Als er ins politische Rampenlicht trat, nannten sie ihn Bambi. Inzwischen ist aus Christian Lindner der Platzhirsch der FDP geworden - aber die FDP ist, um im Bild der Bambi-Saga zu bleiben, nur noch ein verbrannter Wald. Nichts als verkohlte Reste einstiger Größe, ohne Anzeichen von Glut. 150 Jahre war das Dreikönigstreffen in Stuttgart das Hochamt des Liberalismus in Deutschland, aber in diesem Jahr ist es nicht einmal ein Krippenspiel: Keine zündende Idee, nichts Originelles, nur der Beweis, dass Christian Lindner gut reden kann.
Das ist zu wenig, um denen Belege zu liefern, die behaupten, dass die politische Landschaft in Deutschland unverändert die FDP brauche. Denn nach dem Stuttgarter Treffen drängt sich eher der Verdacht auf, dass es sich lediglich um einen Phantomschmerz handelt, den viele Patienten noch Jahre nach einer Amputation spüren.
Die FDP war in ihren guten Zeiten immer eine Partei, die sowohl programmatisch liberal Pflöcke einschlug, auch wenn sie weh taten, als auch mit überzeugendem Personal beeindrucken konnte. Und jetzt? Das, was programmatisch zu vernehmen ist, haben auch andere Parteien zu bieten. Beim Personal wiederum fiel in Stuttgart vor allem der immer umtriebige Wolfgang Kubicki in seiner neuen Rolle als "Tapeten-Kutte" Kurt Hager auf. In Anlehnung an den ehemaligen SED-Chefideologen verkündete er: "Gelegentlich muss man mal die Tapeten wieder neu streichen oder überkleben, um festzustellen, in was für einer tollen Wohnung man lebt."
Was er meinte, war die neue Zusatzfarbe im gelb-blauen Logo der FDP: Die Farbe Magenta, mit der sich schon die Telekom in den 1990er-Jahren einen moderneren Anstrich gab. Die FDP jetzt also als Telekom-Partei. Bisher haben ihr solche Modernisierungs-Übungen nie geholfen: Irgendwann in den sechziger Jahren wurde aus der FDP die F.D.P., drei Punkte sollten es richten und taten es nicht. Später verschwanden sie wieder, aber auch das brachte nichts.
Bambi und Magenta - das reicht nicht, um in Parlamente zurückzukehren. Irgendwann hilft nicht einmal mehr der Phantomschmerz, weil er vergangen ist. Wenn nicht bald Inhalte geliefert werden, wird die FDP zum Thema allein für Historiker.