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zur Deutsche Bahn
Der Pannen-Riese

Dorothee Torebko
Dorothee Torebko © Foto: privat
Meinung
Dorothee Torebko / 16.06.2019, 20:00 Uhr
Berlin (MOZ) Der Bahn könnte bei der ökologischen Erneuerung des Verkehrs eine zentrale Rolle zukommen. Doch der Konzern steht sich selbst im Weg.

Semmi, wann geht der nächste Zug nach München?", fragt ein Reisender am Berliner Hauptbahnhof den neuen Auskunfts-Roboter. Semmi schweigt. Der Reisende versucht es nochmal: "Wann geht der nächste Zug nach München?" Semmi: "Entschuldigung?" Eigentlich soll der Roboter Bahnkunden über den Fahrplan informieren. Doch Semmi läuft nicht rund. Damit geht es dem System wie seinem Arbeitgeber selbst, der Deutschen Bahn. Vom Prinzip her eine tolle Idee. Doch die Umsetzung ist bescheiden. Wird es der Staatskonzern jemals schaffen, sich aus den Negativ-Schlagzeilen zu manövrieren?

Die Anzeichen für eine Kehrtwende stehen nicht gut. So gab die Bahn nach einer Sonderaufsichtsratssitzung bekannt, dass die Tätigkeiten von 26 Ex-Beratern geprüft werden sollen. Es deutet sich an, dass der Aufsichtsrat nicht von allen Beraterverträgen wusste – und ob eine Gegenleistung erbracht wurde, ist ebenfalls unklar. Externe müssen klären, ob Bahnchef Richard Lutz als ehemaliger Finanzvorstand Dreck am Stecken hat. Lutz muss sich außerdem mit kaputten ICE4 rumschlagen. Der Konzern stoppte die Auslieferung der Fernverkehrszüge, weil Schweißnähte fehlerhaft waren. Noch vor der ersten Fahrt  droht das designierte DB-Flaggschiff zum Flop zu werden.

Pannen, Pleiten, Gemauschel. Seit Jahren prangern Bahnbeobachter Managementfehler an. Sie kritisieren, dass Beratungsfirmen Millionen abschöpfen, eigentlich aber keine Ahnung vom System Schiene haben. Selbst dem Vorstand sind die Beträge für Berater zu groß geworden. So sollen Medienberichten zufolge zwischen 2015 und 2018 mehr als 500 Millionen an Berater geflossen sein. Angesichts des 20-Milliarden-Schulden-Lochs, das künftig weiter anwachsen wird, beschloss der Vorstand eine Deckelung der Kosten.

Ein weiteres Problem liegt im Bürokratie-Apparat begründet. Wie Bundestagsabgeordnete aus ihren Wahlkreisen berichten, dauert es teilweise Monate, bis ein mickriger Bahnübergang genehmigt oder ein Schild am Bahnhof aufgestellt wurde. Nun versucht die Bahn, sich mit dem Verkauf der Auslandstochter Arriva auf das Inlands-Kerngeschäft zu konzentrieren – und ein paar Milliarden in die leeren Kassen zu spülen. Doch das wird nicht reichen – zumal das politische Mega-Thema Klimaschutz die Bahn automatisch stärker in den Blickpunkt rücken wird.

Am Dienstag will der Bahnchef dem Aufsichtsrat seine neue Strategie der "Starken Schiene" vorlegen. Darin schildert er die schöne neue Eisenbahnwelt. 30 Großstädte will der Konzern im Halbstundentakt verbinden, 100 000 neue Mitarbeiter anstellen und die Vernetzung von Carsharing-Angeboten, Leihrädern und E-Scootern erleichtern. Klingt alles super – theoretisch. Doch wer für Lutz‘ Ideen zahlen soll, ist unklar. Die Bundesregierung dürfte angesichts der neuen Querelen nicht gerade erfreut sein über die notwendigen Milliarden-Investitionen. Und im Gegensatz zum Roboter Semmi, der erstmal eine sechswöchige Testphase durchläuft, muss die Bahn liefern. Jetzt.

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Richard Lutz Hauptbahnhof München Semmi

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Peter Cornelius 17.06.2019 - 09:12:09

Ankündigungen statt Realisierung von Projekten

Frau Torebko hat leider Recht. Da ich bei der Presse-Konferenz zur Vorstellung von SEMMI anwesend war, weiss ich, wie peinlich dies für die Digitalvorständin der DB AG, Frau Prof. Jeschke, gewesen sein muss. Aber es war irgendwie sinnbildlich für alle anderen Vorgänge, die zur Zeit bei der DB AG nicht so funktionieren. Die Fahrgäste erleben dazu noch im Regionalverkehr täglich, dass Züge ausfallen. Es werden kryptische Formulierungen für die Gründe gegeben, aber tatsächlich ist Personalmangel und Personalausfall sehr viel der Grund. Peter Cornelius Vorsitzender des Landesverbandes Berlin-Brandenburg des Fahrgastverbandes PRO BAHN e.V.

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