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Mit Enthaarung macht die Industrie viel Geld

Kosmetikindustrie
Das Geschäft mit der Schönheit

Quietschig und amüsant: Komikerin Carolin Kebekus ist Kritikerin des Selbstoptimierungswahns von jungen Frauen.
Quietschig und amüsant: Komikerin Carolin Kebekus ist Kritikerin des Selbstoptimierungswahns von jungen Frauen. © Foto: dpa/Guido Kirchner
Dorothee Torebko / 09.02.2019, 14:00 Uhr
Berlin (MOZ) Die Kosmetikindustrie scheffelt mit der Enthaarung von Intimbereich, Beinen und Achseln seit Jahren Millionen Euro. Und glaubt man den Massen an Enthaarungsstudios, die in Großstädten aus dem Boden sprießen wie Pilze im Waldboden, werden es immer mehr.Nicht allen gefällt das.

Immer wenn der Komikerin Carolin Kebekus etwas gewaltig stinkt, wird ihre Stimme lautmalerisch und quietschig. Bei einem Thema ist das ganz besonders so: Selbstoptimierung von Frauen. Ihre These: Frauen machen sich selbst das Leben schwer, indem sie Stunden um Stunden und jährlich Hunderte Euro in Make-Up, Enthaarung und Cremes investieren. Dabei merken sie gar nicht, dass sie manipuliert werden. Von einer Industrie, die mit ihrer Unsicherheit ein Riesen-Geschäft macht.

Weiche Beine, ein haarfreier Intimbereich und glatte Achseln spielen in diesem Bild von Schönheit eine große Rolle. Vom Diktat glatte Haut profitieren nicht nur Firmen, die Rasierer anbieten. Mittlerweile ploppen an alle Ecken Studios auf, die Sugaring (ausreißen von Haaren mittels einer Schicht aus Zucker, die auf Streifen aufgetragen wird), Waxing (Wachsstreifen) und Enthaarung mittels Lichtimpulsen oder per Lasertechnik anbieten.

Unterschiedlichen Studien zufolge geben Frauen bis zu ihrem Tod im Schnitt etwa 9000 Euro für ihre Haarlosigkeit aus, so viel wie ein Luxus-Urlaub in der Karibik. Beide Untersuchungen sind von Firmen durchgeführt worden, die von der Enthaarung profitieren. Das Onlineportal Statista hat aufgeschlüsselt, dass Deutsche im Jahr 2017 für Enthaarungsmittel und Rasierprodukte rund 223 Millionen Euro ausgeben haben. Insgesamt investierten Menschen hierzulande 16,6 Milliarden für Kosmetikprodukte. Das sind 1,5 Milliarden mehr als noch im Jahr 2012. Zum Vergleich: Brot ließen sich die Deutschen nur 8,8 Milliarden pro Jahr kosten.

Laut Marktexperten hängt das unmittelbar mit der steigenden Bedeutung von Influencern zusammen, die mittels Youtube-Kanal oder Instagram-Account Einfluss nehmen auf junge Frauen. Wenn die Influencerin Dagi Bee ihrem Publikum zeigt, wie sie Make-Up auflegen soll oder welche Wachsstreifen sie nutzt, gucken bis zu 1,8 Millionen Menschen zu, wenn Bibi das tut – ebenfalls eine Youtube-Größe – beobachten das über 2,1 Millionen Zuschauer auf ihrem Bildschirm. Diese Frauen werben für Produkte, die jedes Mädchen in der Drogerie kaufen kann. Sie sind erschwinglich.

Die Indoktrinierung durch die Bibis und Dagi Bees führt sogar dazu, dass Jugendliche diese Mittel als notwendig ansehen. Bei einer repräsentativen Studie des Industrieverbandes Körperpflege und Waschmittel (IKW) gaben 73 Prozent der Jugendlichen an, dass ihnen Körperpflege „sehr wichtig“ sei und 85 Prozent nutzen Kosmetika, um sich sicherer zu fühlen. Produkte, die das Bein glatt machen, die Haut von Pickeln befreien und die Wimpern verlängern, sind also zum Muss geworden. Selbstbewusstsein wird durch Produkte erkauft.

„Man muss uns in dieser Unsicherheit halten, damit wir weiter Blödsinn kaufen“, kommentiert Komikerin Kebekus die Markttechniken. Eine Änderung dieser Sichtweise ist mühseelig und auch nicht so schnell in Sicht. Laut IKW-Studie glauben nämlich 60 Prozent der jungen Leute, dass man am Äußeren ablesen kann, welchen Charakter ein Mensch hat. Die Industrie wird dieses Ergebnis freuen.

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