Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

zum Lehrermangel
Ein guter Anfang in der Bildungspolitik

Mathias Puddig
Mathias Puddig © Foto: Thomas Koehler
Meinung
Mathias Puddig / 11.01.2019, 19:15 Uhr
Berlin (MOZ) Bald soll es auch in Brandenburg möglich sein: Angehende Lehrerinnen und Lehrer können demnächst ihr Referendariat auch in Teilzeit absolvieren. Wenn sie ein Kind betreuen oder einen Angehörigen pflegen, dann können sie ihre Stunden reduzieren lassen.

Diese Maßnahme mag klein wirken, doch sie verfolgt ein wichtiges Ziel. Sie soll den Lehrerberuf attraktiver machen. Denn das hat er wirklich nötig: Prognosen zufolge werden in den kommenden Jahren Zehntausende Lehrkräfte fehlen – bundesweit. Immer wieder haben Bildungsforscher das den Bildungspolitikern im vergangenen Jahr vorgerechnet. Das Überraschende ist jetzt: Viele von ihnen haben offenbar zugehört.

2018 ist viel und zurecht auf die Schulpolitik geschimpft worden. Der Digitalpakt wurde auf den letzten Metern aufgehalten, die Qualität der Schulen und des Unterrichts unterscheidet sich teils massiv von Land zu Land, die Inklusion läuft nicht wie erhofft, von der Integration geflüchteter Kinder ganz zu schweigen. All das wird in der kommenden Woche im Bundestag Thema sein, wenn der Nationale Bildungsbericht debattiert wird. Auch dass dem Land ein gigantischer Lehrermangel ins Haus steht, ist ein Grund zum Ärgern.

Ein Grund fürs Nichtstun ist das aber nicht. Stattdessen sind viele Landespolitiker kreativ geworden, um das Problem in den Griff zu bekommen: Sie haben massiv um Quereinsteiger geworben und Geld locker gemacht, um an den Universitäten mehr Plätze für Lehramtsstudenten zu schaffen. Sie haben Boni vergeben, um Nachwuchslehrer in die Fläche zu locken, und sie haben das Teilzeitreferendariat eingeführt oder planen es zumindest. Keine der Maßnahmen kann für sich genommen die Misere lösen, und die meisten werden Jahre brauchen, bis sie endlich greifen. Im Zusammenspiel haben sie aber die Chance, das Problem wenigstens zu lindern.

Für ein System, das so schwerfällig ist wie die Schulpolitik, ist das eine ganze Menge. Und für die Generationen danach ist es eine Riesenchance: Denn selbst wenn die Schülerzahlen irgendwann wieder zurückgehen sollten, muss das nicht die nächste Runde im berüchtigten Schweinezyklus einläuten. Stattdessen hat die Bildungspolitik dann die Gelegenheit, auch an der Qualität zu arbeiten, indem sie das Lehrer-Schüler-Verhältnis verbessert. Schließlich heißt es unmissverständlich im Nationalen Bildungsbericht: Eine ausreichende Anzahl an Fachkräften ist einer der zentralen Faktoren für ein leistungsfähiges Bildungssystem.

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Erst einmal muss es darum gehen, dort die Löcher zu stopfen, wo sie am größten sind. Gleichzeitig müssen sich Bildungspolitiker aber schon jetzt Gedanken machen, was ihre Maßnahmen für die weitere Zukunft bedeuten. Sie müssen endlich anfangen, längerfristig die Lehrerausbildung zu planen – auch über Ländergrenzen hinweg. Gelingt ihnen das aber, dann kann mittelfristig aus der vielgeschmähten deutschen Schullandschaft noch so richtig was werden.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG