Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Pauschale Entschädigung für frühere Heimkinder abgelehnt

04.12.2010, 14:31 Uhr
Berlin (DPA) Opfer von Gewalt in deutschen Kinderheimen sollen nach „Spiegel“-Informationen nicht pauschal entschädigt werden. Das wolle der „Runde Tisch Heimerziehung“ nach zweijährigen Beratungen bei seinem letzten Treffen Ende der Woche offenbar in seinem Endbericht festschreiben, berichtet das Nachrichtenmagazin. Eine pauschale Entschädigung oder Opferrente lehnen Staat und Kirchen demnach als „nicht realisierbar“ ab. Zahlungen seien nur im Einzelfall vorgesehen. Betroffene müssten nachweisen, dass sie sich „in schwierigen Lebenssituationen befinden“.

Vertreter der Heimkinder hatten eine Opferrente von 300 Euro im Monat oder eine Einmalzahlung von 54 000 Euro gefordert. Dies lehnen dem Bericht zufolge vor allem die unionsregierten Bundesländer ab. Einigung hätten Bund, Länder und Kirchen bisher lediglich über die Gründung einer gemeinsamen Stiftung in Sachen Heimkinder erzielt, für die sie je ein Drittel des Stiftungsvermögens bereitstellen. Offen sei aber, wie viel Geld eingezahlt werde.

Der Runde Tisch war auf Beschluss des Bundestages eingesetzt worden, um das Schicksal von mehr als einer halben Million ehemaliger Heimkinder im Nachkriegsdeutschland aufzuarbeiten. Beteiligt sind Vertreter ehemaliger Heimkinder, Sozialverbände, katholische und evangelische Kirche, Bundesländer und Kommunen sowie das Bundesfamilienministerium.

Noch bis Mitte der 70er Jahre waren in Westdeutschland Kinder und Heranwachsende in Heime eingewiesen worden. Häufig waren sie Polizei oder Behörden wegen Bagatellstraftaten aufgefallen, galten als „schwer erziehbar“ oder waren unehelich geboren und stammten aus instabilen Verhältnissen. Darunter waren auch minderjährige Mütter. Zwischen ihrem 14. und 21. Lebensjahr mussten Jugendliche oft schwerste Arbeit verrichten, etwa in Werkstätten, beim Torfstechen oder in Wäschereien.

Die rund 3000 Heime befanden sich vorwiegend in kirchlicher Trägerschaft. Der Runde Tisch nahm seine Arbeit auf, bevor in diesem Jahr der massenhafte sexuelle Missbrauch von Kindern in Einrichtungen der katholischen Kirche bekannt wurde.

In Irland wurden ehemalige Heimkinder laut „Spiegel“ mit durchschnittlich 76 500 Euro entschädigt.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Frank Kampehl 15.02.2012 - 20:37:00

Zeitbomben?

Zeitsprung- 20 Jahre in der Zukunft- Ein mögliches Szenario: Ein hochgradig an Alzheimer erkrankter Greis verletzte eine Pflegekraft schwer und stammelt fortlaufend immer Sätze wie:” Ich werde wieder abhauen!” ” Von Makarenko lernen-tut weh! " Der geistig in seine Kindheit Zurückgefallende, verweigert sich mit allen Kräften der Einnahme von beruhigenden Medikamenten und schreit:”Ich will keine Lepinaletten mehr, davon kriege ich Nierenschmerzen! “Morgen kommt mein Vater aus dem Westen und fackelt das verdammte Spezialkinderheim ab!" "Wenn er nicht kommt tu ich es!” Vergeblich versuchen Ärzte von dem Greis zu erfahren, was Ihm in seiner frühen Kindheit widerfahren ist. All zu gründlich scheint er es in sein Unterbewustsein verbannt zu haben, aus dem es nun in Stücken hervorbricht. Erlebnisse aus Kriegszeiten scheiden wegen dem Geburtsdatum aus. tik, tik, tik,tik…………..

Dirk Friedrich 05.12.2010 - 17:41:40

Einfach widerwärtig!

Sie haben uns unsere Kindheit gestohlen! Uns belogen, betrogen und viele Ehemalige zerbrochen. Sie haben uns schuften lassen! Sie haben uns weg gesperrt! Geprügelt, verachtet und sexuell missbraucht! Sie haben uns wie Dreck behandelt! Sie haben uns ihre Religion der "Nächstenliebe" in die Köpfe gehauen. Sie haben unzählige unserer Heimkinderakten vernichtet, die als einzige Beweise für ihr elendiges Verhalten herhalten könnten. Wir sollen jetzt nachweisen in welches Elend sie uns gestoßen haben, obwohl sie die Beweise rigoros vernichtet haben. Jetzt zeigen sie uns wieder ihre Verkommenheit. Ihre Menschenverachtung übersteigt jedwede Grenzen. Was diese skrupellosen Kinderschänder uns angetan haben verfolgt uns bis heute und es hört nicht auf. Die "christlich" regierten Länder lehnen eine pauschalierte Entschädigung ab. Sie sind das "C" nicht wert, dass sie vor sich hertragen. Was ist das für ein furchtbares Land? Meines ist es nun nicht mehr! Dennoch lassen wir ehemalige Heimkinder uns nicht weiter so behandeln. Unser Kampf geht weiter!

Dettinger 04.12.2010 - 18:17:16

Es ist widerwärtig!

Es ist schlicht unmöglich, unglaublich, widerwärtig! Jahrelang haben sich kirchliche und staatliche Einrichtungen an uns bereichert indem sie uns Zwangsarbeit verrichten ließen, haben uns belogen und betrogen um Ausbildung und Beruf, haben uns in eine unerhörte Lieblosigkeit geworfen, uns weggeschlossen wie man Vieh nicht wegschließt, uns sexuell, physisch und psychisch missbraucht, uns gefoltert bis die Knochen splitterten und die Hoden weggebrannt waren! Und jetzt im Alter sollen wir ihnen unsere EInkünfte offenlegen, vor ihnen wieder "die Hosen runterlassen", uns erneut demütigen lassen und zu Kreuze kriechen??? Es geht ihnen um Geld! Es geht ihnen um Macht! Uns geht es um unser Leben! Wir leben in einem der reichsten Länder der Welt und unsere Forderungen sind wahrhaftig nicht hoch gemessen an dem, was uns angetan wurde. Und nun sollen wir wieder einmal wie Dreck behandelt werden? Pfui Spinne! Ich schäme mich eine Deutsche zu sein! ABER JETZT ERST RECHT!

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG