Knapp 130 Tageszeitungen gibt es in Deutschland, überregional und regional, mit großer Auflage oder kleinem Erscheinungsgebiet. Außerdem Wochenzeitungen, Zeitschriften, Politikmagazine und Wissenschaftspublikationen. Dazu - beim richtigen Kabel - Fernsehsender ohne Ende, Radio via Internet und natürlich die Möglichkeit, sich im Netz kundig zu machen.
Dementsprechend groß ist die Möglichkeit, sich zu informieren. Wer sich noch an die Staatsmedien aus DDR-Zeiten erinnert, bei denen schon ein nicht abgenicktes Komma das Ende der beruflichen Zukunft (und Schlimmeres) bedeuten konnte, weiß die heutige Vielfalt der deutschen Medienlandschaft zu schätzen und zu nutzen.
Lügenpresse halt die Fresse", schallte es Journalisten nicht nur bei den "Pegida"-Märschen in Dresden entgegen. Die Parole wurde auch beim Hooligan-Auflauf in Köln skandiert und - kein Zufall - von Neonazis vor zwei Jahren an das Redaktionsgebäude der Lausitzer Rundschau gesprüht. Nun ist sie in der Mitte der Gesellschaft angekommen - wenn auch häufig noch anonym: Unter Pseudonymen, die im Netz genutzt werden, um die eigenen Identität zu verschleiern, wird das Märchen von den Staatsmedien erzählt.
Dabei ist es mit den Medien wie mit dem Staat. Wir alle machen ihn aus, wir alle sind dafür zuständig, die Presse- und Meinungsfreiheit, im Grundgesetz verankert, zu erhalten. Wer jetzt großmäulig und im Schutz der Anonymität herumkübelt, legt die Lunte für geistige Brandstiftung an das hohe Gut der freien Berichterstattung. Eine Zensur findet - außer bei Verleumdung und Beleidigung - nicht statt. Wer anderes sagt, soll es beweisen.