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Einen Monat nach Zulassung
Verbände warnen vor "E-Scooter-Chaos"

Von Andreas Hoenig und Christiane Bosch, dpa / 12.07.2019, 22:01 Uhr - Aktualisiert 12.07.2019, 22:04
Berlin (dpa) Knapp einen Monat nach der Zulassung von E-Tretrollern haben Verkehrsverbände eine kritische Zwischenbilanz gezogen. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat und der ADAC forderten angesichts erster Unfälle eine bessere Aufklärung über Sicherheitsgefahren.

Aus Berlin und anderen Städten seien seit der Zulassung zum Teil schwere Unfälle gemeldet worden, sagte Christian Kellner, Hauptgeschäftsführer des Verkehrssicherheitsrats, der Deutschen Presse-Agentur. "Das zeigt, wie gefährlich das Fahren mit E-Scootern ist und wie sehr es von einigen unterschätzt wird."

Dringend notwendig sei eine breite Aufklärung. "Alle müssen wissen, und wann welche Unfallrisiken bestehen." Gefordert seien dabei auch die Hersteller und Sharinganbieter, die per App oder über den E-Scooter direkt Sicherheitshinweise geben könnten.

Unachtsam abgestellte E-Scooter

"Immer häufiger sind unachtsam abgestellte E-Scooter Stolperfallen auf den Bürgersteigen", sagte Kellner. Das müsse verhindert werden - auch dass diese Fahrzeuge zu zweit benutzt werden. "Sollte sich die Unfallsituation weiter verschlechtern und sollten mehr Menschen mit Kopfverletzungen und Brüchen in Krankenhäuser eingeliefert werden, müssen wir über eine Helmpflicht nachdenken", sagte Kellner. "Dann müsste die Bundesregierung gemeinsam mit den Ländern die Verordnung entsprechend anpassen."

E-Tretroller dürfen zwischen 6 und 20 Kilometer pro Stunde schnell fahren und müssen eine Lenk- oder Haltestange haben. Vorgeschrieben sind auch zwei Bremsen, Licht und eine "helltönende Glocke". Erlaubt sind sie ab 14 Jahren, eine Helmpflicht gibt es nicht. Fahren müssen E-Scooter auf Radwegen - gibt es keine, muss es die Fahrbahn sein.

In den vergangenen Wochen war es der Polizei zufolge bereits zu einigen Unfällen auf den Straßen und Gehwegen gekommen. In Berlin wurden bislang mindestens sieben E-Tretroller-Unfälle und mindestens acht Schwerverletzte mit Knochenbrüchen und Kopfverletzungen registriert. Frankfurt und Hamburg meldeten eine einstellige Zahl an Unfällen, München zählte bislang mindestens sechs. In Stuttgart waren der Behörde zunächst keine Unfälle bekannt. In Sachsen spielen die mit Strom betriebenen Roller bisher kaum eine Rolle.

Zudem wurden in den Städten bereits zahlreiche E-Tretroller-Fahrer für Verwarnungsgelder zur Kasse gebeten - oft, weil sie auf den Rollern betrunken, zu zweit oder auf dem Gehweg unterwegs waren.

Verkehrsverbände

Kellner vom Verkehrssicherheitsrat sagte, die Koalition habe sich das Ziel gesetzt, die Zahl der Getöteten und Schwerverletzten im Verkehr zu senken. Neben umfassenden Aufklärungsmaßnahmen gehöre dazu dann auch, in infrastrukturelle Maßnahmen zu investieren. Wege müssten sicherer gemacht werden, es müsse ausreichend Platz für die ungeschützten Verkehrsteilnehmer geschaffen werden - so sicher, dass man auch mit E-Scootern sicher ankommen könne.

Auch eine Sprecherin des ADAC verwies auf zunehmende Probleme mit den E-Scootern. Der Automobilclub appelliere an die Nutzer, sich verantwortungsvoll, defensiv und vorausschauend verhalten. Fahrer auf dem E-Scooter seien "schutzlos", im Falle von Stürzen und Unfällen könne es zu schweren Verletzungen kommen. Wichtig sei es, sich vorab über die mögliche Route Gedanken zu machen und Strecken ohne Radweg möglichst zu vermeiden.

Dass es reihenweise zu Alkohol-Fahrten komme, zeige für den ADAC die Notwendigkeit verstärkter Aufklärung: "E-Scooter sind Kraftfahrzeuge, es gelten die gleichen strikten Regeln wie beim Autofahren." Das sei angesichts von Geschwindigkeit und Gefährdung auch richtig. Mit Vernunft genutzt könnten die E-Tretroller jedoch eine gute Ergänzung gerade in den Städten sein.

Als positiv bewertet es der ADAC, dass einzelne Verleiher ihre Apps nutzen, um zusätzliche Sicherheitshinweise zu geben. "Das Engagement könnte allerdings noch deutlich größer sein", sagt die Sprecherin. Denkbar sei es etwa, dass Verleiher und Hersteller Trainings anbieten: "Es liegt im Interesse der Hersteller und Verleiher, dass es in unseren Städten nicht zu einem Scooter-Chaos kommt."

Die israelische Stadt Tel Aviv hat seit Jahresanfang mehr als 13.000 Strafzettel an Fahrer von Elektro-Tretrollern und -Fahrrädern verteilt. Die Fahrer würden unerlaubt auf dem Gehweg fahren, keinen Helm tragen, zu zweit auf einem Gefährt unterwegs sein oder hätten dieses wild abgestellt, bestätigte eine Sprecherin der Stadt. Außerdem seien allein in den vergangenen zwei Monaten mehr als 1000 Elektro-Tretroller und -Fahrräder beschlagnahmt worden, weil sie chaotisch abgestellt worden waren.

Laut einem Bericht der Nachrichtenseite "Calcalist" gibt es in Tel Aviv allein rund 10.000 Leih-Tretroller. Die E-Scooter sind in der flachen Küstenstadt mit ihren rund 430.000 Einwohnern extrem beliebt.

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Piefke Saga 14.07.2019 - 12:55:42

Selbständige und Entwicklungen ...

Typos, sorry

Piefke Saga 14.07.2019 - 12:51:11

Hungerlöhner, selbst gewählt für "Lau"? siehe TAZ: "E-Scooter in Berlin Saftig ausgepresst"

Link: https://taz.de/E-Scooter-in-Berlin/!5605912/ / Bin drüber gestolpert, wusste bis heute nicht, dass das Einsammeln und Aufladen so läuft. Ich kann nur den Kopf schütteln, wieder einmal laufen Staat und Gewerkschaften "Entwickelungen" hinterher. Wieder einmal machen sich Pseudoselbstständige auf, um eines Tages in der Altersarmut zu enden. Denn, von nichts kommt nichts.

Piefke Saga 13.07.2019 - 08:07:25

Diese E-Scooter als auch alle anderen sonstigen mit zwei Rädern versehenen fahrbaren Mietgeräte, ...

zu ihnen gehören auch die Mietfahrräder, sie nerven und das gehörig. Viele stellen diese Geäte dort ab, wo es ihnen gerade passt, wo es ihnen in den Sinn kommt. So findet man sie abgestellt dort, wo man sie nicht nutzen darf, bspw. auch auf Fußwegen. Meiner Meinung nach haben sie dort aber nichts verloren. Genauso wäre es, wenn man Miet-PKW oder gar Miet-LKW auch einfach auf dem Fussweg abstellt. OK, jeder Fahrzeugtyp benutzt seine für ihn vorgesehenen Wege und, falls zulässig, stellt man sie dort ab. Für die e-Scooter, für die Mieträder u.dergl. gibt es das nicht. Das ist nicht richtig so. / Vorschlag: Damit diese Geäte nicht weiterhin überall herumstehen und man als Fussgänger im Slalom gehen muss, eine Zulassung für das Verfügungstellen dieser Geräte muss davon abhängig gemacht werden, dass Abstelleinrichtungen, eine Art Docking Station, z.B. auch zugleich als Ladestation eingestzt, aufgestellt werden. Damit die Mieter sie dort abstellen, muss das auch "belohnt" werden. Die Beohnung heisst ... "Entweder Du stellst sie in eine der Docking Stations oder Du zahlst für die Bequemlichkeit, für das wilde Abstellen". Heisst, schon mit Beginn der Nutzung wird man darauf hingewiesen, dass man z.B. mit 5 Euro zusätzlich belastet wird, wenn man das Gerät nicht in eine dieser Stationen abstellt. Falls 5 Euro eingezogen werden, darf natürlich nicht der Vermieter sie behalten, sie müssen an die Kommune abgeführt werden. Die wiederum benutzt diese Beträge für Zwecke, die bspw. den Fußgängern nützen, zumal diese ja von den abgestellten Geräten genervt und belästigt werden. Kurz ... "Entweder Du bringst das Ding zurück, oder Du zahlst für Deine Bequemlichkeit." Letztendlich haben dann alle twas von dieser Plage. Zusatz: natürlich sollte das nicht nur für Miet-e-Scooter gelten sondern auch für die Mietfahrräder, egal welcher Art. Es kann einfach nicht sein, dass jemand Geld macht, indem er auf andere eine Plage loslässt. Ach ja, ob jeder Vermieter eigene Docking Stationen mit Ladefunktion aufstellen muss? ... das müßte und sollte nicht sein, sie könnten zusammen eine entwickeln, die für alle passt. Ein weiterer Vorteil wäre, dass die Geräte gleich wieder geladen werden und wenn man eines von der Docking Station entnimmt, dann kann man darauf achten, dass man eines erwischt, das auch ausreichend geladen ist. Ein weiterer Vorteil wäre, dass diese Stationen alles Mögliche integriert bekommen könnten, bspw. Checks über Sensoren an den Mietgeräten, mit Meldung von Problemen an eine Zentrale. Die Stationen könten auch mithelfen, dass man die Mietgeräte besser, einfacher einsammeln kann (und nicht lange abklappern bzw. suchen muss).

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