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Terroranschlag in Halle
Schreckensvideo aus Synagoge: Täter versuchte einzudringen

DPA / 09.10.2019, 21:38 Uhr - Aktualisiert 11.10.2019, 14:25
Halle/Saale (dpa) Nach bisherigen Ermittlungen hatte der 27 Jahre alte Stephan B. am Mittwoch versucht, die Synagoge in Halle an der Saale während des jüdischen Jom-Kippur-Festes mit Waffengewalt zu stürmen. Er wird beschuldigt, danach zwei Unbeteiligte erschossen und mindestens zwei weitere Menschen verletzt zu haben. Nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft hat er für seine im Internet dokumentierten Taten rechtsextremistische und antisemitische Motive.

Roman Yossel Remis berichtet im Video, was er in der Synagoge in Halle erlebte

"Ich wünsche keinem Menschen, dass er so etwas erleben muss wie Yossel", schreibt sein Freund auf Facebook. Roman Yossel Remis war am Mittwoch in der Synagoge in Halle, als ein schwerbewaffneter Terrorist versuchte, in das Gotteshaus einzudringen. Im Video werden der minutenlange Schrecken, den die 50 Gemeindemitglieder erleben mussten, sachlich und zugleich aufwühlend geschildert. Roman Yossel Remis war als Vorbeter in der Synagoge. Die Gemeinde hatte sich anlässlich des jüdischen Feiertages Yom Kippur versammelt. Bericht aus Synagoge.

Attentäter gesteht Tat und rechtsextremistisches Motiv

Der Todesschütze von Halle hat die Tat gestanden und auch ein rechtsextremistisches, antisemitisches Motiv bestätigt.

Der 27-jährige Stephan B. habe in dem mehrstündigen Termin beim Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs am Donnerstagabend umfangreich ausgesagt, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur in Karlsruhe.

B. befindet sich inzwischen in Untersuchungshaft. Der am Abend erlassene Haftbefehl legt ihm zweifachen Mord und siebenfachen Mordversuch zur Last. Das sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft am Freitag auf Anfrage.

Täter filmte seine Tat und leugnet im Video den Holocaut

Mit einer am Helm befestigten Kamera soll der mutmaßliche Attentäter von Halle seinen Anschlag gefilmt und das Material im Internet veröffentlicht haben.Der 35 Minuten und 53 Sekunden lange Film dient auch den Ermittlern dazu, die Tatabfolge zu rekonstruieren, wie Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) am Donnerstag bei einer Pressekonferenz erklärte. Einsatzkräfte seien am Mittwoch um 12.03 Uhr über Schüsse informiert worden - die Filmaufnahmen geben folgende Geschehnisse wieder:

- Der mutmaßliche Täter spricht zu Beginn eine Botschaft direkt in die Kamera: "Hey, my name is Anon. And I think the Holocaust never happened." (Mein Name ist Anon. Und ich glaube, der Holocaust ist nie passiert.) Mehr lesen.

Brandenburg will jüdisches Leben nach Anschlag besser schützen

MDB36274249_d32c64b526.IRSWPPROD_THDIXDie geplante rot-schwarz-grüne Koalition will den Schutz und die Förderung des jüdischen Lebens in Brandenburg verstärken. Das erklärten SPD, CDU und Grüne am Donnerstag nach dem Anschlag auf eine Synagoge in Halle/Saale tags zuvor. „Jüdisches Leben gehört zu Deutschland und gehört zu Brandenburg“, betonte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) am Rande der Koalitionsverhandlungen. „Der Schutz jüdischer Einrichtungen und jüdischen Lebens wurde noch mal verstärkt.“ Die Stärkung der Zivilgesellschaft stehe im Fokus, um rechtsextremen Aktivitäten entgegenzutreten.

Die neue Koalition wolle jüdische Einrichtungen stärker fördern. Der Schutz jüdischen Lebens sei eine elementare Aufgabe der künftigen Landesregierung, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Der Brandenburger Landesrabbiner Nachum Presman hält einen größeren Schutz jüdischer Einrichtungen für notwendig. „Es muss mehr geschehen“, sagte Presman der Deutschen Presse-Agentur. Potsdam sei zwar aus seiner Sicht sehr tolerant. Er betonte aber: „Man kann nicht sagen, bei uns wird es nicht passieren.“ Den Anschlag in Halle bezeichnete er als „große Schande für Deutschland“. Es sei nötig, in Schulen das Wissen über den Holocaust besser zu vermitteln.

Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke rief dazu auf, „Haltung zu zeigen, politisch aufzuklären und zu bilden“. Denn: „Der Hass auf Andersdenkende, Andersgläubige oder Andersaussehende ist in unserer Gesellschaft tief verwurzelt.“

Der kommissarische CDU-Landeschef Michael Stübgen betonte: „Es ist unsere historische Pflicht als Deutsche, jüdisches Leben zu schützen und zu fördern.“ Es freue ihn besonders, dass sich die drei Parteien auf die Unterstützung des Baus einer Synagoge in Potsdam geeinigt hätten. Die bisherige rot-rote Landesregierung hatte 2018 bereits eine Vereinbarung mit zwei jüdischen Gemeinden zum Bau der Synagoge unterschrieben. Darin hatte sich die Regierung verpflichtet, die Baukosten von rund acht Millionen Euro sowie die laufenden Kosten zu übernehmen. Baubeginn sollte 2020 oder 2021 sein.

Grünen-Fraktionschefin Ursula Nonnemacher sagte, die Tat in Halle „verstört neben ihrer Menschenverachtung auch, weil sie verdeutlicht, dass die Hemmschwellen politisch Verblendeter weiter sinken“.

Mit einer Gedenkveranstaltung im Beisein von Innenminister Karl-Heinz Schröter, Oberbürgermeister Mike Schubert (beide SPD) und dem Landesrabbiner wollte die Landeshauptstadt Potsdam am Donnerstagabend auf die Tat in Halle reagieren.

Am Mittwoch hatte ein schwerbewaffneter mutmaßlicher Rechtsextremist versucht, in die Synagoge in Halle einzudringen und unter Dutzenden Gläubigen ein Blutbad anzurichten. Sein Versuch scheiterte, woraufhin er vor der Synagoge und danach in einem nahen Döner-Imbiss zwei Menschen erschossen und mindestens zwei weitere verletzt haben soll.

Die Polizei in Brandenburg verstärkte ihre Präsenz vor jüdischen Einrichtungen. Jüdische Gemeinden gibt es in Brandenburg/Havel, Cottbus, Frankfurt (Oder), Königs Wusterhausen, Potsdam, im Kreis Barnim und im Kreis Oberhavel. Die Polizei stimmt sich dabei eng mit den jüdischen Gemeinden ab. Man sei mit ihnen in Kontakt, um die Bedürfnisse zu klären, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums. Es gehe um Gebetshäuser, Büros, Friedhöfe, Gedenksteine und Gedenktafeln: „Diese Orte unterziehen wir noch mal einer Bewertung.“

Seehofer sieht geistige Brandstiftung bei AfD-Äußerungen

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat einigen AfD-Politikern im Zusammenhang mit dem Anschlag auf die Synagoge in Halle/Saale geistige Brandstiftung vorgeworfen. „Was die geistige Brandstiftung betrifft, sehe ich das genauso wie die von Ihnen zitierten Parteifreunde“, sagte Seehofer am Donnerstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Halle/Saale unter anderem mit dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, in Halle auf eine entsprechende Reporterfrage.

Seehofer ergänzte: „Das gilt nicht für alle. Aber wenn ich so einige Reden mir anhöre, vor allem auch Veröffentlichungen, kann man im Ernst nicht bestreiten, dass bei einigen auch die geistige Brandstiftung stattfindet.“ Namen oder auch den Parteinamen AfD nannte der Innenminister nicht.

Generalbundesanwalt: Im Auto des Täters waren vier Kilo Sprengstoff

Im Auto des mutmaßlichen Täters von Halle sind nach Angaben von Generalbundesanwalt Peter Frank insgesamt vier Kilo Sprengstoff in zahlreichen Sprengvorrichtungen sichergestellt worden. Dem mutmaßlichen Täter Stephan B. werde zweifacher Mord und versuchter Mord in neun Fällen vorgeworfen, sagte Frank am Donnerstag in Karlsruhe.

ZDF-Recherche: Halle-Attentäter nutzte 3D-Drucker für Waffenproduktion

Der Attentäter von Halle hat Teile mehrerer Schusswaffen, die zum Einsatz kamen, mithilfe eines 3D-Druckers hergestellt. Dies ergaben Recherchen des ZDF-Magazins "Frontal 21". Demnach habe Stephan B. zuvor offenbar selbst detaillierte Anleitungen zum Bau von Waffen im Internet verbreitet, darunter Pläne für eine Maschinenpistole, die er bei der Tat bei sich trug.

Der 27-Jährige soll zudem 3D-Modelle für Magazine und Einzelteile von Waffen ins Internet gestellt haben. "Frontal 21" lägen 38 solcher Dateien vor. Mit entsprechender Technik ließen sich die Bauteile damit ausdrucken. Der Bau von Waffen - auch mithilfe eines 3D-Druckers - ist in Deutschland verboten.

Stephan B. habe zudem eine englischsprachige Anleitung zur Herstellung von Munition für eine selbstgebaute Schrotflinte veröffentlicht, recherchierte das Magazin. Auf einem Foto sei zu sehen, dass auf eine der Patronen ein Hakenkreuz aufgemalt wurde. Zeitstempel der Bilddateien legen nahe, dass B. spätestens im Juni 2019 mit den Vorbereitungen für einen Anschlag begann, stellte das Magazin fest.

Seine Tat habe der Attentäter mit einem Smartphone in Echtzeit auf einer Internetplattform, die vor allem von Computerspielern genutzt wird, übertragen. In Foren hatte er zuvor den Link zu der Übertragung gestreut, mitsamt einer Art Manifest, in dem er seine rechtsextremistischen Motive für die Tat erläutert. In einem dieser Foren verbreitete ein anonymer Nutzer, mutmaßlich Stephan B. selbst, auch einen Link zu den Bauplänen für die Waffen. (ZDF/Frontal 21)

Generalbundesanwalt: Tat von Halle war Terror

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Die Ermittler werten den Synagogen-Angriff von Halle als Terroranschlag. „Was wir gestern erlebt haben, war Terror“, sagte Generalbundesanwalt Peter Frank am Donnerstag in Karlsruhe. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) sprach von einem „rechtsextremistischen Terroranschlag eines Einzeltäters“. Nur durch glückliche Umstände sei es dem Täter nicht gelungen, in die Synagoge einzudringen.

Nach Worten Franks wollte der mutmaßliche Täter Stephan B. in der Synagoge ein Massaker anrichten. Er sei „wohl tief durchdrungen“ von einem erschreckendem Antisemitismus und Fremdenhass. B. habe sich schwer bewaffnet und mit einer großen Menge Sprengstoff zur Synagoge begeben, um dort zahlreiche Menschen zu töten.

Stephan B. habe sich in einer Tradition mit Attentätern wie dem Terroristen von Christchurch in Neuseeland gesehen, der im März zwei Moscheen gestürmt und 51 Menschen erschossen hatte. Mit dem Filmen seiner Tat habe B. eine weltweite Wirkung erzielen wollen.

Laut Frank hat die Bundesanwaltschaft Haftbefehl wegen zweifachen Mordes, neunfachen Mordversuches und weiterer Straftaten beantragt. B. sollte noch am Donnerstag einem Haftrichter vorgeführt werden. Um Hintergründe der Tat zu ermitteln, sei B.s Wohnung durchsucht worden. Noch sei unklar, wie sich der Tatverdächtige radikalisierte und warum er sich zu der Tat entschloss. Auch werde ermittelt, ob er Unterstützung bei der Beschaffung von Waffen und Sprengstoff bekam.

In Halle waren am Mittwoch während eines Gottesdienstes zum jüdischen Feiertag Jom Kippur in der Nähe der Synagoge zwei Menschen erschossen worden. Am frühen Nachmittag wurde der Verdächtige Stephan B. festgenommen.

„Wir müssen an der Stelle ganz deutlich machen, dass wir unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger deutlich besser schützen müssen“, räumte Justizministerin Lambrecht an. Es gehöre zur deutschen Staatsräson, dass Juden in Deutschland sicher leben können. Rechtsextremismus sei „eine der größten Bedrohungen, der wir uns aktuell stellen müssen“. (epd)

Merkel „schockiert und bedrückt“ über Anschlag von Halle

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich für den Einsatz sämtlicher rechtsstaatlicher Mittel gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus ausgesprochen. „Da gibt es keinerlei Toleranz“, sagte die Regierungschefin am Donnerstag beim Gewerkschaftstag der IG Metall in Nürnberg.

Sie sei wie Millionen Menschen „schockiert und bedrückt“ von dem Verbrechen in Halle, erklärte die Kanzlerin. Sie trauere mit den Familien und Freunden der Ermordeten. „Wir sind nur sehr knapp einem schrecklichen Angriff auf die Menschen in der Synagoge entgangen. Es hätte noch sehr viel mehr Opfer geben können.“ Sie wiederholte ihre Aussage vom Vorabend: „Wir sind froh über jede Synagoge, über jede Gemeinde und alles jüdische Leben in unserem Lande.“

Polizei stimmt Sicherheitsbedarf mit jüdischen Gemeinden ab

Die Brandenburger Polizei stimmt sich nach dem Anschlag auf eine Synagoge in Halle/Saale für die Verstärkung ihrer Präsenz eng mit den jüdischen Gemeinden ab. Man sei mit ihnen in Kontakt, um die Sicherheitsbedürfnisse zu klären, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Brandenburg am Donnerstag in Potsdam. Es gehe um Gebetshäuser, Büros, Friedhöfe, Gedenksteine und Gedenktafeln. „Diese Orte unterziehen wir nochmal einer Bewertung.“ Der Sprecher betonte: „Das haben wir sehr intensiv auf dem Schirm.“

In Halle waren am Mittwoch zwei Menschen erschossen worden, einer in der Nähe der Synagoge. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sagte am Donnerstag: „Wir sind aufgefordert, gegen Antisemitismus klare Kante zu zeigen - immer und überall.“ Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke rief dazu auf, „Haltung zu zeigen, politisch aufzuklären und zu bilden“. Denn: „Der Hass auf Andersdenkende, Andersgläubige oder Andersaussehende ist in unserer Gesellschaft tief verwurzelt“, erklärte sie.

Brandenburger Landesrabbiner dringt auf mehr Schutz und Aufklärung

Der Brandenburger Landesrabbiner Nachum Presman hält nach dem Anschlag auf eine Synagoge in Halle/Saale einen größeren Schutz jüdischer Einrichtungen für notwendig. „Es muss mehr geschehen“, sagte Presman am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Potsdam sei zwar eine tolerante Stadt. Er betonte aber: „Man kann nicht sagen, bei uns wird es nicht passieren.“ Er sei traurig über die tödlichen Schüsse. „Das ist eine große, große Schande für Deutschland, dass solche Sachen noch passieren.“ Nötig sei auch mehr Vermittlung von Wissen in Schulen über den Holocaust, sagte Presman.

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Ein schwerbewaffneter mutmaßlicher Rechtsextremist hatte am Mittwoch versucht, in die Synagoge in Halle einzudringen. Nachdem der Versuch scheiterte, soll er vor der Synagoge und in einem Döner-Imbiss zwei Menschen erschossen haben. Die Polizei in Brandenburg verstärkte danach ihre Präsenz vor jüdischen Einrichtungen. Jüdische Gemeinden gibt es in Brandenburg/Havel, Cottbus, Frankfurt (Oder), Königs Wusterhausen, Potsdam, im Kreis Barnim und im Kreis Oberhavel.

Mehr als 50 Menschen hielten sich in der Synagoge auf

Der mutmaßliche Rechtsextremist Stephan B. aus Sachsen-Anhalt wurde am Mittwochnachmittag festgenommen. Er hatte nach Angaben aus Sicherheitskreisen gegen Mittag versucht, die Synagoge mit Waffengewalt zu stürmen. Mehr als 50 Menschen hielten sich zu dem Zeitpunkt in dem Gotteshaus auf und feierten das wichtigste jüdische Fest, Jom Kippur. Nachdem der Anschlagsversuch scheiterte, soll der 27-jährige Deutsche vor der Synagoge und danach in einem nahen Döner-Imbiss zwei Menschen erschossen und mindestens zwei weitere verletzt haben.

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Halle nach Schüssen: Eine Stadt im Ausnahmezustand

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Täter filmt die Tat und streamt sie live ins Internet

B. soll die Tat gefilmt und per Helmkamera live ins Internet übertragen haben, bevor er vom Tatort floh. Nach der Tat tauchte ein Dokument im Internet auf, bei dem es sich nach Angaben einer Expertin um eine Erklärung des Angreifers zu handeln scheint. Das PDF-Dokument zeige Bilder von Waffen und enthalte einen Verweis auf das Live-Video, das von der Tat verbreitet worden sei, schrieb Rita Katz, Leiterin der auf die Beobachtung von Extremisten spezialisierten Site Intelligence Group, auf Twitter.

In dem Text wird laut Katz das Ziel genannt, „so viele Anti-Weiße zu töten wie möglich, vorzugsweise Juden“. Das Dokument sei anscheinend am 1. Oktober angelegt worden und gebe Hinweise darauf, wie viel Planung und Vorbereitung der Täter in die Attacke gesteckt habe. Ob es tatsächlich von dem mutmaßlichen Täter stammt, ist bislang unklar. Nach ersten Prüfungen werde es von den Ermittlern aber als „authentisch“ bewertet, berichtete der „Spiegel“ unter Berufung auf Sicherheitskreise. Unter anderem stimmten die in dem „Manifest“ abgebildeten und vom Täter offenbar teils selbst gebauten Schusswaffen mit den tatsächlich bei dem Anschlag eingesetzten Waffen überein.

Katz bezog sich auch auf ein Bekennervideo, dass der mutmaßliche Täter in sozialen Netzwerken hochgeladen haben soll. Das Video dokumentiert allem Anschein nach den Ablauf der Angriffe in Halle aus Sicht des Attentäters. Die Aufnahmen stammen wohl von einer Kamera, die am Helm des Schützen befestigt war. Bis zum Morgen gab es aber keine Bestätigung der Behörden dafür, dass es sich bei dem Mann im Video um den Attentäter handelt. Das Video wurde nach Angaben der Streaming-Plattform Twitch von rund 2200 Menschen angesehen, bevor es dann nach 30 Minuten gelöscht wurde. Über den vor etwa zwei Monaten erstellten Account sei zuvor nur einmal etwas veröffentlicht worden.

Eine noch höhere Opferzahl wurde möglicherweise von Defekten an mindestens einer Waffe des Täters verhindert. In dem angeblichen Tatvideo ist zu sehen, wie in mindestens zwei Fällen Ladehemmungen das Leben von Menschen zu retten scheinen. Der Täter setzte eine vermutlich im Selbstbau hergestellte Langwaffe, eine Pistole und Sprengsätze ein.

 Bei Schüssen in Halle/Saale sind nach ersten Erkenntnissen zwei Menschen getötet worden.
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Der Präsident des Zentralrats der Juden erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei

„Dass die Synagoge in Halle an einem Feiertag wie Jom Kippur nicht durch die Polizei geschützt war, ist skandalös“, sagte Schuster. „Diese Fahrlässigkeit hat sich jetzt bitter gerächt.“ Nur glückliche Umstände hätten ein Massaker verhindert, sagte Schuster in Würzburg. „Die Brutalität des Angriffs übersteigt alles bisher Dagewesene der vergangenen Jahre und ist für alle Juden in Deutschland ein tiefer Schock.“

Nach Einschätzung von Extremismusforscher Matthias Quent wollte der Täter offenkundig eine international verbreitete, rechte Internet-Subkultur erreichen. „Er spricht Englisch, und er greift Verschwörungstheorien auf, zum Beispiel über die angeblich zerstörerische Macht des Judentums. Er äußert sich auch abwertend über Feminismus“, sagte Quent der Deutschen Presse-Agentur. Das seien Motive der weltweiten populistischen und radikalen Rechten. „Das Video folgt der Ästhetik eines Videospiels, auch durch die Ego-Shooter-Perspektive“, sagte Quent.

Innenminister Seehofer hatte schon am Mittwochabend gesagt, der Generalbundesanwalt, der die Ermittlungen rasch an sich gezogen hatte, habe „ausreichend Anhaltspunkte für einen möglichen rechtsextremistischen Hintergrund“. Seehofer sprach von einem antisemitischen Motiv. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) übermittelte den Angehörigen der Opfer ihr tiefes Beileid. Die Solidarität gelte allen Jüdinnen und Juden am Feiertag Jom Kippur, schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter. Am Abend nahm Merkel an einer Solidaritätsveranstaltung an der Synagoge in der Oranienburger Straße in Berlin teil.

Auch in anderen deutschen Städten versammelten sich Menschen in der Nähe von Synagogen und gedachten der Toten. In Halle legten Menschen am Marktplatz Blumen und Kerzen nieder.

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