Einschüchterung und Widerstand – das steht jetzt auch in der Freien Schule im mecklenburgischen Prerow zur Diskussion. Ein Schüler hatte in seiner Abirede heftige Vorwürfe gegen seinen Direktor und dessen Führungsstil erhoben, hat sich satirisch bedankt für Schulverweise anderer Schüler, für Einschüchterungen oder das Überwachen von Schülern durch andere Schüler. Außerdem machte Fiete Korn auf die hohe Fluktuation in der Lehrerschaft aufmerksam. Der Schulleiter antwortete mit einer Strafanzeige wegen übler Nachrede, Jan Böhmermann bot dem 18-Jährigen einen Praktikumsplatz in seiner Satireserie an.
Fiete Korn wusste, dass ihm der Direktor nichts mehr anhaben konnte, er hatte sein Abitur in der Tasche. Dass der smarte dunkellockige Schlacks gleichwohl auch vorher kein bequemer Schüler gewesen sein wird, glaubt man sofort, wenn man ihn in einem Online-Video erlebt. Hier lässt sich einer das Selberdenken nicht verbieten. Genau das sollte man in der Schule eigentlich lernen.
Ein Klima des Schweigens und der Unterdrückung herrscht in vielen Klassikern der Schulliteratur, von Hermann Hesses "Unterm Rad" über Robert Musils "Die Verwirrungen des Zöglings Törless", Ödön von Horváths "Jugend ohne Gott" bis zu Judith Schalanskys "Der Hals der Giraffe", und auch "Harry Potter" kennt diese Mechanismen. Immer ist es die geschlossene Gesellschaft einer Institution, die Machtmissbrauch begünstigt.
Aufstehen und etwas sagen, das tun auch die Abiturienten in Lars Kraumes Film "Das schweigende Klassenzimmer", nach einer wahren Geschichte, die sich an einer Oberschule in Storkow zutrug. Der Film wurde schließlich in Eisenhüttenstadt gedreht. Weil sie einen Kameraden nicht verraten wollen, werden die Schüler der Oberklasse 12 der Schule verwiesen, die meisten von ihnen fliehen daraufhin in den Westen.  So dramatisch wird sich seine Aktion für Fiete Korn nicht auswirken. Im Gegenteil: Er überlegt jetzt, in die Politik zu gehen.