Seite steht der Fakt, dass seit drei Jahren die Entwicklung wieder negativ ist. „Die jüngst gestiegene Zahl der Hungernden auf 821 Millionen Menschen zeigt, dass der Trend aktuell in die falsche Richtung geht.“ Dieckmann bezieht sich hier auf Zahlen der UN-Ernährungsorganisation. Im Vergleich: 2015 waren es 777 Millionen Hungernde. Eigentlich hat sich die internationale Gemeinschaft vorgenommen, das „Null-Hunger-Ziel“ in zwölf Jahren zu erreichen. Aber: „Wenn das Tempo bei der Bekämpfung des Hungers gleich bleibt, wird es 50 Ländern nicht gelingen den Hunger bis 2030 abzuschaffen.“

Auch beim Blick auf einzelne Länder zeigen sich gegenläufige Tendenzen. Große Fortschritte gibt es in Angola, Ruanda, Äthiopien, Myanmar und in Bangladesch. In 16 Ländern mit einer „ernsten Ernährungslage“ gibt es dagegen keine Verbesserungen oder sogar Rückschritte. Vor allem in Afrika südlich der Sahara nimmt der Hunger in einigen Ländern zu. Am schlimmsten ist es in der Zentralafrikanischen Republik. Das Land von der doppelten Größe der Bundesrepublik steht – wie schon im vergangenen Jahr – auf dem letzten Platz beim Welthungerindex. Es ist das einzige Land, in dem die Hungersituation als „gravierend“ bezeichnet wird.

Allerdings gibt es sieben Länder, aus denen keine vollständigen Daten vorliegen, weshalb auch kein Index berechnet werden konnte. Es handelt sich um Burundi, die Demokratische Republik Kongo, Eritrea, Libyen, Somalia, Südsudan und Syrien. Gerade in diesen Ländern ist die Ernährungslage oft prekär, wie einzelne, vorhandene Daten zeigen. So ist die Kindersterblichkeit im Kongo mehr als doppelt, in Somalia sogar dreimal so hoch wie im weltweiten Durchschnitt. Hinzu kommen innerhalb vieler Länder große regionale Unterschiede, worüber die Länderwerte keine Auskunft geben.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) spricht mit Blick auf die vorgelegten Zahlen von einem „Skandal“. Schließlich seien „Wissen und die Technologie für eine Welt ohne Hunger“ vorhanden. „Die Voraussetzungen sind in vielen Ländern gut“, so Müller. „Aber immer häufiger sind gewaltsame Konflikte der Grund für Hunger. Der Welthungerindex stellt zu Recht heraus, dass Hunger, Flucht und Vertreibung eng zusammenhängen.“

Auf einen anderen Zusammenhang macht der grüne Fraktionschef im Bundestag, Anton Hofreiter, aufmerksam. „Durch ungerechte Wirtschaftsbeziehungen kann die afrikanische Wirtschaft nicht mithalten, und es werden Arbeitsplätze und Entwicklungschancen vor Ort zerstört.“ Außerdem sei die verfehlte europäische Klimapolitik mitschuldig am Hunger in der Welt. Und tatsächlich verweist auch der Welthungerindex auf die zunehmende Gefahr für die Landwirtschaft armer Länder durch die globalen Klimaveränderungen.

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